Offline ist es nass, wenn’s regnet von Jessi Kirby

Offline ist es nass, wenn’s regnet von Jessi Kirby

Februar 18, 2019 2 Von BenniCullen

Titel: Offline ist es nass, wenn’s regnet
Autorin: Jessi Kirby
Verlag: Loewe
Seiten: 336
Ausgabe: Broschiert
Auflage: 1
Erscheinungstermin: 14. Januar 2019
ISBN-10: 3743203774
ISBN-13: 978-3743203778
Mehr Informationen gibt’s auf der Verlagsseite oder auf Amazon!

Stell dir vor, du öffnest an deinem 18. Geburtstag die Haustür und dort liegt ein Geschenk: ein riesiger Wanderrucksack, ein Paar Wanderschuhe und ein Trailtagebuch für den Yosemite Nationalpark. Würdest du loslaufen?
Mari entscheidet sich genau dafür, obwohl sie noch nie mehr als zehn Schritte zu Fuß getan hat. Von heute auf morgen tauscht sie Smartphone und Social Media gegen schneebedeckte Berge, reißende Flüsse und Blasen an den Füßen, aber auch gegen Sonnenaufgänge wie aus dem Bilderbuch, warmherzige Begegnungen und mutige Entscheidungen – denn der Yosemite verändert jeden.

Das Buch wurde mir vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt – ein herzliches Dankeschön dafür (:

Digital Detox – ein Modebegriff, den man immer mal wieder hört, besonders wenn man auf Social Media-Plattformen unterwegs ist. Und ganz ehrlich? Ich habe mich damit nie beschäftigt, weil man selbst ja immer denkt, man hätte alles im Griff. Als ich dann den Klappentext zu diesem Buch las und was es thematisiert, wusste ich: Irgendwie interessiert es mich. Und genau deshalb wollte ich es unbedingt lesen.

Mari hat online alles erreicht: Sie hat tausende von Abonnenten, darf mit großen Firmen kooperieren und führt auch sonst das perfekte Leben – oder? Nein, denn die 18-Jährige fühlt sich gefangen in einer Welt, die sie selbst erschaffen hat. Deshalb entscheidet sie auch schnell: Ich kann das nicht mehr. Sie löscht, nach einem Enthüllungsvideo, all ihre Accounts und begibt sich auf eine Wanderung – eine, die sie ihrer verstorbenen Cousine widmet, die aber eigentlich komplett für sie gedacht ist. Mari wird sich ändern und ihren Weg finden – doch welcher ist das eigentlich?

Diese Geschichte ist wie keine, die man aus Jugendbüchern kennt. Es geht nicht um die große Liebe, es geht nicht um Beliebtheit oder irgendein fantastisches Problem. Nein, es geht um ein Thema, das wirklich fast jeden betreffen dürfte: Die Nutzung von Social Media. Und genau das macht es zu einer ganz starken Geschichte, denn die Autorin malt nicht einfach alles schwarz, sondern lässt Mari ihre ganz eigenen Gedanken haben. Natürlich wäre es schön gewesen, wenn dann am Ende eine Reflexion stattfindet und man nicht alles komplett verteufelt, aber erstmal soll es ja darum gehen, den Leser zum Denken anzuregen und das ist ihr definitiv gelungen!

Neben dieser Thematisierung gibt es aber besonders eins: eine spannende Geschichte. Ja, vielleicht ist es nicht total realistisch, dass eine komplett untrainierte Jugendliche alleine eine Wanderung unternimmt, für die andere ein Jahr oder mehr trainieren müssen. Aber, und das ist der Punkt, genau darum geht es! Es geht darum über sich selbst hinauszuwachsen und ein Abenteuer zu erleben, dass einen selbst weiterbringt. Und dieses Paket hat die Autorin geschaffen: Wichtiges Thema, spannende Geschichte, glaubhafte Entwicklungen und Figuren, die über sich hinauswachsen.

Und neben all dem, empfand ich besonders eine Sache als toll: Die Gedanken, die ich mir nach Beenden des Buches gemacht habe. Denn dann fing es an und ich habe meine eigene Nutzung reflektiert, darüber nachgedacht und festgestellt, dass ich vieles für sehr wichtig erachte, was es eigentlich gar nicht ist. Und wenn auch nur ein Teil dieser Gedanken bei Jugendlichen entsteht, dann hat die Autorin alles richtig gemacht. Übrigens wird eine Sache oft vergessen: In der Geschichte geht es nicht irgendwie um Social Media, sondern auch um die Bewältigung von Trauer – was mich wirklich zu Tränen gerührt hat.

Natürlich ist nicht alles perfekt: Der Schreibstil verliert sich manchmal und die Geschichte ist an manchen Stellen sehr redundant. Der Kritikpunkt, dass es die Liebesgeschichte nicht braucht, habe ich wahrgenommen, allerdings störte mich das gar nicht, denn ich empfand es als sehr subtil und eher nebensächlich, allerdings dennoch gewinnbringend für den Verlauf.

Man merkt: Ich bin begeistert von der Geschichte und deren Wirkung. Denn wir erleben nicht nur eine aufregende Geschichte, sondern dürfen auch Maris Entwicklung miterleben, die einfach nur Wahnsinn ist. Gleichzeitig reflektieren wir aber auch beim Lesen und denken so über eine Sache nach, die fast schon alltäglich wirkt, die aber auch sehr gefährlich werden kann. Außerdem haben wir eine tolle Aufmachung und wirklich süße Zeichnungen, die von ganz viel Liebe zeugen. Für all das gibt es von mir 4 Sterne und eine klare Leseempfehlung!