Der Schein von Ella Blix #live

Der Schein von Ella Blix #live

Januar 19, 2018 0 Von BenniCullen
Herzlich Willkommen zu diesem Beitrag <3
& happy Release-Day, Ella Blix!

Das Autorinnenduo veröffentlicht sein erstes Werk “Der Schein” heute im Arena Verlag und ich bin schon SO gespannt. An Weihnachten hatte mich der Verlag überrascht und mir und vielen anderen Bloggern das Buh bereits zugeschickt. Von da aus wanderte es direkt auf meine WTR-Liste für den Januar. Ich hatte mich kurzzeitig überlegt die Geschichte bereits vorab zu lesen und euch dann heute die Rezension zu präsentieren, allerdings habe ich mir dann gedacht, dass es doch schöner wäre, wenn ich euch ab heute live mitnehme und euch meine Meinung während des Lesens verrate – gute Idee, oder? Ich freue mich wirklich, denn Arena-Bücher stehen bei mir für Qualität und diesem gewissen Etwas. Solltet ihr mein Video auf Facebook gesehen haben, wo ich meine Jahreshighlights 2017 präsentierte, dann wird euch auch aufgefallen sein, dass sehr viele Bücher aus dem Arena Verlag stammen. Das spricht doch für die Bücher, oder? Deshalb freue ich mich jetzt euch einen Beitrag rund um eine der vielen Neuerscheinungen 2018 präsentieren zu können (:

Buchcover: © Arena Verlag

Doch von vorne: Ella Blix ist ein Duo, bestehend aus Antje Wagner und Tania Witte. Erstere hat bereits Mysteryromane für Jugendliche veröffentlicht (u. a. “Vakuum”, welches 2012 erschien und sich UNGLAUBLICH gut anhört), letztere ist erfolgreiche Journalistin und hat bereits über den Querverlag Berlin Bücher veröffentlicht. Nun kommen sie also als Ella Blix zusammen und präsentieren uns mit “Der Schein” ihr Debüt. Um was es geht, erfahrt ihr jetzt (:

Alina ist neu auf dem Internat Hoge Zand auf der kleinen Ostseeinsel Griffiun. Eines Nachts sieht Alina aus einem der Turmzimmer ein dunkles Schiff am Horizont, das seltsame Blitze über das angrenzende Naturschutzgebiet schießt. Auf der Suche nach Antworten trifft sie in den Dünen auf Tinka, der sie sich sofort auf unheimliche Weise verbunden fühlt. Das Mädchen mit der seltsamen Ausrüstung weiß viel mehr, als sie wissen dürfte und verschwindet immer wieder spurlos. Als Alina mit Hilfe der Lonelies, ihrer neuen Freundes-Clique, versucht, den Rätseln der kleinen Insel auf die Spur zu kommen, macht sie eine Entdeckung, die alles in Frage stellt, was sie jemals für wahr gehalten hat …

Klingt das nicht absolut spannend? Und ich meine: HALLOOOOOO?! Internat? Geheimnisse? Rätsel? Das alles klingt doch nach einer perfekten Geschichte, schließlich war ich Fan von vielen Serien, Filmen und Büchern, die auf einem Internatsgelände gespielt haben. Deshalb verspreche ich mir auch viel von der Geschichte und bin sehr gespannt, in welche Richtung das ganze gehen wird. Wird’s fantastisch oder bleibt’s realistisch-mysteriös und geheimnisvoll? Ich werde es herausfinden und lasse es euch wissen (oder auch nicht, wenn ich das Gefühl haben sollte, ich würde euch sonst zu viel verraten :D). Los geht’s also mit dem Beitrag, ich habe total Lust und freue mich auf tolle Lesestunden!

Buchcover: © Arena Verlag
Dieser Beitrag ist SPOILERFREI!
Ich werde die Handlung der ersten Seiten nur kurz wiedergeben, ihr braucht also keine Angst haben, dass ich euch zu viel verrate (:

Etappe 1: S. 6 bis 60
Was für ein toller und sehr genretypischer Start! Wir lernen Alina kennen, die gerade das Schiff besteigt, welches sie auf eine kleine Insel in der Ostsee bringen soll, wo ihr neues Zuhause für die nächsten 6 Monate wartet. Ihr Vater muss beruflich nach Amerika und hat die 16-Jährige deshalb bei einem Internat angemeldet. Alina hat darauf eigentlich so gar keine Lust und würde lieber in ihrer Heimat Berlin bleiben. Die Geschichte beginnt damit, dass  Alinas riesiger Koffer auf der Zugbrücke zum Schiff hängen geblieben ist und sie nun einen Stau auslöst. Dabei lernen wir Alinas spritzige und sehr freche Art kennen, gleichzeitig wirkt sie unheimlich cool und gelassen. Wir erfahren, dass sie ausnahmslos schwarz trägt und kein Fan von pinken Dingen ist – i fell you, Alina, i really do! Im Anschluss begleiten wir sie also zum Internat und die Seiten bestechen vornehmlich nicht wegen dem was passiert (bis jetzt ist es noch sehr ruhig), sondern aufgrund des Humors. Die Autorinnen haben einen unglaublich witzigen Schreibstil und manche Kommentare zu gewissen Personen oder Ereignissen sind einfach der Brüller! Ich habe mich lange nicht mehr so gut unterhalten gefühlt.

Ich bin wirklich sehr gespannt, wie sich die Geschichte weiterentwickelt und besonders darauf, was Alina erleben wird. Ich mag sie als Protagonistin total, einfach weil sie taff ist und schon sehr selbstbewusst in ihrem Verhalten, gleichzeitig wirkt sie aber auch nicht überheblich oder arrogant. Das gefällt mir immer sehr gut, denn einerseits stellt sie eine kleine Rebellin dar, andererseits kann man sich mit ihr total identifizieren und merkt, dass sie eigentlich nur ihr Ding machen möchte.
Gleichzeitig hoffe ich jetzt einfach, dass die Geschichte nun an Fahrt aufnimmt, denn so toll Setting, Charaktere, Schreibstil und Humor sind: Ein Buch steht und fällt mit der Geschichte, nicht wahr? Gucken wir mal, ob es jetzt richtig los geht und was noch alles auf mich zukommt – momentan freue ich mich einfach sehr, die Geschichte entdecken zu können.

Etappe 2: S. 61 bis 151
Ich komme derzeit nicht so zum Lesen, wie ich das gerne würde, nichtsdestotrotz habe ich es immerhin bis Seite 151 geschafft. Die Geschichte entwickelt sich sehr schön weiter, wir lernen das Gelände kennen und erfahren, was es alles für mysteriöse Umstände auf dem Internat gibt. Viele Dinge sind merkwürdig oder lassen Fragen aufkommen, die den Leser natürlich zum Weiterlesen animieren sollen. Zumindest löst es bei mir den Effekt aus (wenn ich denn dazu komme :D). Außerdem wird Alinas Clique, die Lonelies, vorgestellt: Wir lernen die strebsame Mareike-Helene und ihren Freund Nian kennen, lachen gemeinsam mit Gigi und erhalten Einblicke in das chaotische Leben der intelligenten Lexi. Alle Figuren sind sehr komplex, bringen ihre eigene Geschichte mit und haben eine ganz individuelle Persönlichkeit. Hier hat man sich wirklich Mühe gegeben, den Charakteren Raum zu lassen, um Eigenständigkeit zu entwickeln. Was ich aber wirklich richtig gut finde, ist die Tatsache, dass die Autorinnen mit Klischees brechen. Streber haben immer karierte Hemden an, der Typ mit Glitzerfummel ist schwul und ein Mädchen mit “von” im Namen ist eine Zicke? Weit gefehlt, denn genau mit diesen Mustern wird gespielt. Niemand ist so, wie man im ersten Moment denkt und genau diese Tatsache finde ich im Jugenbuchbereich wirklich toll!

Schön finde ich auch, dass die Geschichte sehr tief geht – zumindest scheint es so. Denn einerseits spielt die Vergangenheit unserer Protagonistin Alina eine Rolle, andererseits wird es auch etwas mysteriös, denn das angrenzende Naturschutzgebiet, welches die Schülerinnen und Schüler nicht betreten dürfen, hält allerlei Geheimnisse inne. Es verspricht auf jeden Fall abenteuerlich zu werden, worauf ich total Lust habe. Gleichzeitig weiß ich aber immer noch nicht, in welche Richtung es geht. Bleibt’s nur abenteuerlich, wird’s doch fantasyreich oder geht’s in eine völlig andere Richtung? Es bleibt spannend  und genau deshalb lese ich jetzt auch weiter – bis bald 😀

Etappe 3: S. 153 bis 318
Und alle so: “Benni, das war aber ein langer Leseabschnitt”. Ich weiß, aber es hatte sich so ergeben und ich nutze jede freie Minute, um in der Geschichte voran zu kommen. Leider macht es mir der Aufbau ein bisschen schwerer: Die Haupthandlung ist deutlich zu erkennen, mir aber persönlich etwas zu ausführlich beschrieben. Für meinen Geschmack könnte die Geschichte noch viel rasanter sein. Nicht, dass nichts passieren würde – im Gegenteil. Wir drängen noch weiter ins Naturschutzgebiet vor, sind auf den Spuren einer verschwundenen Person und auch der übliche Schulstress lässt nicht ab. Das alles ist einerseits total spannend, andererseits wird es immer wieder unterbrochen von Erzählungen zu Alinas Vergangenheit. Diese sind auch nicht uninteressant, aber der Wechsel stört mich an vielen Stellen, denn eigentlich will ich gerade wissen was in der Haupthandlung passiert. Manchmal verlieren sich die Erzählungen und auf eine Erklärung folgt die nächste, sodass ich irgendwann komplett raus bin und dann wieder neu ansetzen muss, wenn man zum Hauptplot zurückkehrt. Solche Wechsel können natürlich Spannung erzeugen, andererseits können sie auch den Lesefluss unterbrechen – momentan überwiegt noch eher letzteres. Ich bin immer total gespannt wie es weitergeht, so ist es nicht, aber manchmal verlässt mich die Lesemotivation doch etwas.

Schön finde ich allerdings wie mit Knackpunkten in der Geschichte umgegangen wird. Ich hatte es ja bereits erwähnt, dass Schubladen und Schubladendenken thematisiert werden. Dies zieht sich durch das gesamte Buch und ist wirklich schön dargestellt, ebenso wie das Thema Mobbing und Ausgrenzung. Hier habe ich nicht das Gefühl, dass der pädagogische Zeigefinger erhoben wird, sondern ein Weg gefunden wurde, damit so umzugehen, dass es glaubwürdig und sehr deutlich ist. Mir persönlich gefällt das total gut und ich könnte mir vorstellen, dass das auch bei jugendlichen Lesern ankommt. Bis jetzt also ein Leseerlebnis, dass sehr gemischt ist: Einerseits feier ich die Figuren, die Atmosphäre und den Umgang mit gewissen Themen, andererseits stört mich der Aufbau ein kleines bisschen. Mal sehen, ob das das letzte Drittel rausreist.

Vielleicht auch noch interessant für den ein oder anderen: Die Kapitel sind in kurze Abschnitte unterteilt, sodass die Seiten doch sehr schnell verfliegen (außer ich ärgere mich gerade über die ständigen Wechsel). Dabei ist ein Abschnitt manchmal nur eine halbe Seite lang, manchmal erstreckt er sich aber auch über zwei oder drei Seiten. Ich mag das ganz gerne, da es Dynamik reinbringt und die tut beim Aufbau ganz gut. Ebenso interessant ist es, dass die Protagonistin Tagebuch schreibt und wir das, was sie schreibt, auch zu lesen bekommen. Diese Ausführungen finde ich oft mit am interessantesten und gewähren einen sehr schönen Einblick in die Persönlichkeit von Alina.

Man merkt: Die Geschichte ist sehr facettenreich, wir hätten einmal Alinas Charakter, der sehr genau dargestellt wird, dann noch ihre Vergangenheit als auch den aktuellen Plot, der ebenfalls sehr viele Seiten an sich hat. Noch wirkt alles unzusammenhängend, allerdings habe ich schon eine Idee, wie alles zusammenspielen könnte – dazu aber dann am Ende mehr (wobei ich ja eh nichts verraten werde). Jetzt hoffe ich einfach nur, dass mich die letzten Seiten voll mitziehen und mein finaler Eindruck dann total euphorisch sein wird.

Etappe 4: S. 319 bis 469
So, gestern Abend habe ich “Der Schein” beendet und hatte nochmal eine ganze Reihe an unterschiedlichen Eindrücken und Emotionen. Prinzipiell muss ich sagen, dass ich das Buch ganz in Ordnung fand, allerdings kam ich mit der Gewichtung der Geschichte nicht zurecht. Am Anfang wird viel Zeit damit zugebracht, das Setting und die Charaktere vorzustellen, was ich sehr toll fand, da man so alle sehr gut kennenlernt und ein gutes Bild von Griffiun erhält. Dabei gefiel mir auch der sehr bildliche Schreibstil und der Humor der beiden Autorinnen. Im Mittelteil zieht es sich dann für mich ein wenig. Irgendwie passiert so viel und gleichzeitig aber auch alles durcheinander, sodass der Hauptplot etwas leidet und nicht deutlich hervorkommt. Bei einigen Stellen musste ich mich zwingen durchzuhalten und nicht abzuschweifen oder das Buch dann doch wegzulegen. Ich hielt durch, weil ich dann doch das Geheimnis des Schiffes erfahren wollte. Als das passierte, befand ich mich auf den letzten 100 Seiten und war… beeindruckt!

Denn die Grundidee hinter diesem Buch ist einfach so wahnsinnig genial, so interessant und so cool umgesetzt (normalerweise nutze ich das Wort “cool” nicht, um Dinge hier auf dem Blog zu beschreiben, aber genau das dachte ich mir bei der Auflösung), dass ich plötzlich ein Kribbeln im Bauch hatte. Denn genau das war das Besondere an diesem Buch – die Idee! Leider kam die aber im restlichen Buch VIEL zu kurz. Ich hätte mir gern mehr Seiten gewünscht, die sich noch intensiver mit dem Schiff und den dazugehörigen Aspekten beschäftigt hätten, denn das war spannend, aufschlussreich und interessant. Alles andere drum rum war ganz nett, aber einfach nicht mitreißend genug – also zumindest war das mein Empfinden. Vielleicht ist es für jugendliche Mädels zwischen 12 und 16 Jahren ganz süß den Alltag auf einem Internat mitzubekommen, für mich war das eher weniger was. Oder vielleicht anders: Es wäre durchaus was gewesen, wenn der Hauptplot noch intensiver verfolgt worden wäre. Ich hätte mir die Auflösung früher gewünscht und dann eine intensivere Verarbeitung des Grundthemas gewollt. Klingt jetzt sehr nichtssagend, wenn man die Geschichte nicht kennt, jeder der sie bereits gelesen hat, wird mich aber vielleicht verstehen.

Damit war es ein sehr gemischtes Leseerlebnis, das ich jetzt erstmal sacken lassen muss, um dann ein abschließendes Urteil geben zu können – das folgt dann in einer Rezension, die auch noch online gehen wird. Bis dahin verabschiede ich mich und wünsche euch noch einen wunderschönen Tag! Bis ganz bald, der nächste #LIVE-Leseeindruck steht schon in den Startlöchern 😉 Danke für’s Mitlesen, wir sehen uns ganz bald wieder.

Euer Benni.