Bloody Mary von Nadine Roth

Bloody Mary von Nadine Roth

Oktober 27, 2017 2 Von BenniCullen

Herzlich Willkommen zu diesem #LIVE-Beitrag!

Mein Halloween-Special ist im vollen Gange und das heißt: Ich lese schon das zweite Buch, was ich mir für diese Zeit vorgenommen habe. Nachdem mir “Rotkäppchen und der Hipster-Wolf” von Nina MacKay ganz gut gefallen hat, erwarte ich mir jetzt spannende Jugendbuchpower gepaart mit einer Gruselgeschichte, die wohl jeder schon einmal gehört hat: Die Geschichte rund um Bloody Mary. Denn die Autorin Nadine Roth veröffentlichte 2016 ihr Debüt “Bloody Mary – Du darfst dich nicht verlieben” beim Sternensand Verlag und konnte damit in Bloggerkreisen schon für ziemlich viel Wirbel sorgen. Sehr oft sah ich das Cover auf verschiedenen Fotos bei Facebook und Instagram und immer mal wieder sah ich Rezensionen auf meiner Facebook-Timeline aufploppen. Ich hatte mir damals das Buch sogar vorbestellt (mit Widmung – wuhu!), wusste aber, dass ich es gerne im nächsten Jahr an Halloween lesen wollte. Und jetzt sind wir hier und ich bin bereit!

© Sternensand Verlag

Der Fluch um Bloody Mary kennt wohl: Angeblich muss man sich nur vor einen Spiegel stellen, drei Mal “Bloody Mary” sagen und schon ist sie da und bringt einen um. Ohne Gnade. Ohne Mitleid. Und ohne die geringste Hoffnung auf Überleben. Genau dieser Mythos steht auch beim Roman von Nadine Roth im Mittelpunkt, allerdings beschäftigt er sich mit einem weiteren Aspekt, der sehr interessant zu sein scheint: Was ist, wenn Bloody Mary gerufen wird und sich in die Person verliebt, die sie gerufen hat? Was ist also, wenn sie, obwohl sie so viele Jahre in purem Hass verbracht hat, wieder anfängt, Hoffnung, Liebe und Freundschaft zu empfinden? Ich finde diese Fragen sehr spannend und kann Nadine nur ein großes Kompliment dafür aussprechen, dass sie auf diese Idee gekommen ist. Wer jetzt wissen will, was ihn genau erwartet, der kann den Klappentext laut Amazon lesen:


»Mein Name ist Mary. Bloody Mary. Sie rufen mich, und ich töte sie. Doch dieses Mal nicht. Er hat mich gerufen. Und das hat alles verändert.«


Im Jahr 1990 wird die sechzehnjährige Mary Jane Wyler von einem Serienmörder auf grausame Art und Weise umgebracht und findet sich in der Totenwelt wieder. Gefangen hinter Spiegeln, wartet sie darauf, dass jemand nach ihr ruft, um Rache an den Lebenden zu nehmen.
Der siebzehnjährige Avian glaubt nicht an diesen Mythos. Um seinem besten Freund zu beweisen, dass alles reine Fiktion ist, ruft er den Rachegeist – und sieht sich plötzlich Bloody Mary gegenüber. Aber ist sie tatsächlich so blutrünstig, wie die Legende behauptet? Oder steckt hinter der Furcht einflößenden Gestalt nur ein einsames Mädchen, das sich nach Mitgefühl und Wärme sehnt?
Avian versucht, zu Mary Jane Wyler durchzudringen, doch er spielt dabei mit seinem Leben.


»In der Welt der Toten gibt es drei Regeln: Zeige keine Gnade, zeige keine Schwäche, zeige keine Gefühle. Ich habe jede einzelne gebrochen.«

Klingt doch einfach mal richtig gut, oder? Ich war wirklich sofort verliebt in die Idee, die Geschichte und Mary. Denn ja, sie ist auf dem ersten Blick ein Monster – aber vor allem ist sie doch ein Mensch, der was grausames widerfahren ist. Und diese Backround-Story interessiert mich einfach brennend! Um meine Eindrücke besser festhalten zu können, gibt es deshalb auch diesen Leseeindruck, bei dem ich euch immer nach 50 oder 100 Seiten berichte, was ich so über die Geschichte, die Figuren, den Schreibstil, etc. denke. Aber keine Angst: natürlich spoilerfrei!

 

Buchcover: © Sternensand Verlag
Dieser Beitrag ist SPOILERFREI!
Ich werde die Handlung der ersten Seiten nur kurz wiedergeben, ihr braucht also keine Angst haben, dass ich euch zu viel verrate (:

Etappe 1: S. 11 bis 51
Ahhhh, ich liebe die Geschichte jetzt schon. Wir lernen Avian Dearing kennen, ein 17-jähriger Schüler, der in Redding, Kalifornien lebt und der mitten in der Nacht aufwacht, weil mehrere Polizeiautos an seiner Straße vorbei fahren. Dies wundert ihn aber gar nicht, denn schon seit längerer Zeit vermehren sich die ungeklärten Morde auf der ganzen Welt. Der Mörder hinterlässt nie Spuren und geht jedes Mal weider gleich vor: Er erwürgt seine Opfer, bis diese sterben und sticht ihnen dann die Augen aus. Die ganze Welt und besonders die Einwohner in Redding beschäftigen sich mit dem Fall, da in ihrer Umgebung besonders viele Menschen umkommen. So eben auch Avian und sein bester Freund Joe. Dieser präsentiert Avian dann seine Theorie zu Bloody Mary und Avian ist im ersten Moment sprachlos… glaubt sein Freund wirklich, dass es solch einen Rachegeist gibt? Um ihm zu beweisen, dass das alles Quatsch ist, beschließt er, Mary zu rufen und dies per Video aufzunehmen – um zu zeigen, dass es sie eben nicht gibt. Tja und dann beginnt das Prozedere und Avian steht plötzlich Bloody Mary gegenüber. Ob das gut ausgeht?

Das Erste, was mir aufgefallen ist, ist der Schreibstil. Wie flüssig, wohl bedacht und perfekt ausbalanciert Nadine diese Geschichte erzählt, ist einfach ein Traum. Die Seiten verfliegen nur so und es besteht meist eine wirklich tolle Balance zwischen Beschreiben, Darstellung des Gefühlslebens und Dialog. So mag ich das, weshalb in kürzester Zeit 50, 100 oder 150 Seiten verfliegen. Außerdem finde ich den Aufbau wirklich sehr interessant: Wir bekommen die Geschichte einmal von Avian erzählt, der der typische Teenager ist und trotzdem total sympathisch wirkt, und einmal von Mary, die über ihren Fluch und ihr Lebens als Untote erzählt. Außerdem wird auch ihr Hintergrund dargestellt und wir erfahren, was ihr passiert ist. Das alles liefert ein unglaublich interessantes Gesamtpaket ab, bei dem ich wirklich an jeder Zeile hänge. Schon lange bin ich nicht mehr so in einer Geschichte versunken.

Besonders interessant finde ich dabei den Blickwinkel von Mary. Sie selbst sagt, dass sie nichts als Hass empfinden kann, dennoch erkennt man recht schnell, dass da noch etwas Menschliches dahinter steckt. Ich persönlich finde sie deshalb, trotz ihrer Taten, total sympathisch und habe sie gleich in mein Herz geschlossen. Ich hoffe, dass ihre Geschichte gut ausgeht und sie endlich ihre Ruhe finden kann. Oder eine zweite Chance erhält. Vielleicht bin ich aber auch einfach zu sehr Optimist 😀 Nadine schafft es, die Figur der Mary sehr vielseitig darzustellen: Zum einen haben wir die brutalen Morde, die sie begeht, zum anderen aber auch Marys Persönlichkeit, die immer mehr raus kommt und die großartig wiedergespiegelt wird. Ich freue mich jetzt auf die nächsten Seiten und gebe euch dann wieder Bescheid. Bis dahin sei gesagt: Ich liebe es bisher.

Etappe 2: S. 52 bis 155
Ich sage ja: Die Seiten vergehen wie im Flug. Gestern habe ich dann tatsächlich über 150 Seiten gelesen, obwohl ich in der Arbeit war und nur unterwegs bzw. abends vorm Schlafengehen lesen konnte. Das mag was heißen! Ich verrate natürlich nichts mehr zum Inhalt, nur so viel: Es passiert ständig etwas und die Ereignisse überschlagen sich teilweise sogar. Ich finde, dass der Plot sehr gut durchdacht ist und es deshalb so gut wie keine Längen gibt. Die Autorin schafft es außerdem, nicht nur die Story an sich voranzutreiben, sondern auch das Gefühlsleben der Protagonisten hervorragend darzustellen, was es mir als Leser sehr einfach macht, mich in ihre Situation zu versetzen und ihre Gefühle mitzuempfinden. Wenn Avian also Angst hat, empfinde ich diese auch und wenn Mary verunsichert ist, weil sie plötzlich wieder so etwas wie Hoffnung empfindet, dann bin ich wirklich den Tränen nahe, weil ich so sehr mit ihr mitfühle. Schon beim Schreiben dieser Zeilen zieht sich alles in mir wieder zusammen und ich kriege Pipi in den Augen. Schön, wenn einen Figuren einen so mitnehmen können.

Und auch wenn das Aussehen nicht über den Inhalt täuschen sollte, muss ich nochmal auf dieses Eingehen. Wobei, hier stimmt ja beides: Das sagenhafte Äußere präsentiert ein sagenhaftes Innere, weshalb es okay ist, dass ich jetzt nochmal damit anfange. Nicht nur das Cover ist, wie ihr oben erkennen könnt, wunderschön, auch die Innengestaltung ist super. Bei jedem Kapitelanfang ist ein Spiegel abgedruckt, auf dem der Name des Protagonisten steht, der die Geschichte nun erzählen wird. Außerdem befinden Ort- und Zeitangaben darunter, um klar zu sehen, in welcher Zeit (ja, es gibt Zeitsprünge, aber nicht allzu oft) wir uns befinden. Meistens erzählt übrigens eine Figur über circa drei bis fünf Seiten ihre Sichtweise, danach wechselt es wieder zur anderen Figur. Das finde ich gut, denn so wird es sehr vielschichtig und unterschiedlich. Ich habe euch mal etwas abfotografiert, damit ihr einen Einblick erhaltet.

 

© Sternensand Verlag

Etappe 3: S. 156 bis 302
Ich weiß: 150 Seiten für eine Etappe sind ziemlich viel, aber ich kann einfach nicht anders: Mary und Avian ziehen einen einfach in ihren Bann und es entwickelt sich einerseits so schnell, andererseits vergeht auch wirklich viel Zeit, bis es zu neuen Erkenntnissen und Entwicklungen kommt. Das führt dazu, dass man total mitfühlt und wirklich ein rundum gelungenes Bild von den Ereignissen bekommt. Ich fühle mich sehr wohl, bin gleichzeitig gespannt und weiß nicht so recht, in welche Richtung die Geschichte jetzt noch gehen wird – ich halte zu diesem Zeitpunkt alles für möglich und habe natürlich verschiedene Theorien – mal sehen, welche davon eintritt oder ob Nadine mich vollkommen überrascht.

Besonders auffällig finde ich den Schreibstil des Buches. Nadine hat wirklich eine ganz tolle Art Geschichten zu erzählen. Am Anfang hatte ich ja wirklich Respekt vor dem 500 Seiten, jetzt bin ich schon mit über der Hälfte durch und habe total Angst, das Buch zu beenden, weil ich nicht will, dass es aufhört. Aber irgendwie doch, weil ich will ja wissen, wie es ausgeht. Aber auch irgendwie nicht – you know? Nadine wechselt weiterhin konstant zwischen Avian und Mary, gibt Informationen an den Stellen, an denen sie auch nötig sind, hält sich aber auch gleichzeitig nicht mit überschwänglichen Beschreibungen auf. Das gefällt mir wirklich gut, weshalb ich quasi sofort ihr zweites Buch (“SAMe Love – Nur mit dir”) lesen möchte – wenn das genauso geschrieben ist, dann könnte es sein, dass ich eine neue Lieblingsautorin für mich gefunden habe.

Wer sich außerdem fragt, ob es bei über 500 Seiten Längen gibt: Ich dachte an einer Stelle kurz, dass es so wäre, aber wirklich alles was passiert, ist irgendwie relevant und erfüllt einen Zweck – manchmal erkennt man das sofort, manchmal auch erst etwas später. Deshalb kann ich die Frage nach Längen wirklich nur verneinen, da mittlerweile der Autorin so sehr vertraue, dass ich weiß: Es wird keine langatmigen Stellen geben, dafür ist die Geschichte viel zu gut geplotet.
Was mir als einziger kleiner Kritikpunkt aufgefallen ist: Mal ist ein Komma zu viel da, mal ein Wort falsch geschrieben oder ein Tippfehler hat sich eingeschlichen. Für mich hält sich das im Rahmen, allerdings fällt es mir doch hier und da auf. Noch stört es mich nicht, ich hoffe allerdings auch, dass sich diese Tatsache nicht noch verstärkt. Denn sonst bin ich wirklich arg verliebt in die Story.

 

Etappe 4: S. 303 bis 520
Schluss, aus vorbei! Ich habe gestern “Bloody Mary” zu Ende gelesen und konnte für diesen Tag über 200 Seiten auf meine nicht-existente “Gelesen”-Liste packen 😀 So viel lese ich an einem Tag in der Regel nicht, aber hey, ich hatte frei und konnte ausgiebig schmöckern. Das lag aber bestimmt auch ein klein wenig an der Story, denn auch nach Beenden des Buches bin ich immer noch begeistert von der Idee, den Figuren und der Umsetzung. Zwischenzeitlich dachte ich mir: “Oh nein, jetzt geht’s aber in eine sehr andere Richtung”, aber das hatte sich nach 20 Seiten dann auch wieder gelöst und ich erhielt die Geschichte, die mir versprochen wurde. Mir wäre deshalb zwar fast mein Herz gebrochen – wobei, so wirklich ganz ist es schon nicht mehr – aber ich werde darüber hinweg kommen. Sicher. Irgendwann. Nadine hat einen unsagbar tollen Stil und mir gefällt es total, wie sie diese Geschichte erzählt hat. Ich kann natürlich nicht zu viel verraten, aber sagen wir so: Ihr werdet alles fühlen, was man nur fühlen kann. Und noch während ich das schreibe, bekomme ich Gänsehaut.

Was ich übrigens auch hier wieder total süß fand: Im Buch gibt es einige Zeichnungen, die zu gewissen Stellen in der Story passen. Ich mag das ja sehr gerne und dachte mir, ich zeige euch zwei Bilder, die euch jetzt nicht wirklich spoilern. Ich will nur, dass ihr einen Einblick in das Buch erhaltet, was wirklich wunderschön aufgemacht ist. Aber eine solche Geschichte hat es auch nicht anders verdient <3

© Sternensand Verlag
Bis dahin bedanke ich mich ganz herzlich für eure Zeit, ich hoffe wir sehen uns beim nächsten #LIVE-Leseeindruck – dieser wird sich mit “Flugangst 7A” von Sebastian Fitzek beschäftigen. Stay tuned 😉

 

Eine ausführliche Rezension findet ihr HIER.