Rotkäppchen und der Hipster-Wolf von Nina MacKay

Rotkäppchen und der Hipster-Wolf von Nina MacKay

November 6, 2017 2 Von BenniCullen
Buchcover: © Drachenmond Verlag

 

Titel: Rotkäppchen und der Hipster-Wolf
Autorin: Nina MacKay
Verlag: Drachenmond
Seiten: 380
Ausgabe: Taschenbuch
Auflage: 1
Erscheinungstermin: 12. Oktober 2016
Preis: 14,90 €
ISBN-10: 3959919891
ISBN-13: 978-3959919890

Im Märchenwald ist die Hölle los. Alle Happy Ends wurden gestohlen! Cinderella, Schneewittchen und Co. beschließen, ihre verschwundenen Prinzen zu retten, wozu sogleich eine Verhöre-und-Töte -Liste der Verdächtigen erstellt wird:

1.Wölfe töten
2.Hexen töten
3.böse Stiefmütter töten (wobei das oft mit Punkt 2 einhergeht)
4.böse Feen töten
 

Nur Red findet die Idee äußerst schwachsinnig. Doch dann taucht ein gutaussehender Hipster auf, der mehr über die verschwundenen Prinzen zu wissen scheint. Schnell stellt sich heraus, dass Everton eigentlich ein Werwolf ist und auf der Liste der durch die Prinzessinnen bedrohten Arten steht. Red bleiben plötzlich nur sieben Tage, um die Prinzen zu finden, bevor sie Ever ausliefern muss. Doch warum will gerade er eigentlich die Happy Ends zurückbringen? Benutzt er Red nur für seine eigenen Zwecke? Sicher ist jedoch: In Reds Leben nimmt ab sofort die Zahl der Hipsterwitze wahnwitzige Ausmaße an, sehr zum Leidwesen von Ever …

Zu Halloween wollte ich gerne ein Buch von meinem SuB befreien, welches dort schon etwas länger lag: “Rotkäppchen und der Hipster-Wolf” von Nina MacKay habe ich mir auf der Leipziger Buchmesse 2017 gekauft und habe es mir speziell für diesen Feiertag aufgehoben. Ich freute mich sehr auf die Geschichte, denn ich habe sehr viel Positives darüber gehört und wollte wissen, ob mich Nina mit ihrem Humor auch kriegen kann, nachdem sie mich bereits mit “Plötzlich Banshee” im letzten Jahr verzaubern konnte. Ob der Hipster-Wolf und Rotkäppchen da mithalten konnten?

Wir lernen zunächst all die uns bekannten Märchenfiguren aus unserer Kindheit kennen: Schneewittchen, Rapunzel, Cinderella und Rotkäppchen mögen genauso aussehen, wie wir sie aus den unzähligen Filmen und Serien kennen, allerdings haben sie sich ganz schön verändert: Aus den fröhlichen Prinzessinnen wurde mehr oder weniger große Zicken mit Selfiestick und eigenem Blog. Sie leben in ihrer Happy End-Blase, bis eines Tages all ihre Prinzen plötzlich verschwinden und sie sich auf die Suche nach ihnen begeben. So reisen wir durch den Märchenwald, machen einen Abstecher nach Neverland, verirren uns im verrückten Wonderland und besuchen Aladdin und Jasmin in 1001 Nacht. Die Wiedersehensfreude bei mir war ziemlich groß, habe ich doch die ganzen Märchen und die dazugehörigen Disneyfilme geliebt! Dennoch erschafft die Autorin ganz eigensinnige Figuren, transponiert sie diese doch  in die Moderne des 21. Jahrhunderts. Das lässt allerlei lustige Momente zu, was zu vielen Lachern während des Lesens geführt und mich auch am meisten unterhalten hat. Der Humor der Autorin ist einfach klasse und trägt das Buch über am meisten dazu bei, dass man als Leser dran bleibt und in die Geschichte eintaucht.

Denn an und für sich geht es am Anfang relativ ruhig zu: Die Prinzessinnen machen sich auf die Suche, Rotkäppchen lernt einen Hipster-Wolf kennen und wir treffen allerlei Hexen aus den verschiedenen Märchen. Grundthema ist dabei, dass das offensichtlich Böse, nicht immer böse und das offensichtlich Gute, nicht immer gut sein muss. Diese Thematisierung gefiel mir sehr gut, wenn ich mir auch etwas mehr in diese Richtung gewünscht hätte. Für mich hat man hier dieses Ziel nicht gut genug herausgearbeitet, sondern es nur so nebenbei angesprochen. Schade, denn hätte man weiter in die Richtung gedacht, hätte es die Story eventuell aufgewertet. So erhalten wir eine lustige und ja, auch spannende Geschichte, die allerdings nicht ganz fertig zu sein scheint. Nina hatte mich erst gänzlich auf den letzten 150 Seiten, da konnte ich mich so richtig reinfallen lassen, weil ich wusste: Jetzt geht’s los! Bis dahin wusste ich nicht so wirklich, was ich mit der Geschichte anfangen sollte oder wohin die Autorin will. Ich fühlte mich zwar gut unterhalten, bin aber nicht hinter das Gerüst gestiegen.

Das mag vielleicht auch am etwas anderen Schreibstil in “Rotkäppchen und der Hipster-Wolf” liegen. In “Plötzlich Banshee” war ich ja vollkommen gefesselt von der Art, wie Nina die Geschichte erzählte. In “Rotkäppchen” tat ich mir teilweise mit den Formulierungen schwer und stolperte über einige Stellen. Ich musste mich erst an den Stil gewöhnen, um rein zu kommen und das dauerte leider eine gewisse Zeit. Nichtsdestotrotz hatte mich Nina dann doch überzeugt, was v. a. am humoristischen Ton lag, den sie hier durchkommen hat lassen. Denn die Vergleiche, Metaphern, der teilweise schwarze Humor und die Beschreibungen einzelner Szenen sind wirklich so gut und so unterhaltsam, dass ich sie mehrmals gelesen habe, einfach weil sie so gut dargestellt wurden. Ein riesiges Kompliment dafür, auch wenn ich mir für den nächsten Band insgesamt einen flüssigeren Stil wünschen würde.

Vielleicht noch kurz zum Schluss: Anfangs war ich etwas enttäuscht von den Prinzessinnen. Schneewittchen war schon immer mein heimlicher Liebling, weil ich einfach so gut wie jeden Film zu dem Märchen gesehen habe und dann kommt Nina und stellt sie als zickige, ungeduldige und gewalttätige Frau dar. Ich war leicht schockiert und irgendwann auch genervt, weil die Prinzessinnen so völlig anders waren als das, was man von ihnen kannte. Allerdings löst Nina diese Spannung schnell auf und man beginnt, die verrückten Facetten der Figuren mit all ihren Lastern zu mögen und irgendwann ins Herz zu schließen. Klingt komisch, ist aber wirklich gut gemacht und von der Autorin bestimmt gewollt. Und dieser Liebe schulde ich es jetzt, dass ich hier sitze und eigentlich sofort Band 2 lesen möchte, da ich die Schneewittchen-Gang nicht loslassen möchte. Danke, Nina!

Ihr seht: Dieses Mal war mein Leseeindruck sehr gemischt, denn anfangs kam ich nicht so ganz in die Geschichte rein, später habe ich sie allerdings verschlungen und habe mich an die ganzen Aspekte gewöhnt. Die Spannung nahm immer mehr zu und kommt dann auf den letzten 150 Seiten so richtig zum Tragen, weshalb ich wirklich froh bin, dass ich über diese komische Anfangsphase hinweggekommen bin. Schlussendlich fand ich die Idee, eine Geschichte darüber zu schreiben, wie es den Märchenfiguren nach ihren Happy Ends ergeht, einfach wirklich grandios und habe sie auch gänzlich genießen können. Wer also auf der Suche nach einem Buch ist, welches unterhält und einen nicht nur einmal zum Lachen bringt, Lust auf eine Märchengeschichte hat und auf eine etwas andere Sichtweise auf die altbekannten Figuren, der sollte definitiv zum Hipster-Wolf greifen – über den ich jetzt gar nicht so viel berichtet habe, aber er ist ein Hipster, er braucht keine Aufmerksamkeit 😉 Wer natürlich mit dem Humor nichts anfangen kann, sollte dann lieber die Finger davon lassen. Von mir gibt es insgesamt 4 Sterne und jetzt besorge ich mir gleich mal “Aschenputtel und die Erbsen-Phobie” (: