ULfL – Der #Kandidatencheck: Ivy Quainoo

ULfL – Der #Kandidatencheck: Ivy Quainoo

Februar 1, 2018 2 Von BenniCullen
Herzlich Willkommen zum 1. Kandidatencheck!

Bereits am Montag habe ich euch verkündet, dass ich mich in den ersten Wochen intensiv mit den Kandidaten des deutschen Vorentscheids Unser Lied für Lissabon (ULfL – kicher) beschäftigen werden. Ich werde etwas zur Historie sagen, dann zu den bisher veröffentlichten Songs gehen und im Anschluss Schlüsse für ein mögliches Lied für Lissabon ziehen. Daraufhin möchte ich gerne eine Einschätzung abgeben, wie ich den jeweiligen Teilnehmer einordne und was ich mir für eine Inszenierung wünschen würde. Das alles ist natürlich total subjektiv, schließlich sind das hier alles meine Eindrücke und mein Geschmack. Natürlich werde ich auch Informationen heranziehen, die die Kandidaten in ein paar Interviews schon geäußert haben – also beispielsweise, was den Song angeht oder wie die Bühne aussehen könnte. Ein bisschen #gossip schadet ja nie, gel?

© NDR

Die Geschichte der ersten TVOG-Gewinnerin

Bildquelle

Den Anfang dieser Reihe bildet Ivy Quainoo, die erste The Voice of Germany-Gewinnerin ever, ever, ever. 2012 gewann sie und landete mit ihrer Gewinnersingle “Do You Like What You See” einen beachtlichen Erfolg, schließlich platzierte sich der Titel auf Platz 2 der deutschen Singlecharts. Danach veröffentlichte sie erfolgreich ihr Debüt “IVY”, welches Platz 5 der deutschen Albumcharts erreichte und sich dort ganze 23 Wochen hielt. Sie ging mehrmals auf Tour in Deutschland und setzte dann ein Jahr später ihr neues Album “Wildfire” nach – welches dann aber nur noch Platz 40 erreichte. Auch die gleichnamige Single war, trotz positiver Resonanz von Fans und Kritikern, nur noch ein mäßiger Erfolg. Im Anschluss wurde es ruhig um die Sängerin, sie ging nach New York und studierte Schauspiel. 2015 machte sie noch einmal kurz Schlagzeilen als heraus kam, dass sie den ESC-Song von Ann-Sophie, “Black Smoke”, eigentlich eingesungen hatte, ihn aber dann, unter Druck der Plattenfirma, abgeben musste. Seither hörte man erst recht nichts mehr, erst 2017 veröffentlichte sie wieder auf alle Download- und Streaming-Diensten neue Songs, angefangen mit einem Justin Timberlake-Cover “Mirror”, über die Songs “Supercharged”, “X-Ray” und “My Own Terms”, bis hin zur letzten Single “Running Red Lights” – ob das alles Indikatoren sind für ihr Lied für Lissabon?

Ivys Songs im Zeitraffer
Zu Beginn ihrer Karriere setzte Ivy auf Einflüsse aus dem Gospel- und Soul-Genre, kombinierte aber diese vornehmlich mit eingängigem Radio-Pop. Das war natürlich ihrem Gewinn bei The Voice of Germany geschuldet, dennoch lohnt es sich, das Album “IVY” mal anzuhören, denn es war ja nicht unerfolgreich. “Do You Like What You See” dürfte der bekannteste Track sein, aber nachdem Conchita Wurst ja bereits mit einem an James Bond erinnernden Song gewonnen hat, würde ich Ivy davon dringend abraten – davon mal ganz abgesehen, dass sie einen solchen Einfluss seitdem nie wieder herangezogen hat. Viel beeindruckender finde ich aber ihre zweite Single “You Got Me”, der sowas von ins Ohr geht, dass ich gar nicht verstehen kann, wie der Song NICHT in die Top10 kommen konnte. Gleichzeitig finde ich ihn so speziell, so mitreißend und so leichtfüßig – sowas möchte ich in Berlin sehen. Gleiches gilt übrigens für den Albumtrack “Walk Man”, der richtig cool daherkommt und zu meinen Favoriten des ersten Albums gehört. Wer Ivy etwas hymnenartiger hören möchte, der hört sich einfach “Castle” an – eine Richtung, die ihr definitiv steht. Etwas balladiger dagegen “Breakaway”, welches sogar von Celion Dion persönlich gecovert wurde – wenn das mal nicht für seine Qualität spricht.

Auf dem zweiten Album befinden sich auch wieder viele eingängige Popstücke, die teilweise ins Ohr gehen, teilweise aber durch einen etwas erdigeren Sound überzeugen. Besonders gut ist dabei “Wildfires (Light It Up)”, ein Song, der Ivy sehr gut zu Gesicht steht. Interessant außerdem, dass sie diesen Song auch gewählt hat, um ihn dem Eurovisions-Panel und der internationalen Jury zu präsentieren. Auffällig ist aber auch, dass das zweite Album etwas elektronischer ist als das erste, besonders auffällig ist das beim Song “Dancing Dynamite”, der mir in Erinnerung geblieben ist. Das passt auch, schließlich sind die neuen Songs “Supercharged”, “X-Ray” und “My Own Terms” sehr elektronisch und fast schon dubstepig (ist das überhaupt ein Wort? :D). Das alles ist mir allerdings etwas zu schienig, zu speziell und zu experimentell. Anders dagegen ihre aktuelle Single “Running Red Lights”. Der Song kommt als Midtempo-Nummer daher und vereint die sehr speziellen Sounds der vorherigen Tracks, bleibt aber dennoch eingängig und so, dass man ihn sich im Radio vorstellen könnte. Dieser Mix gefällt und ist daher auch richtungsweisend.

Ivys Lied für Lissabon

Ivys Lied für Lissabon wird “House of Fire” heißen und wurde von renommierten Songschreibern verfasst. Weitere Details gibt’s am Ende des Beitrags. Die nun folgenden Ausführungen entstanden vor Bekanntgabe des Songtitels.

Wie könnte es sich also anhören, Ivys Lied für Lissabon? Poppig, soulig, erdig oder doch eher elektronisch? Mein inneres Popherzchen möchte zwar an eine Uptempo-Pop-Nummer á la “You Got Me” oder “Walk Man” mit souligem Einfluss glauben, aber die Realität gibt andere Hinweise: Ivy hat sich von dem Sound verabschiedet und ist gereift – künstlerisch als auch persönlich. Außerdem könnte ihre Songauswahl ein paar Tipps geben: Wie bereits gesagt, hatte sie in dem Video für das Panel und die Jury den Song “Wildfires” ausgewählt. Natürlich könnte das auch sein, weil sie den am besten gesungen hat, aber ich will jetzt mal behaupten, dass sie ihn auch singen wollte, weil sie ihn mag. Und sollte der Song für Lissabon tatsächlich in diese Richtung gehen, fände ich das wirklich toll. Diese treibenden Beats im Hintergrund, diese klare Stimme und diese vielseitigen Rhythmuselemente – es passiert einfach konstant etwas in dem Track, was in Lissabon sehr gut ankommen sollte. Eine andere Richtung, die definitiv eintreten könnte, ist die elektronische. Ivys letzte Songs sind einfach durchzogen mit elektronischen Beats, dubstepartigen Sounds und ganz viel Bass. Logisch also, dass sie so etwas beim Vorentscheid präsentiert. Besonders ihr Song “Running Red Lights” hat es mir hier angetan: Einerseits hören wir hier ein akustisches Klavier, andererseits eine Produktion, die schwere Beats erahnen lässt. Hier muss man nochmal ran, damit diese deutlicher und hochwertiger hervorstechen, aber der Aufbau des Tracks ist einfach Wahnsinn und definitiv würdig für den ESC – gut, dass der Song im Dezember 2017 veröffentlicht wurde und somit noch im Rahmen des Möglichen ist, um beim Vorentscheid eingesetzt zu werden. Wird Ivys Lied also letztendlich eine überarbeitete Variante davon? Vielleicht, oder aber es wird ein noch unveröffentlichter Track, was ich für wahrscheinlicher halte, weil sie eben so fleißig schreibt (wie man ihrer Insta-Story gut entnehmen kann).

Mein Fazit
Insgesamt halte ich Ivy für eine sehr vielversprechende Kandidaten: Sie ist total einzigartig, ihre Stimme sticht hervor und sie vereint sehr viele Musikgenre miteinander. Von Pop bis Soul und Gospel bis hin zu Elektronik, Dubstep und Dance – alles scheint möglich und würde Ivy gut stehen. In einem Interview mit dem PRINZ ESC Blog hat sie bereits verraten, dass es wohl keine Ballade werden wird, vielmehr hält sie eine Midtempo-Nummer (vielleicht ja á la “Wildfires” oder “Running Red Lights”?) für am wahrscheinlichsten. Sollte es passen, könnte sie es aber auch einen Uptempo-Track vorstellen. Ich finde diese Richtung super und hoffe, wir erhalten etwas in Richtung dieser beiden Midtempo-Nummern – denn dann wird es wohl ein weiterer Ivy-Favourite für mich <3 Geht es dagegen in eine midtempoartiges Dance/Dubstep/Elektro-Richtung, dann befürchte ich schlimmes und würde sie auch nicht wählen, denn das kann nur nach hinten losgehen. Oder könnt ihr euch “Supercharged” auf der ESC-Bühne vorstellen? Nein, ich mir auch nicht. Schlimmer wäre dann aber noch ein 0815-Pop-Song – davon hatten wir nämlich in den letzten Jahren genug. Somit muss Ivy ihren Weg finden, beim Mainstream zu bleiben und trotzdem ihr Ding durchzuziehen. Eben genau wie in “Running Red Lights” (ja, sorry, ich mag den Song wirklich :D).
Schlussendlich will ich aber auch sagen, dass ich eine elektronische Variante ebenfalls ziemlich toll fände – in etwa im Stil von Aminata aus dem Jahr 2015. Ivy könnte so eine Performance wirklich richtig gut hinbekommen und würde somit auch einen guten Mix aus Mainstream und Individualität präsentieren. Deutschland braucht Ecken und Kanten, die überzeugen – Ivy ist im Stande das zu liefern.

Für mich ist Ivy eine sehr gute Wahl und ich hoffe, man überlegt sich eine wunderbare Performance um ein ganz großartiges Lied – denn dann könnte Ivy wirklich das ganze Ding rocken und für uns in Lissabon singen. Sollte das Non-Plus-Ultra eintreten, halte ich eine Platzierung auf der linken Tabellenhälfte für SEHR wahrscheinlich. Wenn nicht sogar etwas mehr. Gibt man ihr dagegen einen Song wie “Black Smoke”, “Ghost” oder “Perfect Life” oder verliert sich in Elektro-Sounds dürfte es schwarz aussehen – genauso wie in den letzten Jahren. Solange wir das aber noch nicht wissen, ist Ivy schonmal als Künstlerin Favoritin bei mir (:

+++ Update +++ Update +++ Update ++++ Update +++

Am 13. Februar 2018 wurde ein Interview mit Ivy bei ESC Radio ausgestrahlt, wo sie über die nationale Vorentscheidung gesprochen hat und auch auf ihr Lied für Lissabon eingegangen ist. Dabei verkündete sie, dass ihr Song eine Ballade ist, was sie selbst sehr überraschte, da sie eigentlich keinen solchen Song präsentieren wollte. Allerdings hatte sie sich sofort für die Nummer entschieden, da sie sich so abgehoben hatte von den restlichen geschriebenen Tracks. Darüber hinaus verriet sie, dass es auf der Bühne Tänzer geben würde mit denen sie auch interagieren wolle, damit man ein Gesamtpaket abliefern kann. Außerdem würde sie kein Ballkleid tragen, sondern sich modern präsentieren wollen.

Für mich klingt das alles sehr, sehr vielversprechend, denn ich meine besonders eine Sache rauszuhören: Der Song mag langsamer sein, aber es muss etwas an ihm sein, dass Tänzer sich dazu bewegen können. Das könnte jetzt natürlich alles sein, schließlich kann man ja beispielsweise Ballett auch zu langsameren Stücken tanzen. Oder man entscheidet sich für Ausdruckstanz – eine Form, die jegliche Geschwindigkeit zulassen würde. Allerdings betonte Ivy ja, dass sie selbst interagieren wolle. Deshalb gehe ich davon aus, dass sie uns eine Elektro-Ballade präsentieren wird. Mit Beats und modernen Sounds, ganz experimentell und eigen. Eben so etwas wie in Richtung Lettland 2015 oder Bulgarien 2017. Das fände ich ziemlich herausragend, da Ivy das bestimmt gut machen kann. Ihr Song “Running Red Lights” geht ja auch in die Richtung, eine solche Ballade würde also auch in ihren derzeitigen Stil passen.

Ebenfalls am 13. Februar 2018 gab der verantwortliche Sender NDR bekannt, dass Ivys Song für Lissabon “House on Fire” heißen wird. Der Track wurde von Jörgen Elofsson und Ali Tamposi geschrieben – ersterer war für das Album “A” der ehemaligen Abba-Künstlerin Agnetha Fältskog verantwortliche, letzterer hat schon mehrfache Radio-Ohrwürmer produziert – u. a. “Anywhere” von Rita Ora und ihrem gemeinsam Fifty Shades of Grey-Hit “For You” mit Liam Payne. Dass renomierte Songschreiber erstmal nichts heißen, sollte seit letztem Jahr klar sein (“Perfect Life” wurde schließlich auch von einer David Guetta-Songwriterin geschrieben und landete letztendlich eben doch nur auf Platz 25), allerdings finde ich allein den Titel schon so bildhaft: Ivy wird bestimmt das Haus (oder die Bühne) abbrennen. Wir dürfen gespannt sein 😀 Die Titel des Vorentscheids werden am Dienstag, dem 20. Februar 2018 veröffentlicht.

Bildquelle
© RCA Deutschland
+++ Update +++ Update +++ Update +++ Update +++

Nachdem am Dienstag, 13. Februar 2018 die Songtitel sowie die Komponisten der Titel bekannt gegeben worden sind, sind die deutschen ESC-Fans natürlich aufgeregt: Wie klingen die Songs der Kandidaten? In welche Richtung gehen sie musikalisch? Und was ist die Geschichte der Lieder? Bei manchen ist das sehr klar (Michael Schulte spricht beispielsweise sehr offen über den Inhalt seines Songs), manche halten sich sehr bedeckt (z. B. voXXclub). Ivy dagegen überraschte am Donnerstag, dem 15. Februar alle: Die 25-Jährige gab nämlich dem MDR-Magazin Brisant ein Interview und sang in der Sendung den Refrain ihres Songs “House on Fire” an. Man versteht nicht alles ganz genau, da eine Voiceover-Stimme darüber gelegt ist, aber ich habe alles gegeben und meine, diese Lyrics rausgehört zu haben:

“And we got on
like a house on fire,
like a house on fire,
burning bright.
And we were strong,
like a house on fire,
like a house on fire,
I light a match for every day
I’ve been alone, you’ve been away.
I’ve been a liar,
I’ve been a liar.”

Hört sich alles sehr dramatisch an. aber gleichzeitig auch irgendwie total authentisch. Ich muss sagen, dass mir der Text sehr gut gefällt und auch die Melodie klang sehr interessant -zumindest kein 0815-Ding wie letztes Jahr, auch wenn es ein paar Klischees im Song gibt (“fire – liar”, “day – away”) – aber gut, die hatte Lena in “Satellite” ja auch 😀

Ivy ging außerdem am selben Tag auf Facebook live und verkündete, es gäbe keine Tänzer auf der Bühne und alles sei relativ schlicht gehalten – da hätte ich fast mit den Augen gerollt, weil diese deutsche Schlichtheit ja auch letztes Jahr nichts gebracht hat. Allerdings urteile ich noch nicht, Ivy meinte, es gäbe eine sehr stimmungsvolle Bühne und sie würde sich durchaus auch bewegen wollen. Insgesamt sei sowohl der Song als auch die Performance sehr echt und eine Mischung aus persönlich und einiges, was für Aufsehen sorgen könnte (ohhh lala, das klingt doch mal traumhaft und so gar nicht nach deutscher Schlichtheit, oder? :D) Warten wir also ab. Der Song sei außerdem nahe dran an einer Ballade und hätte Beats – ich denke, wir dürfen auf eine Elektro-Ballade hoffen (genau DAS wäre es, was ich mir ja erhofft hatte). Was haltet ihr von den Lyrics? Könnte das der Text sein, den Ivy im Mai in Lissabon vorträgt? Oder hofft ihr auf einen anderen Act?

 
Zum Interview bei BRISANT geht es HIER.