Tell Me You Love Me von Demi Lovato

Tell Me You Love Me von Demi Lovato

September 30, 2017 0 Von BenniCullen

Wie habe ich doch auf dieses Album gewartet: Demi Lovato begleitet mich nun schon seit mehreren Jahren und veröffentlicht regelmäßig Alben, die mich für Monate, wenn nicht sogar Jahre vollkommen in ihre Welt ziehen. Die Sängerin vereint für mich einfach alles, was man sich von einem aktuellen Popstar nur wünschen könnte: Sie hat eine großartige Stimme, strahlt Selbstbewusstsein aus und hat dabei noch das Talent zum Songschreiben. Darüber hinaus steht sie zu ihrer Vergangenheit und ihren Problemen und ist somit für viele ein Vorbild in einer Welt voller Personen des öffentlichen Lebens, die ihr ach so perfektes Leben auf Instagram teilen und ja keine Fehler aufzeigen wollen. Nicht mit Demi, denn die 25-Jährige geht ihren eigenen Weg und scheut auch nicht davor zurück, ihre Meinung auf ihren sozialen Netzwerken lautstark mitzuteilen. Mir ist das manchmal etwas zu viel, schließlich muss man ja nicht zu allem seine Meinung verkünden, allerdings ist mir das lieber als jemand, den anscheinend gar nichts beschäftigt. Und wenn man dann auch noch alle paar Jahre eine großartige LP veröffentlicht, kann ich das dann erst recht verzeihen.

© Island Records

Bereits im Juli 2017 fing die neue Ära von Miss Lovato an: Denn da veröffentlichte sie ihren Mega-Hit “Sorry Not Sorry” und sorgte für großartige Reaktionen bei den Fans und Kritikern. Demi schien ihren Weg gefunden zu haben für Hits zu sorgen und gleichzeitig ihren ganz eigenen Sound zu präsentieren. Mich begeisterte der Mix aus modernem Ohrwurm-Pop, eingängigen RnB-Sounds und tighten Hip-Hop-Beats ebenfalls, was dazu führte, dass der Track quasi zu einem meiner Sommerhits 2017 wurde. Und es sollte noch besser kommen: In den letzten Monaten verkündete Demi nicht nur den Titel ihres nunmehr sechsten Studioalbums, sondern veröffentlichte auch drei Promotracks noch vor Albumveröffentlichung. Und so fesselten mich der Titelsong “Tell Me You Love Me” als auch “You Don’t Do It For Me Anymore” mit ihren souligen Klängen total und ich hatte richtig Lust auf das gesamte Werk, denn was gibt es besser als ein RnB/Soul-Album am Herbstanfang? Richtig, nicht viel. Als die Sängerin dann erst letzte Woche das Stück “Sexy Dirty Love” veröffentlichte, was den Spaß von “Sorry Not Sorry” aufgriff und nur etwas mehr Dance hinzufügte, wusste ich: Das wird groß.

Und obwohl ich so positiv gestimmt war, war ich nach dem ersten Hören etwas zwiegespalten: Ja, Demi präsentiert den RnB-Sound, den sie versprochen hat, dafür gingen aber auch die eingängigen Sounds und Texte flöten. Nachdem ich die ersten vier Tracks des Albums ja alle schon kannte, hatten es die anderen Songs vielleicht etwas schwierig und ich hatte vermutlich etwas Sorge, dass das das schlechteste Album der Sängerin sein könnte. Doch schon beim zweiten Anhören wurde ich eines besseren gelehrt: Die Songs mögen nicht sofort ins Ohr gehen, dafür können sie aber beim zweiten Mal wirklich glänzen, weil man genauer hinhört und einzelne Facetten besser heraushört. So zum Beispiel bei den Songs “Daddy Issues” und “Ruin the Friendship”. Anfangs für mich völlig unspektakuläre RnB-Songs, die aber bei genauerem Hinhören zu wahren Hits werden. Dafür muss man sich nur auf den wirklich großartigen Beat konzentrieren und sich völlig auf den Text einlassen. Dann und nur dann, gehen sie rein und machen Spaß, glaubt mir!

Nach dem eher schwachen “Only Forever”, welches auch nach dem zweiten Mal nicht so recht überzeugen mag, folgt dann wieder ein starkes Ende für das Standardalbum: “Lonely” ist ein wirklich gelungenes Feature mit dem Rapper Lil Wayne, welches durch HipHop-Beats und hart-klingenden Texten sofort reingeht und nach dem ersten Mal zu meinen Highlights gehörte. Und auch jetzt empfinde ich ihn als ganz besonderes Juwel auf “TMYLM”. Und als hätte Demi mich erhört und wollte dann doch nochmal klar stellen, dass sie nicht umsonst ein neues Album veröffentlicht hat, mit dem sie sich seit langem mal wieder richtig wohl fühlt, haut sie noch einmal alles raus, was nur irgendwie geht. “Cry Baby”, “Games”, “Concentrate” und “Hitchhiker” sind für mich wirklich eingängige Songs, die die Genre Pop und RnB perfekt zusammenbringen und nach wenigen Minuten überzeugen. Ich wüsste gar nicht, für welchen dieser Songs ich mich entscheiden würde, wen es um eine 2. Single aus dem Album gehen würde. Vermutlich wären “Games” und “Hitchhiker” besser fürs Radio, andererseits finde ich an “Concentrate” den Sound und die Produktion wirklich interessant. Was soll’s, schaue ich in die Vergangenheit, lag ich nie richtig, wenn es um die Singleauswahl ging, deshalb höre ich jetzt mit den Ratespielchen auch auf.

© Island Records
Ein Geheimtipp von mir ist hier übrigens die Deluxe-Edition: Neben den Akustik-Versionen zu den Singles “Sorry Not Sorry” und “No Promises” gibt es außerdem noch den Hit “Instruction”, den Demi gemeinsam mit Jax Jones veröffentlichte. Ich liebe alle drei Nummern und die Akustik-Versionen zeigen noch einmal eine sehr andere Facette der sonst sehr tanzbaren Upbeat-Tracks. “Instruction” bereichert das Album dagegen um einen weiteren offensichtlichen Hit und zeigt, wie vielseitig Demi als Künstlerin ist. Demnach ist diese Version des Albums nicht nur für eingeschworene Fans ein Muss, sondern auch für alle anderen Musikliebhaber. Solltet ihr das Album downloaden wollen, steht euch in Deutschland lediglich die Standardversion zur Verfügung, als physisches Format gibt es hingegen nur die Deluxe-Edition – ich zumindest weiß, was ich mir besorgen werde 😉

Was ist also mein finales Fazit? Demi zeigt auf ihrer sechsten Platte, dass sie singen kann und experimentiert gekonnt mit dem RnB-Genre. Dabei verbindet sie dieses mit Einflüssen ihres vorherigen Katalogs – einzig das Rock-Genre, mit dem sie angefangen hat, lässt sie hier außen vor. Das stört mich jedoch gar nicht, denn dafür genieße ich ihre Stimmgewalt, den Sound und die Produktion viel zu sehr, als dass ich es kritisieren könnte. Mit Hilfe schlauer Lyrics und einem Sound, der zu einer 25-Jährigen passt, entführt sie den Zuhörer in eine spannende Musikwelt, die vielleicht nicht sofort ins Ohr geht, aber dennoch zu überzeugen weiß – besonders, wenn man das Album mehrmals anhört. Während mir der Vorgänger “Confident” zwar gefallen, aber nicht gänzlich überzeugt hat, entwickelt sich Demi mit “Tell Me You Love Me” in die richtige Richtung, auch wenn sie an ihr 3. Studioalbum “Unbroken”, für mich das beste Album ihrer Karriere, ran kommt. Macht nicht’s, schließlich vergleiche ich Alben ja nicht ständig miteinander und kann trotzdem die Songs des neuen Werks genießen. Dafür gibt es von mir 4 Sterne – mal sehen, wie oft ich mir das Album noch anhören werde. “Confident” war im Vergleich ziemlich kurzweilig, dagegen kann ich “Unbroken” und “DEMI” immer noch regelmäßig anhören. Wo sich “TMYLM” einreihen wird, erfahrt ihr an späterer Stelle.

© Island Records