Träume, die ich uns stehle von Lily Oliver

Träume, die ich uns stehle von Lily Oliver

November 20, 2017 0 Von BenniCullen
Buchcover: © Droemer Knaur
Titel: Träume, die ich uns stehle
Autorin: Lily Oliver
Verlag: Droemer Knaur
Seiten: 400
Ausgabe: Broschiert (im Taschenbuchformat)
Auflage: 1
Erscheinungstermin: 2. November 2017
Preis: 9,99 €
ISBN-10: 342651897X
ISBN-13: 978-3426518977

„Träume, die ich uns stehle” von Lily Oliver ist eine berührende Geschichte über zwei junge Menschen zwischen Traum und Wirklichkeit und über die Magie einer Liebe, die selbst die tiefsten Wunden heilen kann.


Lara kann nicht aufhören zu reden. Ein Zwang treibt die an Amnesie leidende junge Frau dazu, ihre Erinnerungslücken mit Worten zu füllen. Längst hört ihr keiner mehr zu, außer in den Therapiestunden, die sie als Patientin der Psychiatrie bekommt. Bis sie Thomas findet. Lara weiß, es ist falsch, ihre Verzweiflung über ihre Amnesie auf ihn abzuladen, denn Thomas liegt im Koma. Dennoch schleicht sie sich immer wieder zu ihm und bemerkt bald, dass er auf ihre Stimme reagiert. Lara beschließt, Thomas eine Geschichte zu erzählen: eine Liebesgeschichte zwischen ihr und ihm, die bald für beide realer wird als ihr Dasein im Krankenhaus. Ein Traum von Liebe, an den sich beide klammern und der die Kraft hätte, nicht nur Thomas aus der Dunkelheit zu holen, sondern auch Lara. Doch beide ahnen nicht, was für eine erschütternde Wahrheit in den Tiefen von Laras Geschichte auf sie wartet …


„Träume, die ich uns stehle“ ist nach „Die Tage, die ich dir verspreche“ der neue große Liebesroman von Erfolgsautorin Lily Oliver.

 

Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar vom Verlag und der Autorin zur Verfügung gestellt – ein herzliches Dankeschön dafür (:

Nachdem ich ja “Die Tage, die ich dir verspreche” Anfang des Monats verschlungen habe, setzte ich mit “Träume, die ich uns stehle” gleich nach und war gespannt, wie sich Lily Oliver weiterentwickelt hat und welche Einflüsse sie diesmal heranzieht. “Tage” hat mir ja gut gefallen, auch wenn es ein paar kleinere Schwächen hatte, besonders was die Verarbeitung des Hauptproblems des Romans anging. Daher war ich umso gespannter darauf, ob die Autorin in eine andere Richtung geht und nun eine Geschichte präsentiert, die mich so voll von sich einnehmen kann.

Diesmal geht es um Lara, die den Mund nicht halten kann. Das scheint jetzt erstmal nichts außergewöhnliches zu sein, allerdings ist es bei Lara so krankhaft, dass sie deshalb in Therapie ist. Deshalb und weil sie einen Unfall hatte, der anscheinend ihr Gedächtnis blockiert hat, was dazu führt, dass sich Lara nicht mehr an die letzten zwei Jahre erinnern kann. Da sie alle zum Schweigen bringen wollen, flüchtet sie auf die Intensivstation zu den Komapatienten und lernt dort Thomas kennen – einen Mann, der am selben Tag wie sie eingeliefert wurde und tief im Koma liegt. Sie fängt an ihm Geschichten zu erzählen – doch was dann passiert, hätte niemand für möglich gehalten.

Die Geschichte hört sich nicht nur wahnsinnig emotional an: Sie ist es auch. Lara war mir als Leser sofort sympathisch, aufgrund ihrer quirligen Art, denn eigentlich hat sie Recht: Warum sollte sie mit dem Reden aufhören, nur weil sie es gerne tut? Schnell kommt man allerdings dahinter, dass sie das eigentlich nur macht, um sich vor sich selbst zu schützen. Dadurch hatte ich nicht nur eine Sympathie für die Figur, sondern wollte auch, dass sie sich ihren Ängsten stellt und litt mit ihr. Die Bindung war bei mir dadurch sehr viel stärker als zur Protagonistin im Debütroman von Lily Oliver und führte dazu, dass ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte. Ich war emotional so involviert und wollte den Geheimnissen auf die Spur kommen, dass ich manchmal mit Tränen in den Augen aufhören musste zu lesen, weil es mir so nah ging – andererseits wollte ich sofort weitermachen, weil ich die Lösung erfahren wollte. Die Geschichte scheint anfangs so verworren, so komplex und das bleibt auch bis auf die letzten Seiten so, was ich großartig fand, denn so war es spannend und emotional bis zum Schluss.

Dabei hat Lily Oliver einfach einen grandiosen Schreibstil, der gepaart mit authentischen Figuren und einer großartigen Idee einfach zu überzeugen weiß. Sie findet dabei oft sehr poetische Worte, gleichzeitig übertreibt sie es aber auch nicht und stellt das Innenleben der Figuren zwar sehr emotional vor, aber eben nicht kitschig. Diesen Balanceakt muss man erstmal schaffen und verdient wirklich sehr viel Respekt. Und hier sieht man wirklich gut, dass die Idee tatsächlich das A und O ist. Denn der Schreibstil war dem von “Die Tage, die ich dir verspreche” sehr gleich – mit dem Unterschied, dass das Problem, welches in “Träume” thematisiert wurde, sehr viel glaubwürdiger und eindringlicher war. Ich meine nicht die Thematik, sondern das Problem – bitte nicht falsch verstehen! Ich möchte hier nichts gegeneinander aufwiegen, nur empfand ich im ersten Buch das Problem irgendwann als nichtig, weil es eben nur ein Gespräch benötigte, um es zu lösen. Das ist hier anders: Um auf die Lösung zu kommen bedarf es eine Reihe an Gesprächen, Ereignissen und Aufklärungen, die miteinander Hand in Hand gehen. Dabei spielte besonders der psychologische Aspekt eine wichtige Rolle, was mir sehr gut gefallen hat, denn es stellte den Kernpunkt der Geschichte dar. Das wusste bei mir zu überzeugen.

Doch nicht nur die Geschichte, der Schreibstil und das Problem bzw. die Lösung davon haben mir gut gefallen. Auch die Nebenfiguren empfand ich als gut ausgearbeitet. Thomas als Komapatient ist ja eigentlich schwer darzustellen, der Autorin gelingt es aber durch die inneren Monologe der Figur, diese sehr lebhaft und komplex darzustellen. Ich hatte sofort einen Bezug zu ihm und wollte ihm ständig sagen, dass er nicht aufgeben soll, denn irgendwann wird er es schon schaffen. Die Bilder, die die Autorin für seinen inneren Kampf findet, sind ganz großartig und tragen zur Vorstelungsbildung bei. Auch die Figuren aus Laras und Thomas’ Vergangenheit kommen gut zur Geltung, auch wenn ich mir hier etwas mehr Input am Anfang gewünscht hätte. Ich verstehe, dass man durch dieses Nicht-Wissen natürlich Spannung aufbauen will, allerdings hätte es mir einfach besser gefallen, wenn gewisse Erkenntnisse früher gekommen wären, um zumindest eine Richtung anzudeuten. So zog es sich an manchen Stellen sehr hin, bis wirklich etwas passierte.

Ich muss sagen, dass mir “Träume, die ich uns stehle” besser gefallen hat als sein Vorgänger. Das liegt gar nicht daran, dass es so unterschiedliche Bücher wären. Beide thematisieren wichtige Krankheiten und es ist großartig, dass diese durch solche Bücher etwas in den Fokus geraten. Allerdings haben mir bei “Träume” die komplexe Darstellung und die psychologischen Aspekte wesentlich besser gefallen, da sie noch tiefer ausgearbeitet wurden. Das mag auch an dem Krankheitsbild liegen, allerdings auch an dem Problem, das die Figuren haben, welches mehr hergab als nur ein Gespräch, um es lösen zu können. Zusätzlich empfand ich die Figuren als sehr treffend beschrieben und den Schreibstil als wahnsinnig gut gelungen. Dies führte dazu, dass ich schnell durch kam und am Ende etwas traurig war, die Personen loslassen zu müssen. Natürlich hätte es am Anfang rasanter sein können, nichtsdestotrotz lohnt sich das durchhalten, denn es wird wirklich sehr emotional und ja, auch tränenreich. Dafür gibt es von mir 4 Sterne und eine Leseempfehlung für alle, die gerne einen emotionalen Leseherbst/-winter haben wollen. Mit “Träume” macht ihr hier nichts falsch.