DNA von Madeline Juno

DNA von Madeline Juno

September 21, 2017 0 Von BenniCullen

Heute gibt es seit Ewigkeiten mal wieder eine Album-Rezension. Leider komme ich derzeit nicht wirklich zum Anhören von ganzen Alben, ich höre eher einzelne Songs in meiner Playlist, die ich ja auch hier monatlich veröffentliche. Das wird sich aber im Ende September und über den kompletten Oktober hinweg ändern, denn es veröffentlichen ganz viele Stars ihre neuen Alben – davor hat sich aber eine deutsche Künstlerin gedacht: “Hey, schon lange nichts mehr veröffentlicht, hauen wir doch mal rein”. Und genau das hat sie dann auch getan: Madeline Juno, vielen vielleicht mit ihrem Song “Error” im Ohr, singt nämlich seit letztem Jahr auf Deutsch und scheint damit so glücklich zu sein, dass sie gleich ein ganzes Album mit deutschen Songs rausbringt. “DNA” heißt das Ganze und stellt nicht nur sprachlich einen Unterschied zu ihren Vorgängern dar: Während das Debüt “The Unknown” teilweise sehr grungig und düster daher kam, folgte mit “Salvation” ein Werk, was austauschbarer nicht hätte sein können. Einzig der Song “Into the Night” konnte mich da wirklich begeistern, sonst war ich aber enttäuscht. Anders bei ihrem neusten Werk: Die vorher ausgekoppelten Songs haben mich so mitgenommen, dass ich mir völlig blind die LP zugelegt habe – und es hat sich gelohnt.

© Embassy of Music

Zunächst kannte ich, wie gesagt, nur die Singles, doch diese hatten es in sich: “Still” war so positiv, so frisch, so anders, verglichen mit aktueller deutschsprachiger Musik, dass ich ihn einfach feiern musste – allein schon wegen seines Sounds und der Positivität, die er ausstrahlt. Das passende Musikvideo dazu fängt diese Freude wirklich sehr gut ein und führte dazu, dass ich diesen Song wirklich rauf und runter hörte. Gleiches galt für “Gift”, die zweite Singleauskopplung aus “DNA”. Dieser drehte sich – anders als bei “Still” – um die liebe Liebe und zwar um eine, die giftig für beide Parteien zu sein scheint. Und obwohl mich “Still” bereits total gecatcht hatte und bei mir richtig Ohrwurmpotenzial an den Tag legte, setzte “Gift” einfach nochmal einen oben drauf. Dieser Rhythmus, dieser Refrain und diese Ehrlichkeit – Madeline Juno überzeugte mich komplett und spätestens hier war klar: “DNA” muss her und zwar sofort! Und Madeline enttäuschte nicht: Das Album besticht mit seinem sehr eigenen Sound und Texten, die mich persönlich sehr berühren – entweder, weil sie so emotional sind oder, weil sie so großartig verfasst sind, dass ich einfach Spaß beim Zuhören habe.

Besondere Highlights sind für mich “Drei Worte”, “Schatten ohne Licht”, “Von jetzt an” und “Ohne Kleider”. Songs, die meiner Meinung nach genau so im Radio laufen könnten, weil sie eingängig sind und dennoch etwas ganz Besonderes an sich haben, dass die Sängerin von anderen Künstlern ihrer Art unterscheidet. Diese Songs zeigen, dass Madeline Deutsch singen kann und damit eigentlich ganz oben in den Charts landen müsste – dennoch scheinen irgendwie die Musikhörer nicht so richtig Zugang zu ihr und der Musik zu finden, denn wenn ich Madeline Juno sage, dann schauen mich die meisten unwissend an und fragen, wer sie denn sei. Wenn ich dann Songs spiele, dann sind die meisten ganz verwundert, dass sie eine solche Sängerin verpasst haben. Woran das wohl liegt? Denn auch für Zuhörer, die vielleicht nicht unbedingt dem Mainstream-Radio-Sound verfallen, bietet Frau Juno eine ganze Menge: Beispielsweise den Einsteigertrack “Halt mich fest”. Anfangs war ich ja etwas ratlos als ich den Song gehört habe, aber nach dem zweiten und dritten Mal Hören war ich total gefesselt von der sehr eigenen Art und Weise, wie sich der Song aufbaut. Toll, dass Madeline eben nicht nur an Hits bastelt, sondern sich auch künstlerisch auslebt und eine solche Facette zeigt.

Doch auch die anderen Tracks haben etwas an sich, was mich begeistert: “DNA” hat für mich die Selbstbewusstheit von “Still” und ist deshalb für mich irgendwie die kleine Schwester des Tracks, “Phantomschmerz” versetzt mich sofort in eine ganz bestimmte Situation und die letzten drei Albumtracks “Unser Lied”, “Zeitlupe” und “Wenn ich angekommen bin” lassen mich träumen, tanzen und nachdenken. Alles, was das Herz begehrt, sozusagen. Außerdem ein ganz besoneres Schmankerl: Die Akustikversion des Songs “Waldbrand”, den Madeline bereits letztes Jahr mit ihrer gleichnamigen EP veröffentlicht hat. Irgendwie hat es mir dieser besonders angeta, so richtig begründen kann ich das auch nicht. Vielleicht liegt es an der besonderen Stimmung oder dem wirklich starken Refrain – ich weiß es wirklich nicht, bin aber (immer noch) schwer beeindruckt.

Was ist also mein insgesamter Eindruck? Ganz einfach: ANHÖREN! Wer auf deutschsprachigen Radiopop steht, der macht mit “DNA” wirklich überhaupt nichts falsch. Tolle Texte, eingängige Instrumentalisierungen, ein sehr eigener Sound und eine Art zu singen, die wirklich berührt. Madeline Juno sollte viel mehr Beachtung finden als sie es tut, denn wir haben es hier mit einer jungen Künstlerin zu tun, die nicht nur großartig performt, sondern auch großartig schreibt – eine Kombination, die nicht jede Künstlerin vorzuweisen hat. Ich weiß jetzt schon, dass mich das Werk über den Herbst/Winter begleiten und mir noch viele Jahre lang Freude schenken wird. Ich hoffe inständig, dass Madeline weiter mit deutschsprachigen Songs auftritt und wir noch ganz viele solcher Alben bekommen – ich werde mir jedes einzelne davon kaufen. Von mir gibt es deshalb 5 Sterne und damit eine klare Empfehlung für euch (:

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