Cloud von Claudia Pietschmann

Cloud von Claudia Pietschmann

September 30, 2017 1 Von BenniCullen
Buchcover: © Arena Verlag

 

Titel: Cloud
Autorin: Claudia Pietschmann
Verlag: Arena
Seiten: 368
Ausgabe: Hardcover
Auflage: 1
Erscheinungstermin: 10. August 2017
Preis: 15,00 €
ISBN-10: 3401603493
ISBN-13: 978-3401603490
Hier könnt ihr es kaufen: Verlag Amazon


Emma ist verliebt: Paul versteht sie wie kein anderer, seit ihr kleiner Bruder verstorben ist. Die beiden haben sich zwar noch nie getroffen, aber online teilen sie alles miteinander. Paul will alles über sie wissen und Emma schneidet bereitwillig ihr ganzes Leben für ihn mit. Immer wieder fallen ihm Überraschungen ein, die er ihr über das Internet per Knopfdruck schickt. Aber die netten kleinen Gefallen, die Paul ihr tut und ihr Leben schöner machen, bekommen bald einen bitteren Beigeschmack. Denn für Paul scheint Emma das einzige Fenster zur Welt zu sein. Ihrem Wunsch, sich endlich zu treffen, weicht er aus. Was ist los mit Paul – und gibt es ihn überhaupt? 

Das Buch wurde mir vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt – ein herzliches Dankeschön dafür (:

Bereits in der Programmvorschau für den Sommer 2017 ist mir “Cloud” aufgefallen. Denn mal ehrlich: Wie viel Zeit verbringen wir heutzutage ganz selbstverständlich im Internet? Sei es in sozialen Medien wie Facebook oder Instagram oder einfach nur auf anderen Blogs, Online-Shops oder sonstigen Websiten? Richtig, ziemlich viel und da liegt es einfach nahe, dass es nicht nur positive Aspekte dieses Online-Lebens gibt, sondern eben auch ganz tiefe Abgründe – solche, über die man sich bewusst sein und die reflektiert werden müssen. Und genau das wollte ich von der Autorin: Eine Geschichte, die zu denken gibt und schonungslos ehrlich ist. Ob ich das auch bekommen habe?

Von Anfang an war ich total überwältigt von meinen Eindrücken: Bereits auf den ersten fünf Seiten schockiert einen die Autorin mit der Vorgeschichte von Emma, die bei einem tragischen Unfall ihren Bruder verloren hat. Diese radikale Einführung in Emmas Leben kam so unerwartet und plötzlich, dass ich völlig sprachlos war und wirklich einige Zeit brauchte, um diesen Schock zu überwinden. Von außen betrachtet, war dieses Detail sehr gut gewählt, denn so fühlte man sofort mit Emma mit und die Autorin hatte einen emotional in der Hand. Das gefiel mir im Nachhinein ganz gut, auch wenn ich etwas geschockt war. Während des Buches folgten dann keine sehr persönlichen Ereignisse mehr, weshalb es etwas schwer war, sich auch auf anderen Leveln mit Emma zu identifizieren, wenngleich die Thematik des Todes sehr tragend in der Geschichte war.

Neben dieser emotionalen Seite verstand es die Autorin allerdings auch, die Gefahren des Worldwide Web sehr lebensnah und echt zu präsentieren: Wir verfolgen Emmas Leben, dass immer abhängiger von irgendwelchen elektronischen Geräten zu werden scheint und sich immer rasanter in eine Richtung entwickelt, die beim Leser schnell dazu führt, inne zu halten und über diese Entwicklungen nachzudenken. Der Autorin gelingt es, die Geschichte der Protagonistin so zu erzählen, dass sie selbst gar nicht merkt (oder ist vielleicht auch einfach nicht möchte), in welche gefährliche Richtung sich das alles entwickelt, während dem Leser dies durchaus auffällt und darüber schon vorzeitig reflektiert. So kommt es dazu, dass man zunächst selbst über die Thematik nachdenkt, bevor die Protagonistin ihre Schlüsse zieht und die Handlung dadurch verändert. Diesen Aufbau empfand ich als sehr gut gewählt, da er den Leser dazu animiert, selbst zu reflektieren und nachzudenken.

Die Figuren waren dabei sehr typisch und mir persönlich fast schon zu extrem überspitzt. So gibt es den übervorsichtigen Matt, der allem sehr skeptisch gegenüber steht, die leicht zickige, aber dennoch treue Freundin Hazel oder den leicht verpeilten Dennis, der natürlich perfekte Zielscheibe für die coolen Jungs in der Klasse sind. Irgendwie sympathisch, weil bekannt, irgendwie aber auch etwas zu stereotypisch und gewollt. Dennoch hat sich für mich persönlich besonders Matt stark weiterentwickelt, der mir am Anfang gar nicht so sympathisch war, sich aber über die Zeit als treuer, sehr schlauer und dennoch einfühlsamer Junge herauskristallisiert hat. Und auch Hazel hatte mich, quasi nach einem Nachmittag im Café, sofort für sich gewonnen. Trotz der typischen Figuren konnte ich also dennoch in der Geschichte versinken und fühlte ich gänzlich wohl.

Doch kommen wir nun zu Emma und Paul, denn um diese Konstellation geht es ja hauptsächlich. Zunächst dachte ich ja, ich wüsste auf was ich mich hier einlasse, doch auch hier galt wieder: Die Autorin wusste zu überraschen und geht ab der Hälfte des Buches einen völlig anderen Weg, als den, den ich im Kopf gehabt hatte. Das führte dazu, dass ich noch viel begeisterter war, denn damit hatte ich wirklich so gar nicht gerechnet. Letztendlich setzte ich mich so nicht nur mit aktuellen Entwicklungen der neuen Medien auseinander, sondern philosophierte sogar etwas über die Zukunft – was das bedeutet und wie ich das meine, das müsst ihr selbst herausfinden, indem ihr das Buch lest.

Ich fand es total erfrischend in eine Welt einzutauchen, die teilweise so nah und teilweise auch so fern von dem ist, was wir aus der Realität kennen. Anfangs dachte ich, ich wüsste wie der Hase läuft, doch in der Mitte musste ich feststellen, dass nichts so ist wie es scheint und dass sich die Autorin tatsächlich sehr intensiv mit der Thematik beschäftigt hat. Das hat mich sehr beeindruckt und, zumindest mich, zum Reflektieren angeregt. Daher ist “Cloud” von Claudia Pietschmann ein Buch, welches ich eigentlich jedem empfehlen kann, der mal selbstkritisch und reflektiert über aktuelle Entwicklungen nachdenken will und gleichzeitig eine spannende Geschichte im Jugendbuchgewand lesen möchte – beide Facetten werden hier sehr gut dargestellt. Dafür gibt es von mir 4 Sterne und damit eine klare Leseempfehlung.