ULfL – Der Kandidatencheck: Xavier Darcy

ULfL – Der Kandidatencheck: Xavier Darcy

Februar 18, 2018 0 Von BenniCullen
Herzlich Willkommen zum 5. Kandidatencheck!

Bereits am Montag habe ich euch verkündet, dass ich mich in den ersten Wochen intensiv mit den Kandidaten des deutschen Vorentscheids Unser Lied für Lissabon (ULfL – kicher) beschäftigen werden. Ich werde etwas zur Historie sagen, dann zu den bisher veröffentlichten Songs gehen und im Anschluss Schlüsse für ein mögliches Lied für Lissabon ziehen. Daraufhin möchte ich gerne eine Einschätzung abgeben, wie ich den jeweiligen Teilnehmer einordne und was ich mir für eine Inszenierung wünschen würde. Das alles ist natürlich total subjektiv, schließlich sind das hier alles meine Eindrücke und mein Geschmack. Natürlich werde ich auch Informationen heranziehen, die die Kandidaten in ein paar Interviews schon geäußert haben – also beispielsweise, was den Song angeht oder wie die Bühne aussehen könnte. Ein bisschen #gossip schadet ja nie, gel?

Heute geht es um einen der beiden Newcomer dieser ESC-Saison (RYK wurde ja bereits vorgestellt): Xavier Darcy dürfte für die meisten von euch noch ein unbeschriebenes Blatt sein, was ja durchaus seine Vorteile haben kann, schließlich muss man so keine Erwartungen erfüllen. Ob Xavier genau das zu Gute kommt?

© NDR

Die Geschichte des Xavier Darcy
Der Sänger hat neben zwei EPs (“Extended Play” und “Extended Play II”) bereits sein Debütalbum “DARCY” im Februar letzten Jahres veröffentlicht. Dabei ist festzuhalten, dass er das in Eigenregie betrieben hat, wovor ich wirklich Respekt habe. Auf YouTube kann man mehrere Live-Videos seiner Auftritte sehen und auf Spotify ist sein gesamter Katalog abrufbar. Sehr viel mehr gibt es zu seiner Geschichte auch nicht mehr zu sagen. Er ist wirklich ein unbeschriebenes Blatt, das zwar schon seit mehreren Jahren Musik macht, schließlich wurden die EPs bereits 2015 veröffentlicht, ansonsten kann nicht recht viel mehr gefunden werden. Der 22-Jährige wurde in London geboren und hat auch französische Wurzeln in seiner Familie. Er selbst lebt jedoch in Bayern und hat sich vollkommen der Musik verschworen – sein Studium brach Darcy ab, um sich vollkommen auf seine Musik zu konzentrieren. Liest man sich Interviews mit dem Sänger durch, merkt man immer wieder, wie wichtig es ihm als Künstler ist, genau das zu tun, auf was er Lust hat, ohne sich an irgendwelche Vorgaben halten zu müssen. Ob sich das auch bis zum ESC durchzieht?

Bildquelle

Darcys Songs im Überblick
Auf seinen beiden EPs hat man fast das Gefühl, es wäre ein One-Cut, also eine Aufnahme, die live aufgenommen und dann sofort auf Platte gepresst wurde. Das alles wirkt sehr organisch und zeigt die Singer-Songwriter-Seite von Xavier Darcy. Dabei begleitet seine Musik fast immer ein treibender Rhythmus, der durch seine Gitarre begleitet wird und durch seine Stimme noch weiter voran getrieben wird. Diese ist sehr markant und steht immer eindeutig im Mittelpunkt. Instrumental passiert sehr viel, mal wird es schneller, mal leiser; manchmal begleitet seine Stimme nur der Beat, an anderen Stellen wird es dann doch etwas melodiöser. Der akustische Klang zieht sich dabei aber durch die gesamten Songs. Anders dagegen auf seinem Debütalbum: Hier präsentiert sich Darcy in einem etwas poppigeren Gewand und erinnert dabei vom Sound etwas an die 70er und 80er-Jahre. Hört man sich die Single “Big City Dreams” an, fühlt man sich sofort in diese Zeit hineinversetzt. Irgendwie sehr retro, aber irgendwie auch total interessant. Man merkt, dass Darcy ein Künstler ist und das durch und durch. Allerdings muss man auch sagen, dass sich viele Songs seines Debüts ähnlich anhören, sodass man nichts von der Vielfältigkeit mitbekommt, die ständig so angepriesen wird. Ob das dann was für den ESC ist?

Xaviers Lied für Lissabon
Ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht, was ich von Xavier erwarten soll. Hört man sich seine Songs an, dann würde ich jetzt einfach mal schätzen, dass er sich für eine Uptempo-Nummer entschieden hat, einfach, weil das der sich durchziehende Sound seines Debütalbums war. Das fände ich gut, wissen wir doch immerhin, dass sowohl Ivy als auch RYK eine Ballade präsentieren werden. Allerdings hoffe ich, dass man sich bei der Produktion eine etwas modernere Version seines Sounds überlegt hat. Dies ist zumindest nicht ganz ausgeschlossen, wenn man sich die Songwriter ansieht, die seinen Vorentscheidssong “Jonah” gemeinsam mit Xavier Darcy geschrieben haben: Thomas Steengard (der auch Songschreiber bei Michael Schulte ist!) komponierte ja den ESC-Siegertitel “Only Teardrops” aus dem Jahr 2014 und Axel Ehnström hat selbst als Paradise Oscar im Jahr 2011 für Finnland gesungen. Beide gehen ja eher in die Poprichtung, wenn Paradise Oscar auch etwas sehr schmalzig daher kam. Ich hoffe, die Kombination macht’s und es wird ein Uptempo-Song, der an die gute alte Zeit erinnert und dennoch sofort ins Ohr geht, weil er modern daherkommt. Mit Xaviers Stimme und der richtigen Instrumentalisierung könnte “Jonah” definitiv vielversprechend sein.

Bildquelle
Artwork: © Laura Zettl
Foto: ©
 Alexander Weiß

Mein Fazit
So stimmig und künstlerisch Xavier Darcy auch ist: Meins ist es nicht. Ich denke, ich werde vom Song jetzt nicht mega begeistert sein (Wunder gibt es immer wieder :D), könnte mir aber sehr gut vorstellen, dass er live nochmal eine Schippe drauf legt. Sollte es in die Richtung seiner bisherigen Songs gehen und sich “Jonah” nicht davon abheben, fände ich das nur mehr als enttäuschend. Darüber hinaus bin ich mir nicht wirklich sicher, dass Deutschland einen solchen Act schicken würde. Das alles wirkt zu abgehoben und besonders auf mich als dass der deutsche Zuschauer das nach Lissabon schickt. Und auch ich mus sagen: Meine Erwartungen an Xavier Darcy sind am niedrigsten von allen. Alle anderen Acts halte ich irgendwie für vielversprechender oder unterhaltsamer. Weshalb er bei mir auch momentan im Ranking auf dem letzten Platz liegt. Aber hey: Stimm mich gerne um mit einem Mega-Auftritt, der mir die Sprache verschlägt und mich vom Stuhl springen lässt – und dann stehe auch ich hinter dir, wenn du nach Lissabon fährst. Bis dahin bist du für mich okay, aber eben kein Favorit (sondern eher weit davon entfernt).