Younger Now von Miley Cyrus

Younger Now von Miley Cyrus

Oktober 2, 2017 0 Von BenniCullen

An dieser Frau kam man in den letzten Jahren nicht vorbei: 2013 schockierte sie die Welt mit den Songs rund um ihr fünftes Studioalbum “Bangerz”, einem Video, in dem sie nackt auf einer Bowlingkugel hing und einem VMA-Auftritt mit Robin Thicke, der für viele DAS Ereignis der letzten Jahre war. Eine anschließende Welttournee, eine VMA-Moderation und das experimentelle Album “Miley Cyrus & Her Dead Petz” später, wurde es ruhig um die Sängerin und das nicht ohne Grund: Sie zog sich zurück, arbeitete an der Beziehung zu ihrem Ex- und jetzt wieder Freund Liam Hemsworth und engagierte sich politisch als auch sozial in einer Zeit in den USA, als die Welt Trump fürchtete und Hillary belächelte. Viel passierte also in ihrem privaten und öffentlichem Leben und die einstige Sängerin entwickelte sich darüber hinaus: Miley hörte auf, Drogen zu nehmen und Alkohol zu trinken, konzentrierte sich auf sich und ihre Familie und arbeitete an ihrem neuen Album. Und das sollte so vollkommen anders sein, als jenes Werk, was sie vom Image des Disney-Stars befreite.

© RCA Records Label

Denn wir alle waren überrascht, als Miley im Mai ihre Single “Malibu” veröffentlichte: Ein Hippie-Song, der sehr entspannt daher kam und nach Sommer, Frische und ganz viel Freiheit klang. Dabei tanzte sie im dazugehörigen Video am Strand, spielte mit knallbunten Luftballons und rekelte sich nicht sexy im Gras, sondern lag einfach völlig ausgelassen auf einer Wiese. Sie änderte ihr Image komplett, erklärte, wie entspannt sie sei, seitdem sie in Malibu leben und wie anders ihr Leben sich nun anfühlen würde. Es gab keine großen Ankündigungen auf ihren Social Media-Kanälen, stattdessen veröffentlichte sie den Song ganz unaufgeregt am 11. Mai und zog dann durch unterschiedliche Radiostationen, wo der Song auch hingehörte: Heute noch höre ich ihn regelmäßig bei uns im Radio und viele äußern sich positiv zur Single. Ich war total gespannt, in welche Richtung nun das Album gehen würde, denn die Single machte einiges möglich. Deshalb war ich auch überrascht, als sie im Juni auf dem Benefizkonzert One Love Mancehster von Ariana Grande den Song “Inspired” präsentierte, der emotional, sehr politisch und dennoch gefühlvoll daher kam und mich und Millionen andere sprachlos zurück ließ. Miley schien sich gefunden zu haben und sollte das später noch bestätigen.

Kurz vor Album-Release gab es dann den Titeltrack “Younger Now” als Single und ich war zwar positiv angetan, allerdings lange nicht so begeistert wie noch bei “Malibu”. Die zweite Single hörte sich nämlich wesentlich mehr nach Country an und erinnerte ich etwas an eine erwachsene Hannah Montana. Nicht, dass das schlecht ist, allerdings hatte ich jetzt nicht das Bedürfnis ständig den Song anzuhören und mir das Video anzusehen – anders als bei vergangenen Singles wie “We Can’t Stop” oder “Wrecking Ball”. Der Musikkritiker in mir war zwar zufrieden mit der Qualität des Songwritings, der Produktion und der Präsentation, der Fan war aber etwas ratlos, war ich doch mehr Hitpotenzial gewöhnt und feierte Miley aufgrund ihres eingängigen Radiopops – “Can’t be Tamed” und “Bangerz” laufen nur deshalb bei mir regelmäßig rauf und runter. Wo das nur hinführen sollte?

Naja, sagen wir zu einem sehr konservativen Album. “Younger Now” klingt nach Musik aus einem Guss, einer Abfolge an Songs, die alle kurz nacheinander entstanden und wahrscheinlich – nur was den Sound angeht – alle aus einer Inspirationsquelle stammten. Dagegen ist zunächst nichts einzuwenden, wirkt die Platte dadurch sehr organisiert und stringent, was den Musikkritiker in mir freut, auch wenn er sich an manchen Stellen etwas mehr Abwechslung gewünscht hätte. Dennoch merkt man, dass Miley genau wusste was sie machte, besonders deutlich wird das beim Duett mit Dolly Parton, “Rainbowland”, welcher nach ziemlich viel Spaß klingt und bei dem Miley definitiv im Vordergrund ist. Doch hier beginnt schon wieder mein Problem: Alle anderen Songs könnte ich nach zwei Mal hören gar nicht wiedergeben und voneinander unterscheiden. Lediglich der Abschlusstrack “Inspired” sticht, unter den Nicht-Singles, heraus, weil er langsam ist und so gar nicht nach Country klingt. Und das liegt jetzt nicht daran, dass die Songs qualitativ schlecht sind, im Gegenteil: Die Tracks sind gut produziert, Miley singt die Songs wirklich authentisch und auch die Texte sind bis aufs kleinste Detail durchdacht. Dennoch mag der Funken – zumindest bei mir als nicht so großer Country-Fan – nicht wirklich überspringen. Nicht, weil es schlecht ist, sondern weil ihm das eingängige Element fehlt.

Miley-Fans, besonders in den USA, werden natürlich diese Rückbesinnung auf Hannah Montana-Zeiten feiern und auch ich finde es schön, dass nach all den Jahren die Sängerin selbstbewusst zu dem Genre zurückgreift, in dem sie aufgewachsen ist. Ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass das Album Anwärter auf eine Vielzahl an Nominierungen, wie in etwa den Counry Music Awards oder sogar den GRAMMY Awards sein wird, denn rein musikalisch ist es einfach von Top-Qualität. Mich persönlich langweilt nur das dominierende Genre, da hätte ich mir mehr Pop, wie in “Malibu”, gewünscht. Ich glaube deshalb nicht, dass das Album international so viel reißen wird, spreche ihm aber gute Chancen zu in Amerika durchaus auf Gefallen zu stoßen und Miley eine erneute Top-Platzierung zu bescheren. Von mir gibt es aufgrund dessen nur 3 Punkte, den ein erneutes Anhören halte ich für mich für ausgeschlossen. Aber hey, Miley macht ihr Ding und wird uns in ein paar Jahren sicherlich erneut überraschen!

© RCA Records Label