Das Glück an Regentagen von Marissa Stapley

Das Glück an Regentagen von Marissa Stapley

November 28, 2017 2 Von BenniCullen
Buchcover: © Rowohlt Polaris
Titel: Das Glück an Regentagen
Autorin: Marissa Stapley
Verlag: Rowohlt Polaris
Seiten: 298
Ausgabe: Broschiert
Auflage: 1
Erscheinungstermin: 7. November 2017
Preis: 14,99 €
ISBN-10: 3499291703
ISBN-13: 978-3499291708

 

Wenn Geheimnisse eine Liebe zerstören, kann die Wahrheit sie wieder heilen?


Tausend Inseln unter einem Himmel voller Tropfen. Das ist Maes Heimat, ein kleiner Ort am St. Lorenz Strom. Hier in Alexandria Bay hat Mae nicht nur als Kind ihre Eltern verloren, sondern auch ihre erste große Liebe Gabe. Eines Tages war er einfach verschwunden. Und so ist auch sie gegangen.


Zehn Jahre später: Mae kehrt zurück nach Alexandria Bay, in das Inn ihrer Großeltern, um sich von einer schlimmen Trennung zu erholen. Aber ihre Großeltern haben sich verändert. Geheimnisse werden gelüftet, die ein neues Licht auf Gabes Verschwinden werfen. Lässt sich die Vergangenheit zurückerobern, und damit die Chance auf das Glück?

 

Das Buch wurde mir vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt – ein herzliches Dankeschön dafür (:

Auf der Frankfurter Buchmesse wurde uns dieses Buch vorgestellt und gleich mitgegeben und seit ich das Cover gesehen und den Klappentext gelesen habe, wollte ich es lesen. “Das Glück an Regentagen” klang so zauberhaft, so wichtig und so tiefgründig, dass ich es einfach in meinen Leseherbst packen musste. Ich stellte mich auf eine gemütliche Geschichte ein, rund um Familiengeheimnisse und alten Gefühlen, die man mollig-warm auf der Couch lesen kann. Tja, und dann kam es ganz anders: Dieses Buch hat mich überrascht und das im positivsten Sinne und gleichzeitig auch wirklich tief berührt und getroffen. Warum, erfahrt ihr in meinen Ausführungen.

Maes Leben steht auf dem Kopf: Ihr Freund entpuppt sich als Schwerverbrecher, ihre Mutter ist seit langem tot und ihre große Liebe Gabe ist verschwunden. Auf ihrer Familie scheint wohl so etwas wie ein Fluch zu liegen, denn auch Maes Großeltern stehen vor großen Problemen – sowohl persönlich als auch beruflich. Hinzu kommt der tragische Tod ihrer Eltern, den die Familie nie ganz überwunden hat und Mae bis heute beschäftigt. Als sie in ihr Heimatdorf zurückkehrt, trifft sie wieder auf Gabe und ihre Welt scheint sich erneut von grundauf zu verändern. Ob Mae und Gabe dafür bereit sind? Und wie soll sie nur mit all den Geheimnissen umgehen, die ihre Familie inne hält? Mae erlebt die schwerste, aber auch die prägendste Zeit ihres Lebens und ist danach ein anderer Mensch.

Schon nach 50 Seiten habe ich festgestellt: Das hier ist ein Buch, welches einen nicht mehr loslässt. Wir lernen eine Familie über drei Generationen kennen, die die unterschiedlichsten Probleme hat und hatte: Alzheimer, Alkoholsucht, Existenzangst, Vergewaltigung, körperlicher Missbrauch, tragische Unfälle und und und – all das und viel mehr sind die Themen, auf die wir im Buch treffen. Keine leichten oder romantischen Dinge, sondern solche, die beim Lesen zu den unterschiedlichsten Emotionen führt. Ich litt mit den Großeltern mit, konnte diese sogar verstehen, obwohl einige ihrer Entscheidungen im Leben wirklich nicht richtig waren, gleichzeitig verstand ich aber auch ihre Tochter und Mae. Eine sehr komplexe Geschichte, die die Autorin hier beschreibt, was dazu führte, dass ich anfangs etwas überfordert war, aber immer wissen wollte, wie es denn nun weiter geht. Emotional hatte sie mich – trotz der ganzen sehr berührenden Themen – zwar nicht ganz, dafür fehlte mir immer noch etwas, aber ich zitterte dennoch mit den Figuren und erlebte jedes Ereignis vollends mit ihnen mit.

Besonders gut gefiel mir, dass die Geschichte nicht nur schwarz/weiß erzählt wurde. Es gibt nicht das eine Opfer, den einen Täter und das war’s. Vielmehr ist jeder Opfer und Täter zugleich, jeder trägt seine Schuld und jeder hat in einer bestimmten Situation seines Lebens wirklich großartig reagiert. Das führte dazu, dass man die Figuren als reale Menschen wahrnahm und nicht als Konstrukt einer Autorin. Die Geschichte könnte genauso tatsächlich vorgefallen sein und genau dieser Aspekt überzeugte mich gänzlich von der Geschichte, den Figuren und dem Setting. Dieses ist übrigens sehr süß beschrieben, man fühlt sich in Alexandria Bay sofort zuhause und hat sogar das Gefühl, man wäre hier schon sein ganzes Leben lang. Nützlich dabei auch die Landkarte, die hinten abgedruckt ist. Solche Zusätze finde ich immer ganz hilfreich,weil man eben so tatsächlich einen Überblick erhält und sich besser zurechtfindet, bei den ganzen unterschiedlichen Orten.

Den Schreibstil der Autor empfand ich als sehr flüssig und schnell zu lesen. Tatsächlich war ich nach knapp 2 Tagen schon mit der Geschichte durch und obwohl ich am Anfang noch etwas Angst hatte, dass bei der geringen Seitenanzahl gewisse Aspekte auf der Strecke bleiben, kann ich im Nachhinein sagen, dass das überhaupt nicht der Fall ist: Die Autorin geht auf jedes Thema zu Genüge ein, vergisst dabei aber nicht den gefühlvollen Aspekt und treibt die Geschichte dadurch stetig voran. Mit einigen Wendungen habe ich tatsächlich so gar nicht gerechnet und war sogar etwas schockiert – so sehr, dass ich das Buch teilweise aus den Händen legen musste, um eine kleine Pause zu machen. Eine sehr süße Idee war dabei die Tipps, was man an Regentagen alles tun kann, die am Anfang der Kapitel standen. Ich hatte das Gefühl ein wohl durchdachtes Produkt in Händen zu halten, das technisch und literarisch wirklich gut ist, aber dabei eben nicht auf das Zwischenmenschliche verzichtet.

Dieses Buch ist durchaus etwas für gemütliche Herbst- und Wintertage – allerdings nicht, weil es so seicht daherkommt, sondern weil die Stimmung und Atmosphäre dazu passt. Allerdings muss man sich auf eine Geschichte gefasst machen, die einen nicht mehr loslassen wird und zum Nachdenken anregt. Wir haben hier historische Elemente, Züge eines Liebesromans, aber eben auch eine Reise zu sich selbst. All das verpackt auf knapp 300 Seiten, die einen wirklich begeistern werden. Und es zeigt sich wieder einmal, dass man eine gute Geschichte nicht auf 500 Seiten auswälzen muss, sondern auch 300 Seiten für eine großartige Idee reichen. “Das Glück an Regentagen” zählt damit zu den wirklich guten Büchern, die ich bisher in diesem Monat gelesen habe, weshalb ich ihm auch gute 4 Sterne gebe und gerne den Tipp an euch ausspreche, diesen Roman zu lesen – ihr werdet es nicht bereuen (: