Das Auge von Licentia von Deana Zinßmeister

Das Auge von Licentia von Deana Zinßmeister

Oktober 25, 2017 0 Von BenniCullen
Buchcover: © Arena Verlag

 

Titel: Das Auge von Licentia
Autorin: Deana Zinßmeister
Verlag: Arena
Seiten: 320
Ausgabe: Hardcover
Auflage: 1
Erscheinungstermin: 20. September 2017
Preis: 15,00 €
ISBN-10:  3401603507
ISBN-13: 978-3401603506

Jonata lebt mit ihrer Familie in der Mittelaltersiedlung Licentia. Smartphones, den Supermarkt um die Ecke, all das kennt sie nicht, ahnt noch nicht mal von deren Existenz. Und schon gar nicht weiß sie, dass „Licentia“ in Wahrheit eine Fernsehshow ist, und die ganze Welt ihr und den anderen Bewohnern Licentias zusieht – jeden Tag, schon seit Jahren. Erst, als sie auf Tristan trifft, einen Jungen aus dem verfeindeten Clan der Wolfsbanner, kommen die Lügen und Geheimnisse ihres Dorfs langsam ans Tageslicht, und Jonata wird für manche Dorfbewohner zu einer Bedrohung …

Das Buch wurde mir vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt – ein herzliches Dankeschön dafür (:

Als ich den Klappentext zu diesem Buch gelesen habe, wusste ich, dass ich es unbedingt lesen wollte. “Big Brother” war immer schon eine meiner Lieblingssendungen und dann auch noch im Jugendbuchgewand – alles schien perfekt. Ich war etwas skeptisch, was das Mittelaltersetting angeht, schließlich bin ich gar nicht so der Fan dieser Epoche, allerdings muss man im Leben halt auch mal was riskieren und bin im Nachhinein nur froh darüber, dass ich es riskiert habe – denn sonst hätte ich eine wirklich großartige Story verpasst, die Potenzial hat, mein Jahreshighlight zu werden. Doch von vorne.

Wir begleiten also Jonata, die in Licentia wohnt. Dort gibt es weder Strom oder fließend Wasser, noch all die technischen Errungenschaften der modernen Welt. Für sie und all die anderen Kinder ist das selbstverständlich, haben sie doch noch nie von Smartphones, TV oder Telefonen gehört. Doch nicht jeder im Dorf ist so unwissend wie er tut und schnell kommen immer mehr Geheimnisse ans Licht. Doch nicht nur innerhalb des Dorfes gibt es Aufruhr, auch der Fernsehsender, der Licentia rund um die Uhr bewacht, stößt auf einige Probleme – kommt Jonata hinter das Geheimnis ihres Dorfes oder wird das Spiel so weitergespielt wie bisher?

Schon allein der Inhalt des Klappentextes bringt die Spannung auf den Punkt: Wir als Leser wissen (auch ohne den Klappentext vorher gelesen zu haben) relativ schnell, dass Licentia nur eine Fernsehsendung ist und Jonata und viele der anderen Bewohner hinters Licht geführt wurden. Besonders deutlich wird dieser Aspekt in den unterschiedlichen Erzählperspektiven, die die Autorin eingebaut hat: Hauptsächlich erleben wir die Ereignisse durch Jonatas Augen, an manchen Stellen wechseln wir aber auch zu deren Mutter und Vater, manchmal erfahren wir sogar Dinge aus der Hauptzentrale des verantwortlichen Senders. Natürlich präsentiert die Autorin diese unterschiedlichen Blickwinkel oft im Wechsel und hält gewisse pikante Informationen zurück, um die Spannung aufrecht zu erhalten. Dies tut sie sehr gekonnt, sodass man das Buch quasi nicht aus den Fingern legen kann.

Überhaupt sollte jeder, der ein Buch schreiben will, diese Geschichte lesen. Diese ist nämlich so großartig aufgebaut und eingeteilt, dass ich jedes Mal erstaunt war, wie gut die Geschichte durchdacht wurde. Die Kapitel sind sehr kurz und dennoch ereignisreich, was den Plot schnell vorantreibt, gleichzeitig werden sie fast immer mit einem Cliffhänger beendet – das lockt natürlich und führt, wie oben bereits geschrieben, dazu, dass man nicht aufhören kann zu lesen. Gleichzeitig ist der Schreibstil sehr ausgeglichen. Der Fokus liegt definitiv bei den Gedanken der Figuren und deren Gesprächen, allerdings schafft es die Autorin gekonnt, mittelalterliche Gegenstände oder Verfahren fast nebenbei zu erklären und den Leser somit ohne Fragen zurückzulassen. Ich habe mich während des gesamten Lesens total wohl gefühlt und habe der Autorin nach nur 50 Seiten blind vertraut, denn ich wusste, sie gibt mir alle Informationen, die ich brauche, um die Geschichte und deren Setting zu verstehen. Ein solches Vertrauen löst nicht jeder bei mir aus.

Das Setting, welches mir am Anfang Kopfschmerzen bereitet hat, ist übrigens großartig gewählt und hat mir richtig, richtig gut gefallen. Wir bekommen natürlich etwas von den mittelalterlichen Zuständen mit, trotzdem werden die Facetten dieses Lebens modern erzählt und so, dass man alles versteht, ohne überfordert zu sein. Deana Zinßmeister schreibt ja vornehmlich historische Romane, ich finde, dass man das merkt. Und nicht nur das: Normalerweise bin ich ja bei historischen Romanen eher so der Leser, der bis ins 19. Jahrhundert liest – weiter ging es für mich nicht, da ich Angst hatte, die Zeit einfach nicht zu verstehen. Mit dem Wissen über Deanas Schreibstil, habe ich mir jetzt allerdings vorgenommen, ihre historischen Romane ebenfalls zu lesen – denn wenn diese genauso toll umgesetzt worden sind wie “Das Auge von Licentia”, dann erwarten ich großartige Bücher!

Was soll ich sagen? Dieses Buch ist einfach ein Meisterwerk und sollte von jedem Jugendbuchfan gelesen werden. Das Setting ist einzigartig, die Idee grandios und die Figuren ziehen einen sofort in den Bann. Ja, die Geschichte mag an die “Hunger Games” erinnern, allerdings ist sie völlig anders verpackt und setzt ihren Schwerpunkt auch ganz wo anders. Ich persönlich bin wirklich ein ganz großer Fan und wünsche mir sogar einen zweiten Band. Denn obwohl alle Aspekte grundsätzlich geklärt sind, sind bei mir noch Fragen offen und einige Elemente auch unzureichend geklärt. Ich hoffe, der Verlag reagiert auf diesen Wunsch und Deana präsentiert uns im nächsten Jahr einen phänomenalen zweiten Band. Bis dahin gibt es von mir erstmal die volle Punktzahl an 5 Sternen und eine dringende Leseempfehlung – tut es, ihr werdet es nicht bereuen.