ULfL – der #Kandidatencheck: voXXclub

ULfL – der #Kandidatencheck: voXXclub

Februar 18, 2018 2 Von BenniCullen
Herzlich Willkommen zum sechsten und letzten Kandidatencheck!

Bereits am Montag habe ich euch verkündet, dass ich mich in den ersten Wochen intensiv mit den Kandidaten des deutschen Vorentscheids Unser Lied für Lissabon (ULfL – kicher) beschäftigen werden. Ich werde etwas zur Historie sagen, dann zu den bisher veröffentlichten Songs gehen und im Anschluss Schlüsse für ein mögliches Lied für Lissabon ziehen. Daraufhin möchte ich gerne eine Einschätzung abgeben, wie ich den jeweiligen Teilnehmer einordne und was ich mir für eine Inszenierung wünschen würde. Das alles ist natürlich total subjektiv, schließlich sind das hier alles meine Eindrücke und mein Geschmack. Natürlich werde ich auch Informationen heranziehen, die die Kandidaten in ein paar Interviews schon geäußert haben – also beispielsweise, was den Song angeht oder wie die Bühne aussehen könnte. Ein bisschen #gossip schadet ja nie, gel?

Heute geht es um den wohl polarisierendsten Act des diesjährigen Vorentscheids: voXXclub wollen mit Lederhosen und bayerischem Dialekt nach Lissabon fahren – ob das was werden könnte?

© NDR

Die Geschichte der Boyband der neuen Volksmusik
voXXclub wurde im Jahr 2012 gegründet und löste einen kleinen Hype aus, nachdem sie ein Video online stellten, wo sie den Song “Rock mi” als Cover präsentierten. Das Video machte den Anschein eines Flashmobs, war aber (natürlich) inszeniert. Viele der Bandmitglieder waren vorher als Schauspieler oder Musical-Darsteller tätig. Ihr Debütalbum “Alpin” platzierte sich zunächst nur auf Platz 27 der Albumcharts, konnte aber dennoch Platin holen. Die darauffolgenden drei Alben platzierten sich sehr viel besser und waren immer in den Top10 vertreten – wenn auch ohne Platinstatus. Die Band wurde mit sechs Mitgliedern gegründet, 2015 entschied sich aber Julian David dazu, die Band zu verlassen, was aber keinen Abbruch tat, denn die fünf verbleibenden Bandmitglieder machten weiter. Julian David veröffentlicht seitdem Solosongs. voXXclub wurde bereits drei Mal für den ECHO in der Kategorie Volkstümliche Musik nominiert, konnte ihn aber bis dato noch nie gewinnen. Die Band veranstaltet regelmäßig eigenständige Tourneen und tritt regelmäßig in Schlagersendungen der ARD und dem ZDF auf. Ihre bis dato erfolgreichste Single bleibt das Cover von “Rock mi”, welches Goldstatus erreichen konnte. Ihr aktuelles Album “Donnawedda” erschien Ende Dezember 2017 und erreichte Platz 7 in den Charts, wo es sich bis heute auch halten konnte.

Bildquelle

Die Vertreter der neuen Volksmusik
Ja, bei der Musik der Band handelt es sich natürlich um Volksmusik, allerdings in modernem Gewand, weshalb man ihren Stil auch als neue Volksmusik bezeichnet. Dabei werden traditionelle Rhythmen und Melodien immer neu verarbeitet und in den einzelnen Songs aufgebaut. Das führt dazu, dass es viele Samples gibt und die Stücke immer etwas Bekanntes vorzuweisen haben. Meist bieten die Sänger Uptempo-Song, wie die erste Single aus ihrem gleichnamigen Album beweist: “Donnawedda” macht Spaß beim Zuhören, animiert irgendwie zum Mitschaukeln und ist perfekt für alle Volks- und Oktoberfeste dieser Welt 😀 Doch nicht nur Spaßtracks können die Jungs: In manchen Songs erkennt man leichte Rock-Elemente, die aber natürlich dennoch mit volkstümlichen Sounds verknüpft werden. Ein Beispiel dafür ist der Song “Heimweh” aus ihrem aktuellen Album. Natürlich ist das alles sehr viel Klischee, aber, als in Bayern wohnende Person kann ich euch sagen: Das ist genau die Musik, die bei uns in den Bierzelten läuft. Wirklich. Hauptsache man kann mitklatschen und nach einmal Hören mitsingen. Genau das ist ja die Masche der Band, was ja völlig okay ist und beim ESC ja gar nicht so verkehrt ist. Toll finde ich, wenn es stampfende Beats in den Songs gibt – das ist bei den Zuschauern im Publikum immer gut zu sehen, weil sie da ja voll abgehen. Sowas würde man sich dann auch beim ESC vorstellen. Aber das kommt ja gleich. Beim Track “Ziwui Ziwui” hört man dieses Stampfende ganz gut. Ist jetzt nicht unbedingt der stärkste Song, aber die Beats gehen immerhin nach vorne.

voXXclub und das perfekte Lied für Lissabon
Wie am 13. Februar 2018 bekannt gegeben wurde, treten voXXclub mit dem Song “I mog Di so” an. Dabei handelt es sich um eine überarbeitete Version eines Stücks aus ihrem aktuellen Album “Donnawedda”. Wie der PRINZ ESC Blog in seinem Artikel feststellte, handelt es sich bei den Songschreibern um exakt das selbe Team, das das Stück “Spitzenmadl” auf eben diesem Werk komponiert hat – die Wahrscheinlichkeit, dass das die Grundlage für die neue Version war, ist damit also ziemlich hoch. Ich habe mir diesen deshalb nochmal etwas genauer angehört, muss allerdings sagen, dass ich mich danach gar nicht mehr erinnern konnte, wie der Song sich anhörte. Wahrscheinlich liegt das daran, dass er sich nicht von den restlichen Liedern der Band großartig unterscheidet: Es gibt einen Beat im Hintergrund, der zum Mitklatschen animiert (sehr gut!), in den Strophen ist es etwas ruhiger, bevor die Melodie dann im Refrain explodiert – zumindest bis zu einem gewissen Grad. Denn hier ist das Problem bei dem Song: Ich finde, dass er im Gegensatz zu anderen Songs gar nicht so nach vorne geht, wie man das gewohnt ist. Hier erhoffe ich mir, dass man sich bei der neuen Version Gedanken gemacht hat, wie man noch mehr Stimmung reinbringt und die Halle elektrisiert. In etwa so, wie es der Titeltrack des Albums tut oder die “Rock Mi”-Version getan hat. Denn das ist genau, was man von voXXclub möchte: Partystimmung, gute Laune und ein Song, der sofort im Ohr hängen bleibt. Letzteres müssen die Jungs UNBEDINGT bringen, denn sonst führt das ins Leere.

Thematisch soll es übrigens darum gehen, dass jeder Mensch gut so ist, wie er ist. Die Zeile “I mog Di so” geht noch weiter und heißt dann “I mog Di so wie du bist” und soll ein positives Signal an Europa senden und auch an die Länder, in denen man eben nicht so sein darf, wie man ist. Das ist eine sehr süße Message, wenn auch etwas antiquitiert. Dennoch finde ich es toll, dass man sich Gedanken zu seinem Song gemacht hat und auch für etwas stehen möchte. Das sie sich dabei diese Thematik herausgesucht haben, finde ich toll, denn das würde man von einer volkstümlichen Band jetzt nicht unbedingt erwarten. Dafür also schon Mal meine Hochachtung!


Mein Fazit
Ehrlich, ich finde die Jungs lustig. Die haben gute Laune, haben Spaß an dem was sie machen und in Interviews wirken sie wirklich sympathisch. Ich hoffe, dass sie beim Vorentscheid ordentlich Stimmung machen und der Song so aufgebaut ist, dass man zumindest den Entertainment-Faktor als hoch einstufen kann. Musikalisch sind sie von dem, was ich als alter Pop-Hörer normalerweise anhöre, meilenweit entfernt und deshalb auch nicht meine Favoriten. Allerdings sollte man die Jungs definitiv im Auge behalten, denn ich glaube, dass sie viele Fans haben – zum einen diejenigen, denen tatsächlich dieser volkstümliche Aspekt gefällt, zum anderen diejenigen, die mal wieder einen Spaß-Act beim ESC haben wollen, weil mittlerweile ja eh alles egal ist. Dass voXXclub dabei allerdings gar kein Spaß-Act ist, denn die Jungs meinen das, was sie tun ja durchaus ernst, sei mal dahin gestellt. Nichtsdestotrotz muss ich sagen: Egal ob Spaß-Act oder nicht, sollten die Jungs den Vorentscheid gewinnen, warum auch immer, und in den Charts erfolgreich sein, weil jeder ihren außergewöhnlichen Party-Song feiert, dann ist es so. Und dann nehme ich es auch mit Humor. Hauptsache Deutschland steht dann hinter seiner Wahl und macht sich nicht über sich selbst lustig, wie in den letzten Jahren. Für mich persönlich wird es dann zwar kein Lieblingskandidat von Deutschland, aber ich könnte damit sehr gut leben. Deshalb: Viel Erfolg Jungs und macht was draus! Bis dahin behalte ich euch noch im Auge.