Meaning of Life von Kelly Clarkson

Meaning of Life von Kelly Clarkson

November 9, 2017 2 Von BenniCullen

Diese Frau begleitet mich schon mein ganzes Leben. Also fast. Seit ihrem ersten Album “Thankful” und besonders seit ihrem Folgewerk “Breakaway” bin ich rießiger Fan von Kelly Clarkson. Ihre Songs berühren mich, ihre Stimme erstaunt mich und ihre Geschichte begeistert mich – Kelly wird nunmal immer das erste American Idol sein. Ihr Song “Because of You” rührt mich immer noch zu Tränen, “Breakaway” erinnert mich an eine ganz bestimmte Zeit, “My Life Would Suck Without You” verbinde ich mit einer bestimmten Person, “Stronger” war mein Abi-Song und “Piece by Piece” erzeugt heute noch Gänsehaut. Und auch zu jedem ihrer 7 Alben könnte ich euch einen Schwank aus meinem Leben erzählen. Einfach so. Und einfach deshalb, weil ich ihre LPs wirklich rauf und runter gehört habe und sie mich immer in einer Phase meines Lebens begleitet haben. Und zwar sehr intensiv begleitet haben. Deshalb bin ich natürlich hellhörig geworden, als Kelly ihr neues Album “Meaning of Life” ankündigte. Dieses stellt das erste Werk dar, welches sie unter ihrem neuen Plattendeal mit Atlantic Records veröffentlicht und wurde auch als großes Comeback promotet, schließlich ändert Kelly hier nicht nur ihr Label, sondern auch ihren Stil: Aus der Rock/Pop-Maus wird eine soulige Pop-Diva, die RnB, Soul und Trap in ihre Arbeit einfließen lässt – ob das funktioniert und an alte Erfolge anknüpfen kann?

© Atlantic Records


Schon beim ersten Anhören des Albums wusste ich: Oh ja, das wird was. Im Intro macht Kelly klar, dass sie manchmal eine Minute für sich braucht, um das sagen zu können, was sie auch wirklich sagen möchte. Es wird deutlich, dass wir jetzt ein Album hören werden, welches zu 100 % die Sängerin wiederspiegelt und sie von einer komplett neuen Seite zeigt. Da passt es, dass der nächste Track gleich die erste Singleauskopplung des Albums ist: “Love So Soft” hat mich beim ersten Hören vom Stuhl gehauen, ist es doch wirklich alles, aber nicht das, was man von Kelly eigentlich kannte. Der Song hört sich nach Trap, Soul und RnB an, gepaart mit den dann wieder für Kelly typischen Ohrwurmsound und ihrer herausragenden Stimme. Dabei merkt man das Selbstbewusstsein in jeder aufkommenden Zeile – selbst die Backgroundsängerinnen strahlen das aus. Ein ganz großartiger Song, der viel mehr Erfolg verdient! Auch der Anschlusstrack “Heat” kann da mithalten, zeigt er doch eine relativ klassische Seite des RnB-Pop, den man aus den 2000ern kennt und kombiniert diesen mit modernen Beats aus den Charts. Dabei steht auch hier Kellys Stimme im Vordergrund und liefert somit ein Gesamtpaket, welches durchaus als Single vorstellbar wäre. Im Anschluss folgt der Titeltrack “Meaning of Life”, dessen Refrain gar nicht mehr aus meinen Ohren verschwinden will. Gleichzeitig muss man sich hier eigentlich gezwungenermaßen die Live-Version auf YouTube ansehen, denn da strahlt der Song nochmal viel mehr – obwohl er als Album-Track auch schon sehr stark ist. Selbes gilt für die Ballade “Move You”, die live bei mir einfach jedes Mal wieder Gänsehaut auslöst und mich wirklich berührt.
Als sechsten Song präsentiert uns Kelly dann einen wahren Diamanten, den sie auch noch selbst mitgeschrieben hat: In “Whole Lotta Woman” präsentiert sich Kelly als Texas-Girl, das weiß, was es will und besticht damit mit ihrem Selbstbewusstsein und Edge. Dabei ist es ihr völlig egal, was andere von ihr denken und hat einfach nur Spaß – musikalisch als auch gesangstechnisch. Für mich ein klarer Anwärter für die nächste Single und ein Song, zu dem ich unbedingt ein Video sehen möchte. Und zwar sofort. Wer hier nicht mitgeht, ist selbst schuld. Im Anschluss folgt die zweite Hälfte des Albums, die mir persönlich weniger in Erinnerung bleibt als die erste Hälfte, dennoch kann ich auch hier sehr gut mitgrooven. Grooven kann man auch gut zu “Medicine”, der diesen Mittanz-Vibe hat, den ich sehr schätze, schließlich führt er zu sofortiger gute Laune. Nach “Whole Lotta Woman” feiert man also gleich weiter, was ich ziemlich gut finde. Wem das jetzt zu viel gute Laune und Selbstbewusstsein war, der dürfte mit dem Folgetrack zufrieden sein: “Cruel” ist ein Midtempo-Burner, der sich wieder komplett auf die Stimme konzentriert und den man genießt, weil Kelly ihn so grandios singt. Das ist ein Kandidat für all jene, die gerne unter der Dusche singen – bei dem Song kann man einfach nur zur Duschdiva werden ;-)So, und jetzt zu einem Song, der mit jedem neuen Hören mehr und mehr in mein Ohr gewandert ist und jetzt richtig fest sitzt: “Didn’t I” übernimmt die Geschwindigkeit von “Cruel”, macht daraus aber was völlig anderes und hat einen Refrain, den man einfach feiern muss. Sehr simpel, aber eben sehr akzentuiert – anders kann ich es gar nicht beschreiben. Ich feier das extrem und freue mich hier auf eine Live-Version. Ebenfalls anfangs eher untergegangen, aber dann bemerkt und als sehr eigen empfunden ist “Would You Call That Love”. Der Song wirkt sehr verträumt und ungezwungen, an manchen Stellen sogar sehr minimalistisch. Mittlerweile mag ich den Song sehr, allerdings war ich jetzt nicht sofort begeistert. “I Don’t Think About You” begeistert dagegen sofort, ist er doch neben “Move You” die einzige Ballade der LP. Sehr gefühlvoll und irgendwie wie eine moderne Version von “A Moment Like This”, die Kelly als erwachsene Frau hier zeigt. Ich habe Gänsehaut und könnte mir vorstellen, dass es nicht nur mir so geht.

Anschließend folgen die Tracks “Slow Dance” und “Don’t You Pretend”, die eher sexy sind und ein sehr interessantes Songwriting aufweißen, weil sie sehr viele Metaphern verwenden, die einen sehr bildhaften Eindruck hinterlassen. Gleichzeitig finde ich hier auch die Produktion interessant, besonders bei letzterem merkt man zwar die Inspiration durch ältere RnB/Soul-Titel, allerdings kommt er sehr modern produziert beim Hörer an – eine tolle Mischung, die uns Kelly Clarkson hier bietet. Vielleicht keine ernsthaften Singlekandidaten, aber durchaus Tracks, die man während des Anhörens genießen kann. Als Abschluss folgt dann ein weiteres Highlight und für mich ein Song, der UNBEDINGT als Single veröffentlicht werden muss: “Go High” ist inspiriert von einer Rede von Michelle Obama und handelt davon, mit Würde den Problemen des Alltags zu begegnen. Denn nur, weil sich jemand entscheidet, unter die Gürtellinie zu gehen, heißt das nicht, dass man selbst auch in diese Richtung gehen muss. Die Thematik ist wirklich großartig, allerdings noch viel beeindruckter war ich von der Produktion: Der Track bricht etwas mit dem Stil des restlichen Albums, kommt er fast etwas elektronisch/dancig daher und genau das feier ich so! Er klingt modern, eingängig und nach sehr viel Spaß und ist somit ein grandioser Abschluss für ein grandioses Album.

Insgesamt bin ich total begeistert von der neuen Richtung, in die Kelly mit ihrem 8. Studioalbum geht. Der neue Sound steht der Sängerin, gleichzeitig merkt man, dass sie bei sich angekommen ist und ganz genau weiß, wie sie sich anhören möchte. Dabei präsentiert sie ein Album, welches keine Lückenfüller aufweißt und als Gesamtkunstwerk überzeugt. Dennoch habe ich auch meine klaren Favoriten: “Love So Soft”, “Heat”, “Whole Lotta Woman” und “Go High” sind für mich die klaren Singlekandidaten, die international erfolgreich sein müssten, einfach weil alles so perfekt zusammenkommt: Gesang, Produktion, Songwriting und Sound. Mein liebstes Album von Kelly war ja bislang “Stronger” und ich muss auch sagen, dass ich finde, dass dieses Album am besten zeigt, was für eine gute Songwriterin Kelly ist. Geht es allerdings um die Stimme und das Gefühl, dann hat wohl “Meaning of Life” die Nase vorn. Für mich daher ein klares 5 Sterne-Album und an euch den Tipp, das Album unbedingt mal anzuhören – es lohnt sich total! Aber natürlich nur, wen man offen für RnB und Soul ist.

 © Atlantic Records