Albumrezension: Only Love, L. von Lena

Albumrezension: Only Love, L. von Lena

Mai 3, 2019 0 Von BenniCullen

Herzlich Willkommen zu dieser Rezension!

CD-Rezensionen gibt es auf diesem Blog immer weniger, da ich meistens einfach nicht den dringenden Drang verspüre, meine Meinung zu einem Album in einem extra Beitrag darzustellen – dafür nutze ich mittlerweile die Rubriken Song and Album of the Week innerhalb meiner Coffeetalks. Jetzt geht es mir aber wirklich um ein Album, auf das ich Jahre gewartet habe und das jetzt endlich erschienen ist: Only Love, L. von unserer ESC-Siegerin 2010, Lena.

Was hat die junge Sängerin in den letzten Jahren alles mitgemacht: ESC-Sieg 2010, Mission Titelverteidigung 2011, Losmachen von alten Strukturen mit ihrem dritten Studioalbum Stardust und ein radikaler musikalischer Bruch mit ihrem Vorgänger Crystal Sky, bei dem sie komplett in die Pop-Dance-Richtung gewechselt ist. Nebenbei war bzw. ist sie Testimonial für verschiedene Marken und durfte sich nicht nur einmal Kritik zu ihrer Person, ihrem Aussehen und ihrem Verhalten anhören. Neun Jahre nach ihrem phänomenalen Sieg und nach Jahren der Ups and Downs nun also ihr fünftes Studioalbum – das in gewisser Weise ihr persönlichstes bis dato ist.

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https://www.youtube.com/watch?v=Y1J41MQh3Ss

Wir steigen mit dem sehr emotionalen Dear L ein, ein Song in Briefform den die zukünftige Lena an ihr jüngeres Ich schreibt. Sie solle doch auf ihre Intuition hören und endlich verstehen, dass Fehler zum Leben dazu gehören. So lange sie das macht, was sie für richtig hält und auf ihre Mutter hört, wird alles gut. Der Song ist teilweise instrumental, teilweise aber auch sehr elektronisch produziert, was einen interessanten Kontrast darstellt und dazu führt, dass man ganz genau hinhört. Für mich der beste Einstieg in ein Lena-Album, den ich je gehört habe. Natürlich befinden sich ebenfalls die Singles Thank You und Don’t Lie to Me sowie der Promotrack Sex In the Morning auf dem Album, welche Ohrwürmer sondersgleichen sind und eigentlich viel erfolgreicher sein sollten.

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https://www.youtube.com/watch?v=UwJH0Bwwc7g

Ansonsten stellt man schnell fest, dass Lena sowohl ihre eigene Person und somit ihre Erfahrungen verarbeitet als auch eine gescheiterte Beziehung. So singt sie im Track Love, dass sie diese Liebe nicht mehr fühlen kann, wie sie sie früher gefühlt hat. Der Song überzeugt erst nach mehrmaligem Hören so richtig und geht überraschenderweise ins Ohr, auch wenn man anfangs nicht ganz so begeistert ist. Für mich zählt er aber zu den qualitativ hochwertigeren Tracks der Sängerin. Kritisch wird Lena außerdem in den Songs Scared,Stuck Inside und Skinny Bitch – kritisch sich gegenüber, aber durchaus auch ihrem Umfeld gegenüber. Man merkt, dass sie eine gereifte Persönlichkeit ist, die mit ihrem Leben bewusst umgeht und dabei auch selbst Fehler einräumt. Gleichzeitig verliert sie den Radiosound nicht und überzeugt mit sommerlichen Beats und Klängen.

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https://www.youtube.com/watch?v=B_BLi76JPqA

Etwas komplexer ist es dann mit den Songs Private Thoughts, Note to Myself, Boundaries und OK: Alles Songs, die sich gut hören lassen, die aber etwas Zeit brauchen, um gänzlich von sich zu überzeugen. Und sie tuen es auch alle, aber auf andere Weise: Private Thoughts und Note to Myself kamen bei mir erst an, als Lena in einem Interview erklärt hat, was sie ihr bedeuten. Dagegen empfand ich Boundaries und OK erst als richtig gut, als ich in meinem Auto saß und genau auf den Text hörte – und dieser dann auch noch perfekt in meine Situation passten. Das sind vielleicht keine Singles, aber Lieder, die wohl Lena einfach mal veröffentlichten musste, um damit abschließen zu können.

Insgesamt kann ich nur eins sagen: Ich bin restlos begeistert. Ich war 2015 auf einem Konzert der Künstlerin und war etwas enttäuscht – nicht von den Songs oder dem damaligen Album Crystal Sky, sondern von Lena selbst. Sie wirkte müde, ausgelaugt und total genervt. Auch dieses Jahr gehe ich wieder auf Tour (diesmal nur wegen der Musik), aber ich bin mir sicher, dass ich eine andere Lena sehen werde. Eine Künstlerin, die zu sich gefunden hat und ein Stückchen mehr bei sich ist. Das zeigt sie auch musikalisch auf diesem Album und wird deshalb zurecht als ihr persönlichstes Werk bezeichnet. Für mich ein klares 5/5-Sterne-Album und ein Longplayer, den man sich einfach anhören muss!