17 Erkenntnisse über Leander Blum von Irmgard Kramer #rezension

17 Erkenntnisse über Leander Blum von Irmgard Kramer #rezension

April 10, 2018 0 Von BenniCullen
Buchcover: © Loewe Verlag
Titel: 17 Erkenntnisse über Leander Blum
Autorin: Irmgard Kramer
Verlag: Loewe
Seiten: 352
Ausgabe: Hardcover
Auflage: 1
Erscheinungstermin: 12. Februar 2018
Preis: 17,95 €
ISBN-10: 3785589115
ISBN-13: 978-3785589113

Sie sind talentierte Streetartkünstler und beste Freunde seit frühester Kindheit. Ihre Pieces findet man überall in der Stadt an Mauern, U-Bahn-Waggons und verlassenen Fabrikgebäuden, aber niemand weiß, wer sich hinter dem geheimnisvollen Tag BLUX verbirgt. 
Jonas und Leander. Leander und Jonas. Nichts kann sie trennen. 
Bis sich Leander in Rapunzel verliebt, das süße Mädchen mit den goldenen Haaren, die bis zum Po reichen. Und Jonas über das Märchen vom chinesischen Pinsel stolpert und sich in eine Katastrophe malt. 


17 Erkenntnisse über Leander Blum ist ein großartiger Jugendroman über Freundschaft und Kunst, über tiefste Verzweiflung und äußerste Hingabe und eine Liebe, die alles rettet.

Das Buch wurde mir vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt – ein herzliches Dankeschön dafür!

Eigentlich ging die Geschichte total an mir vorbei, doch durch einen Zufall bin ich dann doch darauf aufmerksam geworden und hatte wirklich sehr viel Lust auf Leander und seine Geschichte. Dabei interessierte es mich auch, wie das Thema Graffiti in die Geschichte eingebaut wurde und inwiefern sie im Mittelpunkt des Buches steht. Und so erreichte mich das Buch und ich musste es einfach sofort lesen – mit einem Ausgang, mit dem selbst ich nicht gerechnet hätte.

Leander ist an sich schon etwas besonderes: Sein Vater ist Polizist, doch er selbst liebt Graffiti und zieht deshalb mit seinem besten Freund Jonas durch die Stadt, um nach dem perfekten Ort für ihr nächstes Piece zu suchen. Die Jungs gehen durch dick und dünn und stehen einfach alles gemeinsam durch – egal ob eine Trennung in der Familie ansteht oder die Jungs kurz davor sind, von der Polizei gefangen zu werden. Jonas und Leander halten zusammen und schaffen alles, wenn sie es nur gemeinsam machen können. Doch dann ändert sich das Leben plötzlich und alles scheint anders zu sein – ausgelöst durch die Liebe zu einem Mädchen mit blonden Haaren bis zum Po. Ob ihre Freundschaft das überlebt?

Die Geschichte an sich fängt sofort an und ich hatte schon auf den ersten 5 Seiten ein genaues Bild von Leander und Jonas. Die beiden leben für ihre Kunst und tun alles dafür, um für eben diese respektiert zu werden. Die Jungs waren mir sofort sympathisch und ich verbrachte gerne Zeit mit ihnen. Dabei gefielen mir zu Beginn besonders die detaillierte Beschreibung, wenn es um die Zeichnungen ging, die sie auf die Wände sprühen, da ich mich damit eigentlich gar nicht auskannte. So hatte ich einen wirklich schönen Einstieg in das Buch. Dieser wurde allerdings schnell getrübt. Irgendwann hatte ich das Gefühl, dass die Geschichte nirgendwo hinführt und die Autorin möglichst viele Punkte auf ihrer Liste abarbeiten wollte, ohne darauf zu achten, was sie denn im Kern von dieser möchte. Deshalb ging mir auch der Bezug irgendwann verloren und ich hangelte mich von einem Kapitel zum nächsten, ohne den tieferen Sinn dahinter zu verstehen.

Hinzu kam vielleicht auch, dass mir die Geschichte zu langsam erzählt wurde: Anfangs waren die genauen Beschreibungen ja noch wirklich hilfreich, um die Figuren kennenzulernen oder die Thematik (wie oben beschrieben) zu verstehen, allerdings wurde es mir besonders im Mittelteil zu viel und ich musste mich dazu zwingen, alle Sätze zu lesen und nicht nur einzelne Passagen und Dialoge. Letzteres hab eich eh vermisst. Zwischen dem Gesagten der Figuren wird immer sehr viel beschrieben und erklärt, sodass ich das Gefühl hatte, die Autorin würde mir nicht zutrauen, einzelne Sinnzusammenhänge selbst herstellen zu können. Schade, denn die Aspekte, die sie angesprochen hat, waren wirklich besonders und hätten viel Potenzial gehabt. Dieses wurde aber durch die ausufernden Beschreibungen nicht genutzt.

Gut dagegen haben mir die verschiedenen Blickwinkel der Geschichte gefallen. Es geht natürlich einmal um Jonas und Leander, die ihre Abenteuer in der Graffiti-Szene erleben, zum anderen aber auch um Lila, die ihre Erkenntnisse (siebzehn an der Zahl, wer hätte es gedacht) über Leander Blum darstellt und erzählt, wie sie diesen kennengelernt hat. Diese unterschiedlichen Geschichten, die auch unterschiedliche Schwerpunkte hatte, gefielen mir gut, denn sie brachten Dynamik in das Ganze, auch wenn der Schreibstil, den ich ja vorhin bereits kritisiert hatte, dagegen gewirkt hat. Das Potenzial war aber da und eben dieser Aufbau machte es mir dann leichter, durch die Geschichte zu kommen.

Um ehrlich zu sein, habe ich dann das Buch zugeschlagen und wusste nicht so recht, was ich jetzt damit anfangen soll. Ja, es geht um das Erwachsenwerden, um das Kämpfen um seine Träume, um die erste Liebe und um die Kunst, aber so richtig befriedigend wurde keines von diesen Themen abgeschlossen. Das Erwachsenwerden kam für mich nicht deutlich rüber, das Kämpfen um seine Träume war da, allerdings nicht wirklich glaubhaft und die Liebe war vielleicht da, konnte mich aber nicht überzeugen – ich weiß noch nicht mal, ob ich richtig nachvollziehen konnte, warum Lila jetzt Leander so toll fand, außer, dass sie fasziniert davon war, wie anders er sich gegeben hat. Tja und zum Schluss dann die Kunst: Diese gefiel mir sehr gut am Anfang, ließ aber dann auch nach. Am Anfang der Kapitel waren oft Bildtitel und Zitate berühmter Kunstkritiker oder Künstler abgedruckt, die ich zu Beginn recht interessant, irgendwann dann aber auch als zu viel empfand. Richtig rund war also auch das leider nicht.

Ich hatte wirklich eine schwere Zeit mit diesem Buch. Anfangs war ich total begeistert, dies schlug aber im Mittelteil um und zum Schluss war ich dann wirklich enttäuscht. Leander mag eine sehr interessante Persönlichkeit sein, aber seine Geschichte habe ich nicht wirklich begriffen. Leider fehlte mir der rote Faden und eine enge Beziehung zu den Figuren. Es war alles ganz nett, aber irgendwann auch zu viel von allem. Die Autorin hätte sich meiner Meinung nach auf ein paar Punkte festlegen sollen, die sie gerne thematisieren wollte und dann die Geschichte schreiben sollen. Dies tat Imgard Kramer davor vielleicht, allerdings hätten es dann einfach weniger Punkte sein sollen. So war die Geschichte für mich leider nichts, weshalb ich sie auch nicht weiterempfehlen kann – so gerne ich das auch wollen würde. Deshalb gibt es von mir auch nur magere 2 Sterne.