Booktalk: The Belles – Schönheit regiert von Dhonielle Clayton

Booktalk: The Belles – Schönheit regiert von Dhonielle Clayton

März 5, 2019 2 Von BenniCullen

Titel: The Belles
Untertitel: Schönheit regiert
Band 1 von ?
Autorin: Dhonielle Clayton
Verlag: planet!
Seiten: 512
Ausgabe: Hardcover
Auflage: 1
Erscheinungstermin: 11. Februar 2019
ISBN-10: 3522505832
ISBN-13: 978-3522505833
Mehr Informationen gibt’s bei Amazon oder auf der Verlagsseite!

Glitzernd, glanzvoll, grausam – willkommen in der Welt der Belles!

Die Welt von Orléans wird von Hässlichkeit bestimmt, und nur die Belles können den Menschen Schönheit verleihen. Camelia ist eine Belle – schön, begehrt, mit magischen Fähigkeiten. Am Königshof will sie allen zeigen, dass sie die Beste ist. Doch hinter den schillernden Palastmauern lauern dunkle Geheimnisse. Camelia erkennt, dass ihre Fähigkeiten viel stärker und gefährlicher sind, als sie es je für möglich gehalten hätte. Sie sind eine Waffe, die sich andere zunutze machen wollen. Daher muss sie sich entscheiden: Soll sie die Tradition der Belles bewahren oder ihr eigenes Leben riskieren, um ihre Welt für immer zu verändern? Das Schicksal der Belles und von Orléans liegt mit einem Mal in ihren Händen …

Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar von der Netzwerkagentur Bookmark zur Verfügung gestellt – ein herzliches Dankeschön dafür!

Bei diesem Buch stimmte einfach alles: Die Optik, der Klappentext und die Themen. Denn sind wir mal ehrlich… so ein schönes Cover gab es schon lange nicht mehr – zumindest in meinen Augen. Und als ich dann den Klappentext las, war es um mich geschehen: Ich musste einfach dieses Buch lesen. Als es dann bei mir ankam (Danke, liebe Netzwerkagentur Bookmark!), war ich mehr als begeistert und fing sofort das Lesen an, nur um dann in ein Abenteuer zu geraten, mit dem ich so gar nicht gerechnet hatte. Und das lag nicht (nur) an der Geschichte.

Camilia ist eine Belle, das heißt: Sie ist für die Schönheit in ihrem Land zuständig. Sie verändert die Frauen und Kinder des Landes ganz nach ihren Vorstellungen und legt auch Hand an ihre Persönlichkeit. Camilia kämpft dabei mit ihren so genannten Schwestern um den Platz der Favoritin – diese ist für die Adligen sowie die Königsfamilie zuständig. Seit sie Kind war träumt sie von der Stelle, die einst ihre Mutter inne hatte. Doch ist der Job wirklich ein Segen? Oder steht Camilia am Anfang einer Rebellion?

Von Anfang an war ich gefesselt von der dystopischen Welt, die die Autorin hier erschaffen hat. Diese Gesellschaft ist teilweise so brutal, so pervers (allerdings nicht im eigentlichen Sinne, sondern eher auf ganz anderer Eben) und so schockierend, dass man einfach weiterlesen muss – auch wenn man eigentlich ins Bett muss. Nicht nur, dass die Geschichte so rasant und spannend ist, dass es einfach zum Pageturner mutiert, nein, auch die angesprochenen Themen beeindrucken und schockieren zugleich. Denn es geht um kranke Schönheitsideale, um die Überspritzung des derzeitigen Schönheitswahns und auch um Kritik dahingehend – allerdings nicht ganz offensichtlich und klar formuliert, sondern unterschwellig und teilweise eher versteckt als glasklar. Und genau das fand ich so großartig!

Und hier kommen wir zu dem Punkt, der für mich zum Abenteuer wurde: Bereits im Vorhinein habe ich ganz viel Kritik hinsichtlich der Geschichte, deren Bedeutung sowie dessen Inhalt gelesen – egal ob auf Instagram oder auf Blogs. Und versteht mich nicht falsch: I get it. Wirklich. Ich kann vollkommen verstehen, warum manche die teilweise wirklich extrem dargestellten Szenen so kritisch sehen. Denn sie sind schockierend oder pervers, wie ich es oben bezeichnete. Allerdings fand ich genau das gut. Denn brauchen wir eigentlich immer offensichtliche Kritik von der Seite der Autorin? Oder ist es manchmal nicht besser, dass Autorinnen und Autoren solche Szenen darstellen, um uns zum Nachdenken anzuregen? Ich sage ja. Und das ganz entschieden. Denn wenn ich mich an meine wahren Highlights aus dem Jugendbuchgenre erinnere, dann sind es meist die Bücher, die mich nachdenklich gemacht und sich deshalb eingebrannt haben. Ich denke da an Geschichten wie The Hunger Games, The Hate U Give oder Zusammen sind wir Helden – alles Jugendbücher, die mich schockiert, wütend oder sauer gemacht haben, die aber alle eins gemeinsam haben: Sie zählen zu meinen absoluten Lieblingen in diesem Genre.

Das hier ist keine klassische Rezension. Denn ich könnte euch jetzt sonst was zu Schreibstil, Figuren oder Inhalten schreiben. Will ich aber gar nicht. Denn schlussendlich überzeugte mich dieser Roman nicht deswegen, sondern aufgrundessen, dass ich tief erschüttert war und wirklich reflektiert habe – mich, die Gesellschaft und das Denken über Schönheit, Jugend und den alltäglichen Wahnsinn. Und genau das habe ich eigentlich nur getan, weil ich ein Buch gelesen habe. Und genau das empfand ich als so wertvoll. Manchmal darf man einfach nicht nur das lesen, was da steht, sondern muss zwischen den Zeilen gucken und verstehen, um was es eigentlich geht – und dass Ereignisse in einem Buch nicht immer das darstellen, was die Autorin oder der Autor wirklich denkt. Diesen Unterschied zu machen, ist wirklich wichtig und ganz essenziell, wenn man dieses Buch liest.

Ob ich das Buch weiterempfehle? Ja. Allerdings appelliere ich dann an euer eigenes Denken. Denn diese Geschichte darf einfach nicht nur als das hergenommen werden, was sie vordergründig scheint: Eine unterhaltende, spannende dystopische Welt. Das ist sie schon auch. Aber eben noch viel mehr. Man muss als Leser nachdenken, sich auf Reibung einlassen können und damit klar kommen, dass es vielleicht nicht immer politisch korrekt, aber dafür echt ist. Echt im Sinne von: Zur Welt passend. Und das ist der Startpunkt zum Reflektieren und nicht das Ende des Leseprozesses. Dieser Unterschied ist wirklich wichtig. Man erhält hier kein Produkt, das man so annehmen muss, sondern eins, das sich aufgrund des Lesens erst herausbildet und formt – und genau das macht The Belles für mich zu etwas ganz Besonderem.

Natürlich möchte ich nicht sagen, dass jeder das so empfinden muss. Und wie gesagt: Ich verstehe die Kritik und ich verstehe auch, dass manche Leser gerne ein klares Statement hätten. Oder eine Protagonistin, die die Ereignisse wirklich trifft. Und das ist vollkommen verständlich – für mich aber nicht notwendig. Denn so weit kann ich selbst auch denken. Ich brauche keine perfekten Figuren. Erst recht keine, die ja in dieser Gesellschaft einfach aufgewachsen sind und genau deshalb so sind wie sie sind. Klar will ich auch Entwicklung, aber die kommt: Leise und langsam, aber sie kommt. Weshalb ich mich jetzt schon sehr auf den 2. Band freue und bereits jetzt sagen kann: The Belles zählt zu meinen ersten Highlights 2019 – und wird das auch lange unangefochten bleiben.