Clean von Juno Dawson

Clean von Juno Dawson

August 15, 2018 0 Von BenniCullen

Titel: Clean
Autorin: Juno Dawson
Verlag: Carlsen
Seiten: 400
Ausgabe: Hardcover
Auflage: 1
Erscheinungstermin: 28. Juni 2018
ISBN-10: 355158382X
ISBN-13: 978-3551583826
Mehr Informationen auf der Verlagsseite oder auf Amazon!

Lexi ist reich, cool, ein It-Girl – und heroinsüchtig. Nach einer Überdosis landet sie in der Clarity-Klinik. Ihr Entzug ist hart, die Therapie schier unerträglich, vor allem die Treffen mit den „Mitinsassen“: Aufputschmittel-Junkie Saif, Trans-Mädchen Kendall, Guy mit der Zwangsneurose, Bulimikerin Ruby, Ex-Kinderstar Brady. Doch ausgerechnet diese fünf werden zu echten Freunden. Und Brady vielleicht mehr. Lexi öffnet sich vorsichtig, beginnt ihr zerstörerisches Leben zu hinterfragen. Aber ist ein anderer Weg überhaupt möglich?

— Ein Buch, das unter die Haut geht: scharfsinnig, scharfzüngig und schmerzlich realistisch! —

Das Buch wurde mir von der Netzwerkagentur Bookmark zur Verfügung gestellt – ein herzliches Dankeschön dafür (:

Wenn es um ernstere Thematiken in Jugendbücher geht, dann ist man da bei mir genau an der richtigen Adresse. Denn ich liebe es, wenn Geschichten für Jugendliche verfasst werden, die mehr sind, als nur stupide Unterhaltung (nicht, dass ich das nicht auch mal schätzen würde, aber eben nicht ständig und ausnahmslos). Deshalb war ich sofort interessiert, als dieses Buch angekündigt wurde, denn seit Christiane F. und ihrem bewegenden Roman und Film kam da eigentlich nichts mehr so richtig an mich ran ,wenn es um das Thema Drogensucht ging.

Wir begleiten prinzipiell sechs Jugendliche durch ihren Entzug, den sie irgendwie gemeinsam, aber auch jeder für sich erleben. Hauptsächlich begleiten wir dabei Lexi, die zu Anfang erst in die Klinik eingewiesen wird, die sich auf einer Insel vor England befindet. So lernen wir die Institution kennen und wissen auch schnell, wer unsere anderen Begleiter sind. Saif ist süchtig nach Aufputschmitteln, auch wenn er das nicht weiß. Kendall ist ein Trans-Mädchen, das sich erst in ihrem neuen Körper zurecht finden muss. Ruby dagegen hat eine Essstörung von der sie nicht wegzukommen scheint und Brady wurde früher als Kinderstar gefeiert und ist nun am Boden. Außerdem gibt es da noch eine ganz besondere Patientin, die erst später in die Handlung miteinsteigt. Ob es die Jugendlichen schaffen werden? Und wird Lexi, die sich eigentlich in der High Society Londons bewegt, wirklich clean?

Am Anfang muss ich gestehen, dass ich Lexi richtig unsympathisch fand. Sie ist genau das, was man im ersten Moment von einer verwöhnten Göre denkt: Eingebildet, exzentrisch, laut, nichtssagend und total drüber. Sie meint alles besser zu wissen und ist sich eigentlich immer sicher, dass ihr niemand etwas anhaben kann – schließlich hat sie Connections und kommt deshalb überall klar. Doch nach einem desaströsen Abend liefert sie dann ja ihr Bruder ein und schnell stürzt diese Fassade ein. Im Laufe der Geschichte mochte ich dann Lexi immer mehr, weil ich das Gefühl hatte, dass sie zu ihrem wahren Kern findet. Dennoch ist diese Art der Personeneinführung natürlich nicht gerade optimal, denn als Leser möchte man ja gerne den Hauptcharakter zumindest ein wenig mögen. Das fehlte mir erstmal komplett, weshalb es zu einem holprigen Start kam.

Dazu trug auch bei, dass die Geschichte nicht so richtig in Fahrt kommen wollte. Ja, wir begleiten Lexi hier auf einem Entzug und natürlich musste man das – besonders zu Beginn – intensiv darstellen, allerdings fehlte mir im Anschluss einfach die Handlung. Vielmehr waren die Geschichten nach der ersten Phase des Entzugs sehr redundant. Es ging viel um Lexis Gedanken, die sich immer wieder wiederholten und sich in einem Unwohlsein und sich nicht sicher fühlen zusammenfassen lassen. Bis es dann wirklich spannend wurde, weil der Plot so richtig startete, das dauerte mindestens weitere 100 Seiten. Schade, denn mich muss eine Geschichte nicht nur thematisch packen, weil ich sie interessant finde, sondern auch mit dem Plot begeistern. Das schaffte die Story auf den ersten Seiten leider nicht

Dann aber änderte sich etwas. Denn wie bereits gesagt, mochte ich Lexi immer mehr und konnte mich auch in die anderen Figuren hineinfühlen. Hinzu kam dann noch der Plot, der an Fahrt aufnahm und plötzlich fühlte ich mich sehr verbunden mit so ziemlich jeder Figur und ihren Geschichten. Auf einmal vergingen die Seiten sehr schnell und ehe ich mich versah, war es plötzlich zu Ende und ich stand mit Tränen in den Augen da – ja, irgendwo konnte mich die Geschichte emotional doch kriegen, was besonders der Entwicklung von Lexi geschuldet sein dürfte. Aber auch Kendall und Ruby haben mich auf ihre Art begeistert und trugen als wirklich toll ausgearbeitete Nebencharaktere zur Geschichte bei. Überhaupt waren die Figuren sehr schön ausgearbeitet und hatten so ihre ganz eigene und sehr individuelle Persönlichkeit. Bei einer solchen Thematik (oder vielmehr solchen Thematiken) ist das nicht nur erwünscht, sondern vielmehr nötig!

Dabei war der Schreibstil jetzt nichts besonderes, allerdings konnte man alles flüssig lesen und ich hatte nicht das Gefühl, es würde Längen geben oder die Autorin allzu sehr auf Details rumhacken, die von vornherein klar waren. Nun gut, da das Thema ja im Vordergrund steht (bei diesem Titel und der Art des Plots) sind natürlich auch keine literarischen Meisterwerke zu erwarten, weshalb ich au den Stil jetzt nicht allzu großen Wert gelegt habe. Schön fand ich allerdings den Aufbau, denn am Ende kommt ein Twist, den ich sehr gelungen fand und der mich zu Anfang überrascht hätte. Also, wenn ich es am Anfang gewusst hätte. So hatte ich gegen Ende damit gerechnet und fand es toll, dass es tatsächlich so kam. Das versteht jetzt nur jemand, der das Buch schon kennt.

Insgesamt ist “Clean” für mich ein Buch mit wirklich starken Charakteren und einem Plot, der erstmal etwas Zeit braucht, bis er in die Gänge kommt und vollends überzeugt. Wenn man also bereit ist, die Längen am Anfang zu ertragen, dann wartet auf den Leser eine wirklich gut durchdachte Handlung, die emotionalisiert und Charaktere, die einen ans Herz wachsen – wenn man das denn zulässt. Es war jetzt nicht das Highlight, das ich mir gewünscht hätte, aber es war ein Buch, das mich jetzt noch bewegt und nachdenklich stimmt – obwohl es schon einige Wochen her ist, dass ich die Geschichte gelesen habe. Deshalb gibt es von mir schlussendlich auch 4 Sterne. Anfangs war ich versucht, dem Buch nur 3, 5 Sterne zu geben, aber diese emotionale Verbindung war einfach so stark da, dass ich das nicht übers Herz gebracht habe. Ich denke, dass meine Rezension die Kritikpunkte deutlich macht und man dennoch versteht, warum ich letztendlich 4 Sterne vergebe – hoffe ich zumindest 😀