Für immer ist die längste Zeit von Abby Fabiaschi

Für immer ist die längste Zeit von Abby Fabiaschi

Juli 19, 2018 0 Von BenniCullen

© Fischer Krüger Verlag

Titel: Für immer ist die längste Zeit
Autorin: Abby Fabiaschi
Verlag: Fischer Krüger
Seiten: 368
Ausgabe: Broschiert
Auflage: 1
Erscheinungstermin: 21. März 2018
ISBN-10: 3810524794
ISBN-13: 978-3810524799
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Maddy ist tot. Vom Dach der Bibliothek gestürzt. Sie landet jedoch nicht im friedvollen Himmel, sondern blickt aus kurzer Höhe auf ihre Familie – ihre pubertierende Tochter Eve und den emotional unaufgeräumten Ehemann Brady – herab. Ohne Maddy sind sie schon in einfachen Dingen der Alltagsorganisation überfordert. Jetzt drohen sie an der Frage nach dem Warum zu zerbrechen.
Maddy muss etwas tun. Doch ihre Möglichkeiten der Einflussnahme aus dem Jenseits sind begrenzt – sie ist ja auch neu hier.

Das Buch wurde mir vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt – ein herzliches Dankeschön dafür (:

„Ein Buch das dich emotional treffen wird“ – wenn sowas auf Bücher steht, bin ich irgendwie gleich hellhörig und interessiert. Denn es gibt doch nichts schöneres oder emotionaleres, wenn ein Buch einen richtig berührt, zum Nachdenken bringt und nicht mehr loslässt, oder? Deshalb war ich auch umso gespannter auf „Für immer ist die längste Zeit“ von Abby Fabiaschi. Das Buch hörte sich wirklich so an, als ob es einen vom ersten Moment an fesseln könnte und tausend Fragen auf einmal aufwirft. Doch dann kam alles ganz anders und es ließ mich kalt zurück – dabei war das Thema doch so radikal anders. An was lag also meine Enttäuschung und Kälte?

Wir lernen Maddy kennen, eine Mutter, die sich selbst umgebracht hat, da sie sich vom Dach der Bibliothek gestürzt hat. Maddy ist allerdings nicht einfach im Himmel gelandet, sondern wacht über ihre Tochter und ihren Ehemann aus dem Jenseits und setzt alles daran, dass beide wieder Sinn in ihrem Leben finden. Doch sowohl ihr Ehemann Brady als auch ihre Tochter Eve scheinen dafür noch nicht bereit zu sein. Allerdings stellt sich die Frage, warum Maddy sich überhaupt erst umgebracht hat, wenn sie doch eigentlich möchte, dass ihre Familie glücklich ist. Und kann man überhaupt glücklich sein, wenn die eigene Mutter und Ehefrau Selbstmord begangen hat?

Die Fragen, die die Geschichte aufwirft, sind ja wirklich nichts für zarte Gemüter und eigentlich dachte ich auch, dass mich diese sofort greifen würden. Zugegeben: Am Anfang war ich geschockt, wütend und traurig – genauso wie Eve, die mir vom ersten Moment an leid tat. So jung und schon so viel Grausamkeit zu erleben, ist einfach alles andere als fair. Ihr Vater Brady dagegen war von Anfang an ziemlich distanziert, was dazu führte, dass ich ihn gar nicht greifen konnte. Und auch im weiteren Verlauf der Geschichte konnte mich die kleine Familie einfach nicht berühren. Ja, besonders Eve tat mir – wie bereits erwähnt – leid, aber recht viel mehr mochte das Geschehen einfach nicht in mir auslösen. Hinten auf dem Klappentext ist ein Zitat von Kristin Harmel abgedruckt (die ich wirklich sehr liebe) und in diesem sagt sie, dass sie sowohl lachen als auch weinen musste. Leider kann ich mich da überhaupt nicht anschließend. Ich musste weder lachen, noch weinen. Genau genommen hab ich die Geschichte runtergelesen und war relativ gleichgültig eingestellt.

Dabei kann die Autorin eine Sache wirklich gut: Schreiben. Also, so ohne großes Tamtam oder ausufernden Beschreibungen. Abby Fabiaschi hat einen sehr klaren, direkten und schnelllebigen Schreibstil, der sich gut weglesen lässt, allerdings liegt hier vielleicht auch das Problem: Bei einem emotionalen Roman möchte ich nicht, dass es schnellebig oder direkt ist. Ich möchte Gefühle, Übertreibungen, irritierende Stellen, Überraschungen und und und. Direkt und distanziert kann ein Thriller sein. Aber bitte kein emotionaler Roman. Gleichzeitig war ich mir nicht sicher, was sie mir mit der Entwicklung sagen wollte. Dass am Ende alles gut wird? Dass verstorbene Menschen über uns wachen? Dass am Ende, doch wieder alles gut wird? Ich weiß es nicht und hab es auch bis zum heutigen Tag nicht herausgefunden.

Eine emotionale Geschichte, die nicht emotional wird. Gebrochene Figuren, die nicht gebrochen wirken. Und ein direkter Schreibstil, der für einen Roman viel zu direkt ist. Irgendwie passte all das nicht so wirklich zusammen. Ja, die Idee ist toll und auch der Schreibstil mag prinzipiell wirklich gut sein, aber passt einfach nicht dazu. Für mich ein klassisches 3-Sterne-Buch: Nicht schlecht, aber eben auch nichts Außergewöhnliches. Muss man das lesen? Nein. Kann man es tun? Ja, aber erwartet keine Meisterleistung.