Beautiful Trauma von P!nk

Beautiful Trauma von P!nk

Oktober 27, 2017 4 Von BenniCullen

Auf dieses Album habe ich mich so gefreut, wie schon lange mehr auf eins: P!nk kündigte im Juli 2017 eine neue Single, samt Album und Tour an und die Sängerin stand zu ihrem Wort: Am 10 August veröffentlichte sie ihre Single “What About Us” und befand sich gleichzeitig auf ihrer Festival-Tour durch die USA und Europa. Ich hatte das Glück beim Konzert in Berlin sein zu dürfen, wo sie den Song zum aller ersten Mal live performte. Es war großartig und hat mir den Song nur noch näher gebracht. Gleichzeitig mit der Veröffentlichung des Tracks kündigte sie außerdem ihr neues Album “Beautiful Trauma” für den 13. Oktober 2017 an – und nicht nur ich, sondern die gesamte Popwelt schien in heller Ekstase zu sein. Denn P!nk steht seit jeher für Individualität, Emotionen und Ehrlichkeit. Aufgrund dieser Tatsache beschäftigte ich mich bereits in einem separaten Beitrag mit der Single und den Titelnamen – zu diesem Beitrag gelangt ihr hier. Man merkt, wie aufgeregt ich war und jetzt schulde ich euch noch eine Antwort: Konnte mich P!nk mit ihrem neuen Werk überzeugen? Oder war all die Aufregung umsonst?

© Sony Music

Nach dem ersten Hören schien es irgendwie darauf hinaus zu laufen: P!nk präsentiert sich auf “Beautiful Trauma” größtenteils von ihrer sanften Seite und haut eine Ballade und Midtempo-Nummer nach der anderen raus. Einzig “What About Us”, “Revenge”, “Where We Go” und “For Now” scheinen dieses Prozedere zu brechen. Während ich “What About Us” immer noch feierte und “Where We Go” aufgrund seines leichten Hippie-Einschlags sofort ins Herz schloss, war ich anfangs etwas skeptisch mit “Revenge”, dem Track, auf dem Eminem als Gast auftritt. Der Song schien mir zu verrückt und viel zu simpel, besteht der Refrain doch größtenteils aus dem Titel, was ich normalerweise nicht wirklich mag. Allerdings musste ich mir eingestehen, dass ich ein paar Stunden nach Anhören einen ganz schönen Ohrwurm von dem Track hatte. Irgendwas schienen die beiden also doch richtig zu machen. Mittlerweile feier ich “Revenge” sehr und freue mich schon auf das Video – der Track soll nämlich als zweite Single aus dem Album veröffentlicht werden. Tja und “For Now” wirkte erstmal irgendwie wie ein Durcheinander an Sounds, doch beim zweiten Hören verliebte ich mich irgendwie in den Song. Warum? Ich weiß es nicht, aber er gehört zumindest zu meinen Favoriten.

Außerdem schön fand ich die Promo-Singles: Der Titelsong “Beautiful Trauma” ist immer noch mein Lieblingssong derzeit, weil er einerseits so ehrlich und andererseits so eingängig ist. Dabei hat er irgendwie etwas märchenhaftes, gepaart mit P!nks unverkennbaren Humor. Eine wirklich großartige Mischung, die nicht nur Emotionen, Gesang und Text perfekt miteinander vereint, sondern auch im Ohr hängen bleibt. Gleiches gilt für “Whatever You Want”, auch wenn ich anfangs dachte, er wäre eine verlangsamte Version von “Just Like Fire”, dem Filmsong zu “Alice hinter den Spiegeln”. Allerdings empfinde ich hier den Refrain als besonders stark, weshalb er auch weider im Ohr hängen blieb. Da ich die beiden Songs bereits vor dem Album kannte, führte das dazu, dass ich mich auf der ersten Hälfte ziemlich wohl fühlte. Und dann kam das restliche Album… und das war gewöhnungsbedürftig.

Warum? Wir kennen P!nk als Rockröhre, die kein Blatt vor den Mund nimmt und Pop-Rock vom feinsten präsentiert. Das bekommen wir aber diesmal nicht. Vielmehr präsentiert sich uns hier eine erwachsene Frau und Mutter, die ihre Erfahrungen reflektiert und den Spaß ein wenig zur Seite schiebt (oder in vollkommen in “Revenge” aufbraucht, besser gesagt). Und genau zu dieser Einsicht musste ich erstmal gelangen. Denn schon beim zweiten Hören, als ich bewusst auf den Text achtete und die Stories dahinter, machte es plötzlich Klick und ich feierte die Songs – und zwar jeden einzelnen. Vielleicht haben wir hier kein Album, das für einen Hit nach dem anderen sorgen wird, aber wir haben hier definitiv ein Album, welches man sich noch in zehn Jahren anhören wird und es als gut empfindet. Persönliche Highlights für mich sind die Songs “But We Lost It”, “Barbie”, “Better Life” und “I Am Here”. Ersterer und letzterer gingen mir schon beim ersten Hören unter die Haut. “But We Lost It” ist einfach so emotional vorgetragen, dass man mitfühlen muss und “I Am Here” ist einfach ein starker Soul-Song, der durch den Gospelchor im Hintergrund total hervorsticht. Gleichzeitig hören wir hier wieder eine politische P!nk, die vor nichts zurückschreckt – es diesmal aber nicht provokant zeigt, sondern eine erwachsene Art und Weise findet, ihre Message rüberzubringen. “Barbie” ist dagegen Nostalgie pur und hat einen unfassbar schön komponierten Text – ich hoffe wirklich inständig, dass das hier die 3. Single wird, denn ich möchte unbedingt ein Video dazu haben. Sehr lustig, denn als ich den Titel zum ersten Mal las, dachte ich, wir bekommen sowas wie “Stupid Girl” 2.0… so falsch kann man liegen 😀

Alle anderen Tracks gefallen mir nach mehrmaligem Hören auch gut, zeigen sie doch immer andere Facetten der Sängerin. Zwar sind sie nicht so eingängig wie die oben genannten, allerdings überzeugen sie, wenn man auf den Text hört und sich komplett fallen lässt. “Wild Hearts Can’t Be Broken” hat mich anfangs beispielsweise so gar nicht überzeugt, mittlerweile bekomme ich Gänsehaut, wenn ich ihn höre. Einfach nur, weil ich auf den Text höre und ein Film abläuft. Selbes gilt für “Secrets”, wenngleich hier auch nicht er Text entscheidend ist, sondern eher die Produktion und Instrumentalisierung, die ich als völlig anders empfinde als das, was unsere Ohren derzeit so zu hören bekommen. P!nk sorgt für Abwechslung, obwohl sie nicht an Geschwindigkeit zulegt. Das mag manchen gefallen, anderen vielleicht weniger.

Insgesamt ist “Beautiful Trauma” für mich ein Album, welches mehrere Durchgänge braucht, um gänzlich zu überzeugen. P!nk probiert sich auf ihrem 7. Studioalbum aus und zeigt sich von einer ganz anderen Seite. Dabei verzichtet sie größtenteils auf bewährten Rock-Pop und bezieht Folk-, Soul- und RnB-Elemente mit ein. Dies mag anfangs etwas ungewohnt wirken, seien wir aber ehrlich: Die Sängerin hatte schon immer diese Einflüsse, jedoch hat sie sie nie so gebündelt dargestellt. Schön, wenn man auf bewährte Rezepte verzichtet und sich tatsächlich zur Aufgabe macht ein Album zu schaffen, welches es so vorher nicht gegeben hat. Davon könnten sich einige Künstler etwas abschneiden. Und ja, ich habe auch zwei Durchgänge gebraucht, aber dann wurde ich so richtig geflasht, sodass ich mir das Album seit Kauf regelmäßig immer wieder in voller Länge anhöre – und das soll was heißen. Ist es mein Lieblingsalbum von P!nk? Nein, an “Funhouse” kommt es dann doch nicht ran. Ist es aber ein Album, das ich für die nächsten Jahre heranziehen werde, wenn ich mal wieder in Stimmung für P!nk-Musik bin – definitiv! Dafür gibt es dann auch  5 von 5 Sternen und somit eine klare Empfehlung – wenn auch mit dem Zusatz, dass man “Beautiful Trauma” durchaus mehrere Chancen geben muss, damit es gänzlich und völlig überzeugen kann.

© Sony Music