Que Walou von Namika

Que Walou von Namika

Juni 25, 2018 0 Von BenniCullen

Es ist schon wieder so lange her, dass ich eine CD rezensiert habe – um genau zu sein, war das letztes Jahr im Oktober. Das heißt, es gab über ein halbes Jahr keine Musikrezension mehr – unfassbar! Denn eigentlich hat dieser Blog ja mit Musik angefangen. Und es ist auch nicht so, dass ich keine Musik höre. Im Gegenteil! Aber meine Gedanken zu einem Album niederzuschreiben – das ist eine Sache, die momentan etwas länger dauert, weshalb ich nicht so oft dazu komme. Denn ich gehöre mittlerweile tatsächlich zu den Hörern, die Alben öfter anhören müssen, um sich ein richtiges Urteil bilden zu können. Früher gab es ja oft die #LIVE-Albumrezensionen, in denen ich meine Gedanken sofort aufgeschrieben habe – da würde ich auch immer noch machen, leider lässt es mein Alltag nicht zu. Nichtsdestotrotz möchte ich gerne einen Weg finden, wie ich euch in meinen musikalischen Alltag mitnehmen kann und deshalb sitze ich hier und schreibe nun meine erste Musik-Rezensionen seit über sechs Monaten – let’s go!

Namika ist für mich seit ihrem Song “NA-MI-KA” zu einer meiner deutschen Lieblingskünstlerinnen avanciert. Die junge Dame verbindet Pop und Hip-Hop einfach auf eine ganz eigene Art und Weise und lieferte bereits mit ihrem Debütalbum “Nador” ein unglaublich starkes Stück deutsche Pop/Rap-Musik. Ihre Songs klingen mal spaßig, ernst und emotional und dann wieder hart, kantig und sehr Hip-Hop-lastig. Für mich ist diese Mischung wirklich großartig – so sehr, dass ich mir das Album bis heute noch gerne anhöre. Und natürlich darf man auch nicht DEN Hit schlechthin vergessen: Mit “Lieblingsmensch” ist Namika nämlich erst der Durchbruch gelungen, seitdem läuft sie im Radio rauf und runter und wird unzählige Male gecovert. Schön, dass es in der deutschen Musikindustrie noch solche Geschichten zu erzählen gibt. Da ist der Druck natürlich groß, wenn es um eine Nachfolgeplatte geht. Doch Namika ließ sich nicht entmutigen und arbeitete fleißig an ihrem 2. Solowerk. Und vor wenigen Wochen war es dann so weit: “Que Walou” erblickte das Licht der Welt und wurde mit unzähligen Veröffentlichungen angekündigt – und genau auf diese Songs werde ich zunächst eingehen, bevor wir uns ans restliche Album machen.

© Jive Germany

Als erste Vorboten veröffentlichte die 27-Jährige den Album-Titel “Que Walou” sowie das emotionalste Lied der Platte, “Ahmed (1960 – 2002)”. Dabei ist der Namensgeber des Albums einer der stärksten Titel und eröffnet gleich mal die LP. Übersetzt bedeutet der Satz “wie nichts”, denn so fühlte es sich für Namika an als sie die neue Platte schrieb. Im Song selbst geht es dabei aber vielmehr um ihren Weg und ihre Entwicklung. In den Strophen hören wir einen relativ hart-klingenden Rap, bevor es im Refrain poppiger wird und wir in eine andere Welt eintauchen – und das nicht nur aufgrund der anderen Sprache. Für mich ein Lieblingstrack und ein Grund, warum ich das Album unbedingt hören wollte. Und auch “Ahmed” steht dies in nichts nach. Im Song verarbeitet Namika die schwere Beziehung zu ihrem Vater und berührt damit nicht nur beim ersten Hören. Für mich ein absoluter Ausnahme-Track, der meinen tiefsten Respekt verdient, denn nicht jeder Künstler würde damit an die Öffentlichkeit gehen.

 

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://www.youtube.com/watch?v=xC9-30wl1cg

 

Im weiteren Verlauf der Promophase des Albums veröffentlichte die Sängerin “Je ne parle pas français”, der sich mittlerweile zu einem absoluten Radio-Hit entwickelt hat und auf Platz 2 der deutschen Charts vorgerückt ist. Schön, denn ich meine, dass es ein Track ist, der zwar total Mainstream ist, aber sich auch von ihrem ersten Hit “Lieblingsmensch” deutlich unterscheidet. Außerdem verarbeitet Namika den französischen Sound ganz wunderbar und erzählt eine wirklich charmante Geschichte, die sofort ins Ohr geht. Allein deshalb lohnt sich das Album schon. Darauf befindet sich übrigens die Soloversion, wer sich wundert, warum diese anders klingt als im Radio: Den Titel gibt es auch als Remix von Beetgees, allerdings nur zum Download. Egal, ich finde beide Versionen ganz, ganz toll! Als letzte Promosingle erschien dann “Ich will dich vermissen”, eine sehr ruhige Nummer, die mich jetzt nicht ganz so überzeugen konnte, weil sie irgendwie weder produktionstechnisch, noch inhaltlich irgendwo hin möchte. Aber gut, nicht alles kann und muss gefallen.

 

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://www.youtube.com/watch?v=103bx_Waacc

 

Dann kam das Album und ich hörte es mir sofort an. Und was soll ich sagen? Seitdem läuft es bei mir rauf und runter. Als besonders stark empfinde ich dabei, neben den oben genannten Tracks, “Alles was zählt”, “Ok”, “Dschungel im Kopf”, “Parkbank”, “Hände”, “DNA” und “Zirkus”. Diese Tracks sind allesamt total unterschiedlich, mal etwas mehr Rap, mal etwas mehr Pop oder Dance, aber wirklich alle (und das meine ich so) könnten Hits sein. “Parkbank”, “DNA” und “Alles was zählt” würden super im Radio funktionieren, “Zirkus” dürfte im Club gut ankommen, “Dschungel im Kopf” dürfte live auf der Bühne mega wirken, “Ok” wäre mal ein cooles deutsches Female-Duo und “Hände” könnte ein großartiges Video abgeben. Jeder dieser Songs geht ins Ohr und zeigt gleichzeitig, wie vielseitig Namika ist und schon immer war.

 

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://www.youtube.com/watch?v=RqBlVrsnhlc

 

Wie aus einem Guss erscheinen dabei die Lieder “Programm”, “Liebe Liebe”, “Comic” und “Roboterliebe”. Alle vier Tracks klingen sehr technisch, wenn das irgendwie Sinn macht, und gefallen mir irgendwie manchmal total und manchmal auch so gar nicht. Das sind keine Hits, keine Radiosongs und bestimmt auch keine Singles, aber irgendwie haben sie etwas sehr interessantes, was den Sound des Albums auch total ausmacht. Eigentlich gefielen mir die Nummern erstmal nur so mittelmäßig, aber ich musste mir dann selbst eingestehen, dass sie trotzdem hängen bleiben (besonders “Comic” kriege ich, wenn einmal gehört, nicht mehr aus dem Kopf). Nach mehreren Wochen schätze ich sie deshalb umso mehr und eins muss ich sagen: Sie nerven mich noch nicht. Also, oft ist es ja durchaus so, dass man die Tracks, die einem eigentlich nicht so gefallen, dann irgendwann gar nicht mehr hören kann. Das ist hier anders, weshalb sie vielleicht nicht volle Punktzahl erhalten würden, aber zumindest eine gute Bewertung bekommen.

Überrascht hat mich dann noch der Track “Kronleuchterlicht”. Namika experimentiert hier fast mit einem Trap-Beat und einer sehr harten Aussprache, die das Ohr reizt und oft fast am Punkt des Überspannens ist. Dennoch finde ich ihn total interessant, da er dem Album einen anderen Sound verleiht. Ob ich ihn deshalb mag? Manchmal ja, manchmal nein 😀 Ein solcher Unterschied schafft echt nicht jeder Künstler bei mir und deshalb feier ich Namika umso mehr. Danke dafür!

Insgesamt bin ich begeistert: Namika liefert mit “Que Walou” den perfekten Nachfolger zu “Nador” und zeigt, dass sie kein Pop-Mäuschen ist, sondern alles sein kann, was sie möchte. Ich liebe ihre Pop-Songs, ich liebe ihre Raps und ich liebe ihre Sounds. Das Album präsentiert unterschiedliche Seiten der Sängerin und überzeugt deshalb aufgrund seiner Vielseitigkeit. Pop-Hörer werden vielleicht ab und an aufgrund der harten Rap-Sounds irritiert sein, Rap-Hörern sind die poppigen Melodien vielleicht etwas zu seicht – aber für jemanden wie mich, der beide Genre mag, Rap allerdings nicht allzu oft konsumiert, für den ist es genau die richtige Mischung. Ich erhoffe mir, dass Namika “Parkbank” und “Dschungel im Kopf” als Singles releast, da diese mir besonders gefallen haben – aber ich mache mir da keine allzu großen Hoffnungen, lag ich doch mit den Single-Vermutungen beim letzten Album total daneben 😀 Dennoch gibt es von mir volle Punktzahl und die dringende Empfehlung: Hört mal rein!

© Jive Germany

P. S.: Könnte Namika bitte beim deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest 2019 antreten und dort einen Song á la “Dschungel im Kopf” oder “Parkbank” präsentieren? Ich fände das ja einen super coolen Stil, der international mit der richtigen Bühnenshow funktionieren könnte. Überleg’s dir doch mal, Namika, ok?