Noch war es Nacht von Antonella Lattanzi

Noch war es Nacht von Antonella Lattanzi

November 14, 2018 2 Von BenniCullen

Titel: Noch war es Nacht
Autorin: Antonella Lattanzi
Verlag: Kindler
Seiten: 288
Ausgabe: Hardcover
Auflage: 1
ISBN-10: 9783463406992
ISBN-13: 978-3463406992
Mehr Informationen gibt’s auf Amazon oder auf der Verlagsseite!

Ein düsteres, aufgeheiztes Rom. Eine Leidenschaft, die außer Kontrolle gerät
Es ist der dritte Geburtstag von Mara, der Tochter von Carla und Vito. Vito war der einzige Mann in Carlas Leben. Sie haben sich sehr geliebt, aber Vitos Liebe war obsessiv, gewalttätig. Ein Lächeln, ein zu kurzes Kleid haben gereicht, damit Vito sie schlug. Erst als die älteren beiden Kinder, Nicola und Rosa, groß genug waren, um das Haus zu verlassen, hat Carla es geschafft, sich zu trennen und mit der jüngsten Tochter Mara auszuziehen. Aber Vito hört nicht auf, sie zu verfolgen, ihr zu drohen.
An diesem dritten Geburtstag von Mara entscheidet Carla dennoch, dem Drängen ihrer Tochter nachzugeben und Vito zu der Feier einzuladen. Es kommen auch Nicola und Rosa. Nach langer Zeit ist die Familie wieder vereint. Das Fest verläuft unerwartet glatt. Aber nach jenem Abend ist Vito spurlos verschwunden…

Das Buch wurde mir vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt – ein herzliches Dankeschön dafür (:

Manchmal packt es mich und ich habe Lust auf einen Roman von italienischen Autoren. Ich finde, dass sie einen ganz besonderen Stil haben und eine völlig eigene Art und Weise Geschichten zu erzählen. Irgendwie chaotischer als deutsche Autoren, aber auch sehr viel näher an den Figuren dran – ich kann das sehr schwer in Worte fassen und möchte auch eigentlich gar nicht zu viel sagen, denn dann wirkt es so, als hätten alle Autoren eines Landes die gleiche Schreibe. Das stimmt natürlich nicht, aber doch meine ich, dass man bei manchen Ländern die Kulturen rauslesen kann. Und naja, letztes Jahr habe ich schon eine italienische Autorin gelesen, dieses Jahr sollte es also Antonella Lattanzi mit ihrem Buch “Noch war es Nacht” werden – und was auf mich zukam, damit hatte ich gar nicht gerechnet.

Wir begleiten im Prinzip Carla, die für ihre kleine Tochter Mara eine Geburtstagsparty schmeißt. Sie lädt Maras ältere Geschwister, Nicola und Rosa, die beide schon erwachsen sind, ein sowie ihren Exmann Vito, der in der Beziehung sehr einengend und engstirnig war. Der Abend läuft sehr entspannt ab und obwohl es einige Spannungen gibt, können ihn alle beteiligten genießen. Doch am nächsten Morgen fehlt von Vito jede Spur und die Polizei ermittelt in jede Richtung – auch in die, in der Carla die Hauptverdächtige ist. Die Leser begeben sich auf die Reise in die Vergangenheit der Familie als auch auf die Spuren der Gegenwart, denn am Ende muss eine Frage beantwortet werden: Wer ist für Vitos Verschwinden verantwortlich? Und wird er jemals zurückkehren?

Ich fand die Atmosphäre von Anfang an sehr düster und dunkel, was mir für die Grundgeschichte passend erscheint. Allerdings war das dann nach knapp 80 Seiten dann auch wieder etwas zu wenig. Denn da ist man mit der Geschichte des Klappentextes durch und fragt sich ständig: Wo geht es jetzt hin? Und leider habe ich erstmal keine Antwort darauf bekommen. Denn anstatt die Grundgeschichte voranzutreiben, springt man erstmal zu allen möglichen Sichtweisen und Nebenfiguren, die irgendwie, irgendwas mit den Hauptfiguren zu tun haben. Da lernt man dann mal eine Nachbarin kennen, die Schwester, die Geliebte oder oder oder – die Liste ist lang und es nervte mich irgendwann nur noch, dass ich mit dem Hauptplot nicht voran kam. Ja, vielleicht ein Stilmittel, über die Stimmung hier zu gehen und sich darauf zu verlassen, für mich aber leider ein ungenutztes Potenzial, denn die Geschichte hätte definitiv Punkte gehabt, die man spannungsvoll hätte aufbauen können. So flaute die Spannung relativ schnell ab und auch das Ende konnte das nur bedingt wieder wett machen. Schlussendlich kam der Schluss unerwartet, aber man hätte besser darauf hinschreiben können.

Dabei waren mir die Figuren an sich irgendwann suspekt. Besonders Nicola mochte ich irgendwie gar nicht und je mehr ich las, desto unsympathischer wurde dieser mir auch. Vielleicht lag das aber auch daran, dass man viel von seinem Leben mitbekam, das zunächst gar nicht zum Hauptplot passte. Ich persönlich wollte eher von Carla was wissen und die Ermittlungen mitbekommen – davon fand leider wenig statt. Die anderen Figuren konnten mich dabei auch weniger überzeugen. Mit Carla litt ich etwas mit, Rosa fand ich einfach naiv und alle anderen Figuren waren für mich nicht wichtig. Schade, auch hier hätte man mehr rausholen können, indem man sie besser in den Fall einbezogen hätte.

Nun sagt ihr: Plot nicht gut strukturiert, Charaktere nicht überzeugend, nervige Nichtigkeiten thematisiert – warum habe ich es überhaupt weitergelesen? Tja, irgendwie hatte die Geschichte doch irgendwie was an sich, das mich anhalten lassen. Wahrscheinlich war es diese mysteriöse Stimmung, die ständig über der Geschichte hing und die genau zu dem Stil passte, den ich von italienischen Autoren gewohnt bin. Denn ja, die Geschichte war nicht perfekt durchdacht und vielleicht nicht immer zu 100 % spannend, aber sie hatte dennoch etwas ganz eigenes, das mich inne halten ließ und mich zum Nachdenken brachte. Ob das jetzt alles ausbügelt oder nur Teile – irgendwie war ich gefesselt und konnte nicht aufhören.

Ich habe wirklich lange nachgedacht, wie mein Fazit ausfällt, denn formal wäre das hier eine 2 Sterne-Rezension. Ich meine: Plot nicht überzeugend, Charaktere nicht sympathisch und nervige Elemente – ich habe es oben schon aufgezählt und könnte weitermachen. Allerdings beschäftigte mich der Fall einfach noch Tage nach Beenden des Buches und ich war mir nicht ganz sicher, ob ich es wirklich richtig interpretiert habe – denn ja, man muss interpretieren und bekommt nicht einfach irgendwas vorgesetzt. Das löste was in mir aus, das ich ganz schwer beschreiben kann. Deshalb sind mir 2 Sterne zu wenig, auch wenn formal einiges nicht gestimmt hat. Dennoch hat mich das Buch ja zum Nachdenken gebracht – und das zählt doch auch, oder? Deshalb vergebe ich insgesamt 3 Sterne und kann nur sagen: Wer nachdenken will und mal Lust auf was völlig anderes hat – here you are. Wenn ihr dagegen einen spannenden Fall haben wollt mit ganz vielen Spannungselementen, der ist vielleicht mit anderen Krimis oder Thrillern oder Romanen besser bedient, die den Mainstream mehr aufgreifen.