Die Mitte der Welt von Andreas Steinhöfel #live

Die Mitte der Welt von Andreas Steinhöfel #live

Januar 30, 2018 0 Von BenniCullen
Herzlich Willkommen zu diesem #LIVE-Beitrag <3

Ab heute wird gefeiert, denn: Die Sonderausgabe zum 20-jährigen Geburtstag von “Die Mitte der Welt” von Andreas Steinhöfel ist endlich im Handel erhältlich und ich könnte nicht glücklicher sein! Die Geschichte bedeutet mir SO viel und ich bin SO glücklich, dass ich sie jetzt in neuem Gewand als Hardcover in den Händen halten darf – ihr wisst doch, #Coveropfer und so. Und aus diesem Grund (und noch tausend mehr) möchte ich auch gerne zu diesem Anlass das Buch rereaden – etwas, was ich bisher nur sehr selten getan habe. Denn eigentlich rereade ich jetzt Bücher nicht unbedingt regelmäßig, denn ich kenne die Story ja schon und weiß dann ja, was passiert. Aber bei diesem Buch ist das anders: Es lässt mein Herz höher schlagen und hat einen ganz besonderen Platz bei mir. Nicht umsonst sage ich immer, dass es mein absolutes Lieblingsbuch ist. Deshalb also die perfekte Gelegenheit euch mitzunehmen – und euch hoffentlich davon zu überzeugen, dieses Buch zu lesen 😀

Buchrücken und -cover: © Carlsen Verlag

Wie bereits gesagt, ist es für mich das zweite Mal mit diesem Buch (keine Hintergedanken, ja? :D). Warum es mich beim ersten Mal sowas von geflasht hat, habe ich bereits in einem anderen Beitrag veröffentlicht. Dort ging es um meine so genannte Buchgeschichte. Solltet ihr diese nicht gelesen haben, würde ich euch das dringend raten, denn dann werden vielleicht manche meiner Ausführungen etwas verständlicher. Ich verlinke ihn euch HIER. Ich kann nur sagen, dass diese Geschichte eine der wenigen ist, die die Leser verändern. Zumindest war das bei mir der Fall. Sie macht einfach etwas mit einem und bewegt die Menschen tief in ihrem Inneren. So etwas ist nicht alltäglich und mir seither auch nicht mehr oft passiert (spontan fällt mir eigentlich nur “Den Mund voll ungesagter Dinge” von Anne Freytag ein). Deshalb bin ich wirklich aufgeregt, denn ich weiß jetzt schon, dass mich die Geschichte wieder so abholen wird – allerdings etwas ganz anderes mit mir machen wird. Denn ich habe mich seit dem ersten Lesen verändert, bin gewachsen, habe Dinge geschafft und abgebrochen und bin alte Laster los geworden. Ich stehe jetzt an einem völlig anderen Punkt in meinem Leben und bin deshalb der festen Überzeugung, dass mir die Geschichte aus diesen Gründen auch etwas anderes sagen bzw. zeigen wird. Es könnte also spannend werden 😀 Wer die Story jetzt so gar nicht kennt, ich kopiere euch den Klappentext laut Amazon hier rein:

Was immer ein normales Leben auch sein mag – der 17-jährige Phil hat es nie kennengelernt. Denn so ungewöhnlich wie das alte Haus ist, in dem er lebt, so ungewöhnlich sind auch die Menschen, die dort ein- und ausgehen – seine chaotische Mutter Glass, seine verschlossene Zwillingsschwester Dianne und all die anderen. Und dann ist da noch Nicholas, der Unerreichbare, in den Phil sich unsterblich verliebt hat … Phil sehnt sich nach Orientierung und Perspektiven. Aber vor allem danach, mehr über sich selbst zu erfahren.

Klingt lustig, unterhaltsam und sehr ermutigend, oder? Ist es auch, das verspreche ich euch. Ich freue mich so, das Leben von Phil wieder zu begleiten und kann es kaum abwarten das Kribbeln zu spüren, das ich schon beim ersten Mal gespürt habe. Los geht’s also!

Buchcover: © Carlsen Verlag
Dieser Beitrag ist SPOILERFREI!
Ich werde die Handlung der ersten Seiten nur kurz wiedergeben, ihr braucht also keine Angst haben, dass ich euch zu viel verrate (:
 
Etappe 1: S. 9 bis 46
Ich bin jetzt schon froh, dass Buch noch einmal zu lesen – denn ich muss ehrlich gestehen, dass ich ganz viele Details einfach nicht mehr so präsent in Erinnerung hatte. Beispielsweise fast die gesamte Geschichte des Prologs. Hier lernen wir Glass kennen, die gerade von Amerika nach Deutschland reist (das wusste ich noch) und welche Gedanken sie auf dieser Reise begleiten. Was dann aber passierte, hatte ich gar nicht mehr auf dem Schirm und war so gut gemacht, dass ich geschockt war, diese Stelle vergessen zu haben. Und auch einige Hintergrundinformationen zu Tereza, der Freundin der Familie, sind irgendwie weg gewesen. Schön, dass ich sie so noch einmal auffrischen konnte. Viele Aspekte kommen aber während des Lesens wieder in meine Erinnerung, was mich natürlich total freut. Es ist wie bei alten Freunden, die man nach ganz langer Zeit mal wieder sieht und es immer noch genauso ist, wie früher – wisst ihr was ich meine? Dieses Gefühl genieße ich gerade total!Inhaltlich lernen wir, wie bereits erwähnt, Phil kennen, der gerade seine beste Freundin Kat nach einem langen Sommer wieder trifft und mit ihr durch ihrem Heimatort streift. Gleichzeitig erfahren wir viel über die Vergangenheit von Phils Familie, die seine Mutter Glass und seine Zwillingsschwester Dianna miteinschließt. Darüber hinaus lernen wir Visible kennen, die Villa, in der die drei wohnen. Der Anfang macht es dem Leser aufgrund der vielen Informationen nicht immer leicht, allerdings ist die Stimmung, die der Autor einfängt, wirklich einzigartig und sehr wohlig, sodass man sich sofort Zuhause fühlt. Man weiß noch gar nicht, wo es hin geht (also normalerweise, ich ja schon :D) und genau deshalb rate ich euch durchzuhalten, denn es kommt ganz anders als man denkt 😉

Interessant für Menschen, die noch nichts vom Autoren gelesen haben: Andreas Steinhöfel hat einen sehr detailverliebten Schreibstil. Es geht viel um die Hintergründe der Figuren, deren Geschichte und all den großen und kleinen Dingen des Lebens. Das mag an vielen Stellen etwas zäh wirken, hat aber wirklich Hand und Fuß und führt dazu, dass man die Figuren noch besser nachvollziehen kann. Sollte euch das am Anfang negativ auffallen, dann haltet durch, es lohnt sich wirklich sehr. Ich finde es nämlich gerade schön, dass das Buch sich die Zeit nimmt, das Setting, die Atmosphäre und die Figuren vorzustellen und dann erst richtig los legt. Das ist bewusst so gemacht und macht im Nachhinein auch wirklich Sinn – trust me! Ich habe mich (erneut) total in Phil verliebt und bin so froh, ihn wieder in meinem Leben zu haben… ja, es ist wirklich wie bei einem Wiedersehen mit einem alten Freund nach ganz, ganz langer Zeit. Das Gefühl von Heimat und Vertrautheit schleicht sich ein und mir wird warm ums Herz – ich könnte den Januar nicht schöner beenden.

Etappe 2: S. 47 bis 120
Ich bin voll drinnen und liebe es mit jeder Seite mehr. Es ist ein sehr ruhiges Buch, das muss ich sagen, aber es steckt so voller Ideen und Ausführungen, die jedes Mal wieder zum Nachdenken anregen und etwas in mir auslösen, was ich so gar nicht beschreiben kann. Solche Gefühle habe ich nicht oft in einem Buch. Was mir übrigens immer wieder auffällt: Tatsächlich habe ich ein paar Dinge gar nicht mehr auf dem Schirm gehabt. Ich haben noch sehr präsent den Film im Kopf und jetzt fällt mir erst auf, wie viel dort gefehlt hat – nichtsdestotrotz ist die Umsetzung der Kerngeschichte wirklich gut geworden. Das aber nur am Rande. Wie bereits in der ersten Etappe gesagt, geht es auf den ersten knapp 100 Seiten darum, die Vergangenheit und Geschichte von Phil und seiner Familie kennenzulernen. Das ändert sich erst, wenn Nicholas in Erscheinung tritt – und Leute ich sage euch: Ich habe so Herzklopfen wie beim ersten Mal. Ich kann so gut mit Phil mitfühlen und verstehe total, was er an Nicholas findet. Das liegt bestimmt auch an meinen Sympathien für Phil, aber eben auch an dieser mysteriösen Aura von Nicholas.

Ich möchte in dieser Etappe nochmal auf einige Themen ansprechen, die in dieser Geschichte angedeutet bzw. angesprochen werden. Es geht grundsätzlich darum, wie Phil sich entwickelt und an den Herausforderungen des Lebens wächst. Dies zieht sich durchs Buch und wird immer und immer wieder in die Geschichte gewoben. Das führt dazu, dass natürlich auch Dinge der Sexualität angesprochen werden – teilweise recht unkonventionell (oder auch sehr unkonventionell), teilweise auch sehr fragwürdig und so, dass man darüber nachdenken muss. Doch das gefällt mir gerade an dem Stil des Autoren: Er haut nicht einfach raus, sondern macht das alles recht subtil und dennoch eindringlich – so, wie ich es von keinem anderen kenne. Daneben geht es aber auch um gesellschaftliche Vorgaben, den Druck auf den Einzelnen diesen Vorgaben zu genügen und den Drang, eben diese Vorgaben zu sprängen – und zwar bewusst zu sprängen. Glass ist hierfür das beste Beispiel und deshalb auch einer meiner liebsten Figuren… was sich aber noch ändern wird, aber dazu später vielleicht mehr 😀

Der Reread hat sich also gelohnt und ich genieße ihn sehr – auf also in die nächste Etappe!

Etappe 3: S. 121 bis 243
Ach, Leute, mein Herz schmilzt echt dahin. Nicholas und Phil – ich könnte nur noch lesen und lesen und lesen. Und nein, es ist nicht diese typische Lovestory, die man gefühlt ständig liest: Die Geschichte von Nicholas und Phil ist besonders und komplex, regt immer wieder zum Nachdenken an und ist nie richtig perfekt, sondern gefühlt etwas versetzt… besser kann ich es gar nicht beschreiben. Wichtig aber für diejenigen, die das Buch noch nicht gelesen haben: Trotz meiner Schwärmerei heißt das nicht, dass es eine 0815-Story ist – ganz im Gegenteil! Ansonsten möchte ich jetzt zu der Geschichte nicht mehr wirklich viel sagen, denn sonst würde ich viel zu viel verraten.

Was ich auch sehr besonders finde, ist, dass die Geschichte ein gewisser Zauber inne wohnt. Nein, wir befinden uns nicht plötzlich in Hogwarts, so eine Art Fantasy meine ich mit dem Zauber nicht. Es geht bloß darum, dass es Aspekte in dieser Geschichte gibt, die vielleicht nicht immer sofort geklärt werden können und bei denen nahe liegen würde, etwas Magisches zu vermuten. Diesen Touch finde ich wirklich spannend, denn normalerweise gefällt mir das jetzt nicht unbedingt, besonders nicht, wenn es nirgendwo hinführt oder nicht so ganz klar ist, was jetzt los ist, aber hier trägt das einfach zu der Atmosphäre bei. Hier sei auch gesagt, dass dies dazu führt, dass ich Dianne nicht ganz abschreibe – denn sie hat unmittelbar etwas mit diesem Aspekt der Geschichte zu tun. Eigentlich finde ich Dianne nicht ganz sympathisch, aber sie hat etwas an sich, was mich neugierig macht. Ich weiß natürlich, wo sich alles hin entwickelt, aber ich weiß noch genau, wie ich mich damals an dieser Stelle gefühlt habe: Dianne war mir ein Rätsel und ich wusste einfach so gar nicht, was ich von ihr halten sollte. Das führte natürlich ebenfalls dazu, dass ich nicht aufhören konnte zu lesen… und das tut es immer noch, denn ich gehe jetzt wieder zurück und lese weiter 😀

Etappe 4: S. 244 bis 368
Ich verschlinge die Geschichte so, wie ich schon lange keine mehr verschlungen habe. Gleichzeitig markiere ich mir aber auch so viele Stellen und bin total ergriffen von den wirklich philosophischen Gedanken, die sich der Autor macht. Philosophisch, aber auch gesellschaftskritisch und appellierend. Aber jetzt nicht im Sinne von tadelnd, sondern aufzeigend. Der Autor lässt die Figuren Situationen erleben, die beim Leser zum Nachdenken führen und für Unmut bei ihm sorgen – so macht dieser eigenständige Erfahrungen, die weit über die Handlung der Figuren hinausgeht. Ich finde das total faszinierend, einfach weil man das erstmal schaffen muss! Ja, manche Dinge sind wirklich etwas skurril und vielleicht für den ein oder anderen over the top, aber sie sind genauso richtig. Es gab in diesem Leseabschnitt ein Kapitel, was man wirklich kritisch sehen kann, weil es so voller Klischees strotzt – aber gleichzeitig ist es so unterhaltend und im Endeffekt kommt es genauso, wie es vorhergesagt wird. Ich erwische mich immer noch dabei, wie ich über genau diese Stelle nachdenke und auch versuche einzuschätzen, wie der Stand in der heutigen Gesellschaft ist: Denkt man immer noch so oder hat sich das geändert? Denke ich so oder muss ich dem widersprechen? Ich habe noch keine Antworten, reflektiere mich aber selbst und wenn ein Jugendbuch das bei mir auslöst, dann ist es was Besonderes.

Ich habe ja am Anfang gesagt, dass ich gespannt bin, was das Buch diesmal mit mir macht. Und ich hatte recht: Es macht etwas völlig anderes mit mir als noch vor sechs Jahren. Damals hat es mich ermutigt, so zu sein wie ich bin. Das zu tun, um das zu erreichen, was ich erreichen möchte. Das habe ich ja aber schon Mal gelernt. Dementsprechend war es für mich interessant zu sehen, ob ich wieder etwas aus der Geschichte ziehen kann. Und die Antwort: ja. Besonders dieser Leseabschnitt hat aufgezeigt, dass man im Leben aktiv werden muss, um Dinge voranzutreiben. Dass man nicht darauf warten sollte, dass irgendwann mal das passiert, was man gerne haben möchte – sondern dass man anfangen sollte, es selbst in die Hand zu nehmen. Und so einfach sich das anhört, so schwer ist es eigentlich. Es ist nunmal anstrengend, aktiv zu werden und selbst Verantwortung zu übernehmen – allerdings kommt man eben nur so weiter! “Wenn du willst, dass es richtig gemacht wird – mach’s selbst!” – Ein Satz, den man immer wieder hört, der jetzt allerdings erst so richtig einsinkt. Vielleicht liegt diese Erkenntnis auch an meinem Zustand. Es ändert sich ziemlich viel bei mir im Moment und irgendwie brauchte ich diesen Schub bzw. diese Portion Mut – wisst ihr was ich meine? Ich kann euch nur empfehlen, diese Geschichte zu lesen, denn sie wird euch helfen… egal in welcher Situation!

Und nun geht es zum schwersten Leseabschnitt: Den knapp letzten 100 Seiten. Holt die Taschentücher raus!

Etappe 5: S. 369 bis Schluss
Als ich das Buch zu Ende gelesen hatte, brauchte ich erstmal wieder etwas Zeit für mich, denn ja: Es hat mich wieder komplett zerstört. Die Story geht einfach so unter die Haut und fängt eigentlich am Ende erst so richtig an – und dennoch bin ich zufrieden, aber eben auch zerstört. Ich weiß, komische Mischung, aber ich kann es gar nicht anders in Worte fassen. Ich hoffe wirklich, dass ihr zu dem Buch greift, denn das hat es allemal verdient. Es haben mir schon so viele Menschen geschrieben, dass sie sich das Buch besorgt haben und sich total auf die Geschichte freuen, nachdem ich so viel darüber berichtet habe. Dafür möchte ich mich ganz herzlich bedanken und hoffe, dass euch die Geschichte au so sehr berührt wie mich (:Ich bedanke mich für eure Aufmerksamkeit, wir sehen uns beim nächsten #LIVE-Beitrag (: Bis bald!