Die Tage, die ich dir verspreche von Lily Oliver

Die Tage, die ich dir verspreche von Lily Oliver

November 16, 2017 0 Von BenniCullen
Buchcover: © Droemer Knaur
Titel: Die Tage, die ich dir verspreche
Autorin: Lily Oliver
Verlag: Droemer Knaur
Seiten: 368
Ausgabe: Broschiert (im Taschenbuchformat)
Auflage: 1
Erscheinungstermin: 1. September 2016
Preis: 9,99 €
ISBN-10: 3426516764
ISBN-13: 978-3426516768

Wie fühlt es sich an, das Herz eines Fremden in sich zu tragen? Dieser Frage widmet sich Lily Oliver in ihrem bewegenden Roman “Die Tage, die ich dir verspreche”.
»Du hast Glück, Gwen, alles wird gut, Gwen.« Seit ihrer Herztransplantation hört Gwen nichts anderes mehr. Doch statt überschäumender Lebensfreude fühlt sie nur Schuld gegenüber dem Menschen, der für sie gestorben ist. Und so fasst sie in einer besonders verzweifelten Nacht einen ungeheuerlichen Plan: Sie will ihr neues Herz verschenken und sterben. Ihr entsprechendes Angebot in einem Internetforum liest dessen Moderator Noah, ein junger Student, der keinen großen Sinn in seinem Leben sieht. Er hält ihr Angebot für einen üblen Scherz, geht aber zum Schein darauf ein. Erst als Gwen am nächsten Tag vor ihm steht, um ihn beim Wort zu nehmen, erkennt er, wie schrecklich ernst es ihr ist. Nur mit einem gewagten Handel und einer furchtbaren Lüge kann er ihr das Versprechen abringen, ein paar weitere Tage durchzuhalten. Tage, in denen Noah alles daran setzen muss, Gwen von etwas zu überzeugen, woran er selbst kaum noch glaubt: Dass das Leben lebenswert ist.

Das Buch wurde mir von der Autorin zur Verfügung gestellt – an dieser Stelle ein rießiges Dankeschön dafür (:

Ich liebe Lily Oliver. Und alle jetzt so: “Hä? Aber das ist doch ihr Debütroman, warum kennst du sie schon?”. Naja, jein. Es ist der Debütroman des Pseudonyms Lily Oliver. Denn dahinter verbirgt sich Alana Falk, die in diesem Jahr bereits “Sternensturm. Das Herz der Quelle” im Arena Verlag veröffentlicht hat und mich damit so sehr begeistern konnte, dass es immer noch mein Jugendbuchhighlight für 2017 ist. Tja und da war es dann klar, dass ich auch die Werke unter ihrem Pseudonym Lily Oliver lesen möchte, besonders als die Autorin 2017 bereits ihr 2. Buch (“Träume, die ich uns stehle”) darunter veröffentlichte. Es galt das nachzuholen, was ich verpasst hatte und so startete ich in “Tage” – ob es mich so überzeugen konnte wie Alanas Jugendbuchroman?

Gwen sollte eigentlich das glücklichste Mädchen der Welt sein: Sie war eine der wenigen glücklichen Herzkranken, die ein Spenderherz erhielten und kann jetzt auf ein Leben voller Möglichkeiten blicken. Doch das kann sie nicht. Denn Gwen hat ein schlechtes Gewissen. Gegenüber den Menschen, die die schwere Entscheidung getroffen haben, das Herz eines geliebten Menschen zu spenden. Und so wünscht sie sich nichts anderes als das ihr Leiden endlich ein Ende hat. So bietet sie in einem Forum ihr Herz an und lernt prompt Noah kennen, ein junger Mann, der ihr Herz wohl braucht. Oder auch nicht, denn Noah möchte eigentlich nur hinter das Mädchen blicken, das so verzweifelt zu sein scheint. Ob das ein gutes Ende nimmt?

Ich muss sagen, dass ich den Klappentext gelesen  und mich sofort angesprochen gefühlt habe. Die Geschichte, was eigentlich nach einer Herztransplation passiert, war so interessant und für mich auch wichtig, dass ich einfach wissen musste, was Lily daraus gemacht hat. Besonders, nachdem ich feststellen musste, dass man genau das nie erfährt. Was passiert eigentlich wirklich, wenn man ein Herz transplantiert bekommt? Wie geht das Leben weiter? Wie lebt man mit dem Gefühl, dass ein anderer Mensch für einen sterben musste, damit man selbst leben kann? Sehr dunkle Gedanken, aber auch sehr wichtige. Ich kann mich erinnern, dass ich einmal in den Körperwelten war und dort hing ein Brief aus von einem Menschen, der dem Spender noch ein paar Dinge sagen wollte. Dieser Brief rührte mich zu Tränen und als ich dann das Buch hier sah, musste ich sofort an ihn zurückdenken. Und ehrlich? Lily Oliver hat die Thematik wirklich großartig umgesetzt und mit Gwen einen Charakter kreiert, der vielleicht nicht immer sympathisch, aber dafür echt ist. Und dem gebührt einfach eine ganze Menge Respekt.

Gwen war für mich von Anfang an Kernpunkt der Geschichte. Ich mochte sie nicht vom ersten Moment an, konnte aber ihre Gedanken sehr gut nachvollziehen und wollte an manchen Stellen ins Buch springen, um ihr beiseite zu stehen und ihr zu sagen, dass sie nicht alleine ist. Eine solche Bindung ist wirklich einzigartig und sehr schwer zu erschaffen, doch der Autorin gelang es ohne große Tricks. Das hat auch dazu geführt, dass ich stetig weiterlesen wollte, auch wenn manche Handlungsabläufe ein wenig irreführend oder langatmig waren. Gleichzeitig trug nicht nur Gwen zu diesem Durchhaltevermögen bei, sondern auch Noah. Er ist der Außenseiter, der sich vielleicht intensiv mit der Thematik beschäftigt hat, aber noch nie jemanden hautnah erlebt hat, der durch eine Transplantation gegangen ist. Mir war er von Anfang an sympathisch und hatte dieses verschmitzte Etwas an sich, was mich gefesselt hat.

Trotz des interessanten Themas und der liebenswürdigen Figuren, empfand ich manche Ausführungen als zu lang und am Ende hatte ich ein großes Problem: Schlussendlich stand zwischen den Figuren und dem Ende nur noch ein Gespräch. Eine Aussprache und Auflösung. Nichts weiter. Dem Leser ist von Anfang klar, dass es so ist, wie es ist. Dass es genauso vorangeht, wie es das tut. Und das war dann irgendwann das Problem: Alle wussten es – nur die Figuren nicht. Die Spannung war damit etwas raus und ich hatte Probleme, den Ausführungen zu folgen. Das lag gar nicht am Thema oder dessen Umsetzung, sondern nur an dem Spannungsbogen, der anders hätte aufgebaut werden sollen, damit man zwischendurch auch überrascht und überzeugt wird. Leider kam es so dazu, dass ich mich ab und zu durchquälen musste, obwohl ich ja alles andere wirklich mochte.

Tolle Idee, tolle Figuren und ein grandioser Schreibstil – was braucht man mehr? Nun, ein wenig Spannung wäre gut gewesen. Ein wenig mehr unerwartete Wendungen und Handlungsentwicklungen, die nicht ganz so vorhersehbar sind. Damit aus einem guten Buch, eins wird, welches mich umhaut und mich völlig überzeugt. So war die Geschichte ganz süß und auch ergreifend, aber dennoch hat mir was gefehlt. So richtig in Worte kann ich es gar nicht fassen, möchte es aber vielleicht auch nicht, weil mir dafür die Charaktere zu sehr in Erinnerung geblieben sind und ich die Geschichte nicht ganz so sehr kritisieren möchte, wie ich es eigentlich vielleicht tun würde. Schwer in Worte zu fassen und dennoch Realität. Ich habe mir tagelang den Kopf zerbrochen, wie viele Sterne ich vergebe und komme auf keinen grünen Zweig. Letztendlich habe ich mich für 3,5 Sterne entschieden – an manchen Tagen wären es vier, an anderen drei. Lesen ist halt nicht immer schwarz/weiß, sondern alles und nichts dazwischen. Das ist das Leben. Diese Erkenntnis trifft nicht nur auf Bewertungen zu, sondern passt auch sehr gut zum Inhalt des Buches. Vielleicht sollte das so sein.