Spiel der Macht von Marie Rutkoski

Spiel der Macht von Marie Rutkoski

Januar 22, 2019 0 Von BenniCullen

Titel: Spiel der Macht
Reihentitel: Die Schatten von Valoria
Band 1 von 3
Autorin: Marie Rutkoski
Verlag: Carlsen
Seiten: 368
Ausgabe: Hardcover
Auflage: 1
Erscheinungstermin: 28. September 2018
ISBN-10: 9783551583888
ISBN-13: 978-3551583888
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Als Tochter des ranghöchsten Generals von Valoria hat die siebzehnjährige Kestrel nur zwei Möglichkeiten: der Armee beizutreten oder jung zu heiraten. Aber Kestrel hat fürs Kämpfen wenig übrig; für sie ist die Musik das kostbarste Gut. Einem plötzlichen Impuls folgend ersteigert sie den Sklaven Arin, der sie auf unerklärliche Weise fasziniert. Schon bald muss sie sich eingestehen, dass sie mehr für ihn empfindet, als sie sollte. Doch er hat ein Geheimnis – und der Preis, den sie schließlich für ihn zahlt, wird ihr Herz sein …

Das Buch wurde mir vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt – ein herzliches Dankeschön dafür (:

Dieses Buch hat ganz lange auf mich warten müssen: Denn obwohl es schon seit Release bei mir zuhause ist, war ich nie richtig in Stimmung dafür, doch jetzt im Januar hat es mich dann doch gepackt und ich wollte unbedingt wissen, wie die Geschichte denn nun ist. Und so begab ich mich auf die Reise in eine Welt, die mich überrascht und gleichzeitig auch an etwas erinnert hat – doch dazu später mehr.

Wir lernen zunächst Kestrel kennen, die Tochter des obersten Generals in Valoria kennen, der Stadt, in der die Geschichte ihren Lauf nimmt. Es gibt verschiedene Völker, die in dem Land leben und die im Krieg sind – denn die Valorianer wollen ihr Königreich erweitern und sind aufgrund ihrer millitärischen Ausbildung auch dazu in der Lage. Kestrel ist aber anders: Anstatt mit Muskeln zu überzeugen, ist sie eher Strategien, was ihrem Vater ein Dorn im Auge ist – der will sie nämlich als oberste Offizierin in die Armee bringen. Oder sie verheiraten, denn so erwartet es die Gesellschaft. Doch Kestrel will ihren eigenen Weg gehen und rebelliert – indem sie beispielsweise den Sklavin Arin erwirbt. Doch was sie damit auslöst, damit hätte selbst die Strategin nicht gerechnet.

Die Story steckt voller Ideen und ich muss auch sagen, dass ich anfangs etwas überfahren war von den ganzen neuen Informationen: Die Welt ist recht komplex, die millitärischen Ränge nicht klar und Kestrel als Protagonistin ziemlich vielseitig und deshalb im ersten Moment eher undurchsichtig. Doch mit jeder Seite wurde die Geschichte spannender, deutlicher und so kam es, dass ich nach 100 Seiten wirklich total angetan war und unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht. Besonders toll fand ich das World Building, das mich an einem Punkt tatsächlich etwas an eine kleine Version des Game of Thrones-Reiches erinnert hat, was es mir persönlich erleichtert hat, in die Geschichte zu finden. Die Strukturen der Welt sind so interessant und man lernt sie, je weiter die Geschichte voranschreitet, immer besser kennen, was definitiv seinen Charme hat, auch wenn es anfangs etwas verwirrend ist.

Ebenfalls irritierend sind die Figuren, denn besonders Kestrel ist am Anfang alles andere als sympathisch. Denn wir lernen sie kennen, als sie eine Verkäuferin bezichtigt, gefälschte Ware zu verkaufen und diese daraufhin bestraft wird – nicht gerade ein gelungener Start, um beim Leser Punkte zu sammeln. Doch während ich am Anfang irritiert war, schaffte es Kestrel mehr und mehr mich von sich zu überzeugen. Denn eigentlich ist sie stark, eigen und vor allem eins: Mutig. Und genau das hat mich beeindruckt, bis zu dem Punkt, dass ich es gefeiert habe, wenn sie auf ihre Art die Menschen in ihre Schranken verwiesen hat. Und genau dieser Aufbau, den die Autorin hier geschaffen hat, nämlich die Figur zunächst als etwas unsympathisch darzustellen, bevor man dann immer enger mit ihr zusammenwächst, das ist schon was sehr besonderes und ein großer Pluspunkt – denn seien wir mal ehrlich: man könnte es sich in diesem Genre auch leichter machen. Respekt also für den Mut und bitte so weitermachen.

Als letzten Punkt möchte ich gerne die Struktur bzw. den Aufbau ansprechen, denn auch mit diesem hatte ich etwas zu kämpfen: Anfangs war ich ja, wie bereits erwähnt, etwas verwirrt und überfordert, das legte sich dann und so genoss ich die Mitte des Romans total, weil ich richtig eintauchen konnte. Gegen Ende zog sich dann aber für mich alles ein bisschen, was auch daran lag, dass die Entwicklungen der Geschichte unglücklich gewählt waren. Denn mich persönlich interessieren Taktik-Ausführungen nicht wirklich. Hier hätte ich mir lieber ein turbulentes Finale gewünscht, dass mich aus dem Sessel hat. Nichtsdestotrotz fand ich, dass das Ende überraschend kam und der Story das gewisse Etwas verliehen hat, auch wenn es dann doch sehr schnell ging. Insgesamt hätte ich mir deshalb einen etwas ausgewogeneren Aufbau gewünscht, wenn gleich ich auch sagen muss, dass ich gleichzeitig fasziniert davon war, wie anders dieses Jugendbuch ist – sowohl, was die Struktur angeht, als auch die Figuren.

Ihr merkt vielleicht: ich bin sehr zwigespalten, wenn es um die Geschichte geht, gleichzeitig aber auch sehr fasziniert. Denn ja, es ist nicht perfekt, aber so aufgebaut, dass ich total gespannt bin und jetzt schon kaum den zweiten Band erwarten kann. Denn ja, Kestrel mag am Anfang nicht sympathisch sein, aber die Beziehung, die sie im Anschluss zum Leser aufbaut – die ist wirklich einmalig! Und auch bei der Struktur muss ich sagen: Vielleicht ist es nicht immer perfekt ausgewogen, aber dafür bleibt es hängen und löst so eine bestimmte Atmosphäre aus. Ich habe lange darüber nachgedacht, welche Sterne ich vergebe, habe mich aber am Ende für 3,5 Sterne entschieden – mit der Tendenz auf 4. Wer also Fantasy-Geschichten im Jugendbuchbereich mag und mal einen ganz anderen Stil erleben möchte – der sollte “Spiel der Macht” definitiv eine Chance geben.