Dumplin’ von Julie Murphy #rezension

Dumplin’ von Julie Murphy #rezension

März 21, 2018 0 Von BenniCullen
Buchcover: © Fischer FJB

 

Titel: Dumplin’
Untertitel: Go big or go home
Autorin: Julie Murphy
Verlag: Fischer FJB
Seiten:400
Ausgabe: Hardcover
Auflage: 1
Erscheinungstermin: 21. März 2018
Preis: 18,99 €
ISBN-10: 384142242X
ISBN-13: 978-3841422422

Die #1 der „New York Times“-Bestsellerliste: Dick UND schön? Unsicher UND mutig? Dumplin‘ ist all das und noch viel mehr.


Willowdean – „16, Dolly-Parton-Verehrerin und die Dicke vom Dienst“ – wird von ihrer Mutter immer nur Dumplin’ genannt. Bisher hat sie sich in ihrem Körper eigentlich immer wohl gefühlt. Sie ist eben dick – na und? Mit ihrer besten Freundin Ellen an ihrer Seite ist das sowieso total egal.
Doch dann lernt sie den sportlichen und unfassbar attraktiven Bo kennen. Kein Wunder, dass sie sich hoffnungslos in ihn verknallt – dass er sie allerdings aus heiterem Himmel küsst, verunsichert sie völlig. Plötzlich macht es ihr doch etwas aus, nicht schlank zu sein. 
Um ihre Selbstzweifel in den Griff zu bekommen, beschließt Will, sich der furchteinflößendsten Herausforderung in ganz Clover City zu stellen: Sie will am „Miss Teen Blue Bonnet“-Schönheitswettbewerb teilnehmen und allen – vor allem sich selbst – beweisen, dass die Kleidergröße für das ganz große Glück überhaupt keine Rolle spielt.


„Badeanzüge haben so etwas an sich, das einen denken lässt, man müsste sich erst das Recht verdienen, sie zu tragen. Aber eigentlich ist doch die entscheidende Frage:
Hast du einen Körper?
Dann zieh ihm einen Badeanzug an.“

Das Buch wurde mir vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt – ein herzliches Dankeschön dafür (:

Als ich den Klappentext las und die Thematik dieses Buches erfuhr, war mir sofort klar: Ich muss es einfach lesen. Ohne einen zweiten Gedanken daran zu verschwenden. Die Leseprobe bestätigte dann dieses Gefühl und als mich der Verlag bereits im November anschrieb, ob ich nicht Buchbotschafter werden möchte, fügte sich für mich alles zusammen. Und so wanderte “Dumplin'” in mein Haus und brachte mich sehr oft zum lachen – und mindestens genauso oft zum Nachdenken.

Willowdean ist eigentlich ein ganz normales Mädchen in einer Provinz in Amerika. Eigentlich. Denn auch sie kann sich von den Vorstellungen der Gesellschaft nicht gänzlich befreien. Erst recht nicht, wenn die eigene Mutter Vorsitzende eines Schönheitswettbewerbs ist und einen ständig dazu animieren möchte, jetzt ENDLICH abzunehmen. Doch was, wenn man mit sich selbst so zufrieden ist wie man eben ist? Und was, wenn man mal all die gesellschaftlichen Konventionen über Bord wirft und den Schönheitswettbewerb sprengt? Willowdean begibt sich auf die Suche nach sich selbst und findet dabei nicht nur Dinge über ihre eigene Person heraus, sondern auch über die Doppelmoral der Gesellschaft. Kann sie mit Hilfe von Dolly Parton, engen Freunden und ihrem Charakter die Welt verändern? Oder bleibt alles so, wie es schon immer war?

Auf den ersten Seiten packte mich das Highschool-Feeling sowie die musikalische Country-Untermalung durch Dolly Parton. Wir lernen die Protagonistin sowie ihre beste Freundin kennen und streifen durch das kleine Dorf, in dem die Mädels wohnen. Ich mochte Willowdeans Art von der ersten Seite an total, da sie genau das aussprach oder dachte, was durch meinen Kopf ging. Ich fand es toll, dass wir mal eine Protagonistin haben, die sich nicht davor scheut, unangenehme Themen oder Situationen anzusprechen und ganz sie selbst ist – das imponierte mir und ermöglichte einen fulminanten Start in die Geschichte. Im Anschluss blieb die Story dann aber relativ ruhig, was mich zwar nicht störte, was mich aber im ersten Moment überraschte. Es ging sehr viel um die Lebenssituation sowie die Gedankenwelt der Figuren. Dies ermöglichte zwar eine sehr intensive Auseinandersetzung mit den ganzen gesellschaftskritischen Aspekten der Lektüre, andererseits hat man aber auch das Gefühl, man würde nicht wirklich voran kommen. Gegen Mitte änderte sich das leicht und die Geschichte nahm mehr Fahrt auf, was ihr definitiv gut tat. Die Storyline war somit etwas unausgeglichen, konnte mich aber dennoch in ihren Bann ziehen.

Dies gelang ihr vor allem mit den Themen, die sie angesprochen hat. Es geht natürlich größtenteils um den Schönheitswahn, der momentan vorherrscht, andererseits könnte man auch argumentieren, dass es darum geht, man selbst zu sein und sich und seinen Körper bis zu einem gewissen Grad zu akzeptieren. Willowdean macht sich hier sehr viele, sehr tiefgründige Gedanken, was mir im Jugendbuchbereich sehr gut gefallen hat. Es handeln sich dabei um Gedanken, die den Leser zum nachdenken anregen und der Geschichte Wichtigkeit verleihen. Neben diesem großen Themenkomplex, der natürlich nicht gänzlich abgedeckt werden kann (einfach aufgrund seiner Breite), geht es aber auch um zwischenmenschliche Beziehungen aller Art: Darf man zwei Menschen gleichzeitig daten? Darf man sich in eine völlig andere Richtung als die beste Freundin entwickeln? Darf man sich über den Kopf seiner eigenen Mutter hinwegsetzen? Und muss man jegliches Verhalten erst mit der gesellschaftlichen Norm abgleichen? All diese Fragestellungen versucht das Buch auf den Grund zu gehen, ja, teilweise sogar, sie zu beantworten. Dies gelingt ihm manchmal ganz gut, manchmal gibt die Geschichte auch bloß einen Denkanstoß, der dann vom Leser unterfüttert werden kann. Das hat mir wirklich sehr gut gefallen und war der Grund, warum ich an der Geschichte so gehangen habe.

Dabei empfand ich den Schreibstil zwar als sehr politisch und eindringlich, was dem Buch und den Themen sehr gut getan hat, allerdings auch als sehr ausschweifend und detailliert. Wie bereits erwähnt war die Storyline an sich jetzt nicht wirklich spannend oder überraschend aufgebaut, sodass ich das Gefühl hatte, man hätte etwas schneller und akzentuierter schreiben können. Vielleicht lag es an der Übersetzung, vielleicht aber auch wirklich am Schreibstil selbst, dass ich hier das Gefühl hatte, man wollte etwas zu viel des Guten. Nichtsdestotrotz Respekt dafür, dass man bei solchen Themen noch eine gewisse Stimmung eingefangen hat, die das Flair des Romans sehr gut auf den Punkt gebracht und gleichzeitig die Themen in den Mittelpunkt gestellt hat. Letzteres war wohl von Anfang an Priorität – da schaue ich dann auch mal über Storyline und Schreibstil hinweg.

Für mich ist “Dumplin'” mehr als nur ein Jugendbuchroman. Es ist gesellschaftskritisch, teilweise politisch und lehrreich – darüber hinaus ist es allerdings besonders eins: echt. Es spricht Themen an, an die sich viele überhaupt nicht trauen würden und äußert Gedanken, die dazu anregen, sich damit sehr viel intensiver auseinanderzusetzen als man dies im Alltag tut. Dabei sind diese Gedanken in Kombination mit den Figuren eine wirklich gut umgesetzte Einheit, die nicht nur unterhalten, sondern eben besonders stark inspirieren – und das in jeder möglichen Weise. Ja, der Aufbau der Geschichte hätte spannender sein müssen und auch der Schreibstil war nicht immer glatt, aber darüber kann ich gut hinwegsehen. Wichtig waren mir die Themen und diese kamen sehr deutlich durch. Gleichzeitig hatte man aber auch sichtlich Spaß und kann diesen auch sehr gut herauslesen. Dass es dann noch musikalisch wurde, rundete das ganze Spekrakel für mich ab. Dafür gibt es dann letztendlich 4 Punkte und eine klare Empfehlung für all jene, denen gesellschaftskritische Bücher im Jugendbuchbereich wichtig sind. Und mal ehrlich: Das sollten sie für alle sein.

Special:
Für “DUMPLIN'” darf ich Buchbotschafter sein und habe mir deshalb etwas ganz besonderes ausgedacht: Ich habe auf Facebook und Instagram nach den Lieblingssongs meiner Follower gefragt und war mehr als überwältigt, die Songs sowie die Geschichten dazu zu hören. Die eingesendeten Songs habe ich in einer Playlist auf YouTube und Spotify zusammengestellt – solltet ihr Lust haben bei der Aktion mitzumachen, schickt mir gerne eine E-Mail an listentolenny@gmail.com mit eurem Lied und der dazugehörigen Geschichte – ich würde mich sehr freuen <3

Buchcover: © Fischer FJB