Das tiefe Blau der Worte von Cath Crowley #rezension

Das tiefe Blau der Worte von Cath Crowley #rezension

März 23, 2018 4 Von BenniCullen
Buchcover: © Carlsen Verlag
Titel: Das tiefe Blau der Worte
Autorin: Cath Crowley
Verlag: Carlsen
Seiten: 400
Ausgabe: Hardcover
Auflage: 1
Erscheinungstermin: 21. März 2018
Preis: 17,99 €
ISBN-10: 3551583722
ISBN-13: 978-3551583727

Rachel und Henry waren mal beste Freunde und verbrachten Tage und Nächte in der gemütlichen Buchhandlung von Henrys Familie. Bis Rachel aus der Stadt wegzog und Henry einen Liebesbrief hinterließ – während Henry mit Amy unterwegs war. Nun ist Rachel zurück und arbeitet wieder in der Buchhandlung, zusammen mit Henry, den sie am liebsten nie wiedersehen würde. Und während sich im Laden Dramen ereignen und Liebespaare finden, geben sie einander wieder Halt in einer Welt, in der es zum Glück Bücher gibt. Und Worte. Und eine zweite Chance.


Eine wunderschöne Geschichte über Freundschaft, Liebe und Bücher!

Das Buch wurde mir vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt – ein herzliches Dankeschön dafür (:

Das tiefe Blau der Worte. Ich finde, man muss den Titel erstmal auf sich wirken lassen. Und darüber nachdenken, was er zu bedeuten hat. So erging es mir zumindest, als das Buch hier einzog. Ich starrte das Cover an und philosophierte vor mich hin, was der Titel alles beinhalten könnte. Das passiert eher selten, dass ich so langsam und zeitintensiv mit einem Buch starte. Doch von Anfang an hatte ich das Gefühl, dass es die Geschichte und die Figuren verdient haben, sich so intensiv mit ihnen zu beschäftigen. Und so begann ich die Geschichte zu lesen und war trotzdem nicht auf das vorbereitet, was letztendlich geschah.

Wir lernen Rachel und Henry kennen. Beide waren einmal beste Freunde, doch seitdem ist viel passiert: Rachel ist umgezogen und der Kontakt zwischen den beiden hat sich verloren. Doch nach einem tragischen Unfall kommt Rachel wieder in ihre Heimatstadt zurück und trifft auf Henry. Beide haben sich völlig verändert, sich weiterentwickelt oder sind auch stehen geblieben, doch sicher ist eins: Nichts ist mehr so wie es vorher war. Während Rachel in ihrer Trauer gefangen ist, klammert sich Henry an ein Mädchen, das nicht gut für ihn ist. Dabei stellt sich der Leser immer wieder die Frage: Übersteht die Freundschaft all diese Veränderungen? Oder ist sie von Anfang an zum Scheitern verurteilt?

Schon nach den ersten 50 Seiten war ich völlig im Bann dieses Buches. Rachel und Henry gingen mir so nah und schlichen sich sofort in mein Herz, sodass es nicht lange dauerte bis ich ihre gesamte Geschichte durchgelesen hatte. Die Art, wie die Autorin ihre Geschichte erzählt, ist einfach herzzereißend und kann einen nicht kalt lassen. Besonders bemerkenswert fand ich, dass es kein klassischer Aufbau ist, den wir hier vorgesetzt bekommen. Es gibt nicht wirklich einen dramatischen Höhepunkt oder das große Finale. Im Gegenteil: Die Geschichte wird sehr ruhig erzählt und könnte auch als sehr langsam beschrieben werden, allerdings hat mich das überhaupt nicht gestört, denn so hatte ich das Gefühl, einen tollen Einblick in das Leben der beiden Personen werfen zu können. Die Autorin hat die Gradwanderung zwischen Spannung und intensiver Auseinandersetzung mit Geschichte und Figuren sehr gut geschafft und überzeugt deshalb auch ohne übertriebene Dramaturgie.

Besonders hervorheben möchte ich den großartigen Schreibstil von Crowley. Die Story wird so poetisch beschrieben, dass man einfach an den Lippen der Autorin hängt und sich am liebsten jede Stelle markieren möchte, weil ein Gefühl, eine Handlung oder eine Person so treffend und schön beschrieben wird. Dabei kann ich gar nicht greifen, was so poetisch ist: Die Wortwahl, die Beschreibungen oder die Art, wie die Autorin Gefühle zum Ausdruck bringt – irgendwie spielt alles zusammen und verleiht dem Ganzen eine ganz besondere Atmosphäre. Für mich war der Schreibstil deshalb auch die markanteste Eigenschaft, die mich auch am meisten begeistern konnte (hinzu kamen natürlich noch die zuckersüßen Figuren und eine tolle Geschichte – ansonsten würde ein großartiger Schreibstil ja auch nichts bringen).

Ebenso zauberhaft war das Setting. Die Geschichte spielt in Australien, was ich schon sehr interessant fand, da ich nie wirklich bewusst über das Land in einem Buch gelesen habe. Doch darüber hinaus hatte ich auch das Gefühl, dass besonders die Buchhandlung, die Henrys Vater gehört und in der Rachel arbeitet, maßgeblich zur Atmosphäre beigetragen hat. Diese wurde nämlich so schön romantisch und gemütlich beschrieben, dass man sie sich ganz genau vorstellen konnte und das Gefühl hatte, den Laden schon Ewigkeiten zu kennen. Man fühlte sich sofort heimisch und erkannte deutlich den Zauber der Buchhandlung. Die Autorin hat somit wirklich eine großartige und sehr liebevolle Homage an alle Buchhandlungen geschaffen, die absolut lesenswert ist. Außerdem spielen auch alte Bücher und deren Geschichte eine Rolle – ein Element, welches mein Bücherherz schneller hat schlagen lassen.

Zum Schluss möchte ich noch einmal auf die Gestaltung hinweißen, auch wenn der Inhalt natürlich am wichtigsten ist. Nichtsdestotrotz finde ich aber, dass eben dieses Design perfekt zum Inhalt passt und ihn sogar noch unterstreicht – genau das soll es ja auch tun! Vor jedem Kapitel gibt es eine Art Lesebändchen, welches abgedruckt ist. Daneben steht immer ein Zitat aus dem folgenden Kapitel. Außerdem gibt es immer wieder Briefe, die in der Geschichte eine große Relevanz haben. Auch diese sind sehr schön eingearbeitet und haben eine ganz besondere Stimmung kreiert, die zu der allgemeinen Atmosphäre beigetragen haben. Das fand ich wirklich großartig, denn der Inhalt und die Figuren haben es definitiv verdient.

Ich bin einfach restlos begeistert! “Das tiefe Blau der Worte” war für mich ein literarisches und poetisches Meisterwerk, das zu meinen absoluten Highlights 2018 im Jugendbuchbereich zählt! Rachel und Henry gehen einem sofort ins Herz, die Geschichte steckt voller Liebe zu Details und der Schreibstil könnte schöner nicht sein. Wer sich ein ganz besonderes Buch gönnen möchte, der macht mit diesem hier wirklich nichts falsch. In einer Welt voller Jugendbuch-Fantasy brauchen wir solche Geschichten, die uns irgendwie erden und auf eine ganz andere Art und Weise begeistern. Ich schätze sowas sehr und fühlte mich an andere Bücher aus dem Verlag erinnert (“Die Mitte der Welt” und “Zusammen sind wir Helden”). Mein Tipp also: UNBEDINGT LESEN – ihr würdet sonst einen wirklichen Diamanten verpassen. Dafür gibt es von mir – natürlich – volle Punktzahl.