Unser Lied für Israel: Der #Songcheck

Unser Lied für Israel: Der #Songcheck

Februar 22, 2019 2 Von BenniCullen

Herzlich Willkommen zu diesem Beitrag!

Es ist so weit: In wenigen Stunden findet der deutsche Vorentscheid Unser Lied für Israel zum Eurovision Song Contest 2019 statt. In den letzten Wochen habe ich euch die Kandidaten genauer vorgestellt sowie Gerüchte zu den Songs veröffentlicht – nun geht es um die Bewertung der Lieder! Denn heute, am 22. Februar 2019, war es so weit: Alle Lieder wurden auf allen Streaming- sowie Downloadplattformen veröffentlicht und sind nun abrufbar! Bevor heute Abend die große Party steigt, wollen uns die Lieder mal anhören und checken, wie ihre Chancen so sind, Deutschland beim ESC 2019 in Israel zu vertreten.

Wer wissen möchte, welche Gerüchte zu den Songs bereits durchgesickert sind, der klickt einfach HIER – dort fasse ich alle Informationen zusammen!

Aly Ryan – Wear Your Love

(Aly Ryan, Michelle Leonard, Thomas Stengaard, Tamara Olorga)

Aly versprach uns ja einen schnellen Song, der sich immer wieder ändert und nie langweilig wird, gleichzeitig aber auch ein wenig an Daft Punkt erinnert. Ob wir den wirklich bekommen? Außerdem gewährte Aly ihren Instagramfollowern Einblicke in das Musikvideo zum Song – und OH MEIN GOTT, wenn der Song nur ein bisschen so hochwertig ist wie das Video, dann ist es ein wahrer bop. Lasst uns schnell reinhören!

Mein Eindruck:

Alys Song ist ein Mix aus europäischen Beats und Produktionen aus dem Osten Europas und schafft den Spagat wunderbar! Der Song geht sofort ins Ohr und fesselt den Zuhörer sofort, obwohl er gegen Ende etwas redundant wird. Nichtsdestotrotz macht er Spaß, klingt individuell und sehr speziell. Ihre Stimme erinnert mich dabei sehr an Marina & the Diamonds, auch wenn es eigentlich mit gar nichts vergleichbar ist, denn Aly macht ihr ganz eigenes Ding – und das ist auch gut so. Die Beats klingen nicht wie die auf dem deutschen Markt und die ständigen Trompeten, die zum Einsatz kommen,gehen sofort in Mark und Bein. Für mich ein wahrer Ohrwurm, den man von Deutschland beim Eurovision Song Contest nicht erwartet – weshalb er für mich definitiv zu den Favoriten zählt. Mit jedem Hören wird das Lied besser und ich verliebe mich ein kleines Stückchen mehr.

BILD: Aly Ryan Music

BB Thomaz – Demons

(BB Thomaz, Andrew Tyler, Ricardo Bettiol, Tim Schou)

BB war sehr angetan von ihrem Song und versprach etwas, das man beim ESC noch nie gehört hat. Ganz schön hohe Erwartungen, die die Fans nun an sie stellen – mal sehen, ob sie die erfüllen kann:

Mein Eindruck:

OH. MEIN. GOTT. Damit hatte ich nun so gar nicht gerechnet. Demons fängt langsam an, steigert sich dann zum Refrain und lässt den Zuhörer gar nicht mehr los. Der Text ist wahnsinnig gut und BB bringt das Lied richtig gut rüber – sowohl gesanglich als auch von seiner Bedeutung. Die Drums im Hintergrund führen dazu, dass man sofort mitgeht, gleichzeitig hört man sofort auf den Text, denn darauf kommt es im Song auch an: Die Geschichte zu verstehen und mitfühlen zu können. Das Lied ist kein typtischer Radio-Song, sondern besticht durch seine rockigen Elemente gepaart mit bekannten RnB-Sounds. Das ist eigen und wird nicht jedem gefallen, wird aber definitiv seine Anhänger finden. Wenn Deutschland gerne etwas ausprobieren möchte, wäre BB Thomaz definitiv die richtige Wahl. Im Instant Appeal finde ich Demons – obwohl es gar nicht so Mainstream ist – von allen gehörten Songs am besten. Weiß aber auch, dass diese Art von Musik in Deutschland nicht ganz so beliebt ist, wie in anderen Ländern. Für mich dennoch eine klare Mitfavoritin.

BILD: Alexos

Linus Bruhn – Our City

(Linus Bruhn, Dave Roth, Pat Benzner, Serhat Sakin, Gianna Roth)

Wer seine Single von Madizin produzieren lässt, der muss ja Favorit sein, oder? Nicht nur, dass Linus den Song gemeinsam mit Freunden geschrieben hat – kein anderer als Madizin (verantwortlich für den sehr erfolgreichen Single Mix von Geiles Leben von Glasperlenspiel) mischt diesen auch noch ab! Mal sehen, wie sich das anhört…

Mein Eindruck:

Linus liefert einen ganz klassischen Radiosong, der genau so dort rauf und runter laufen könnte. Dabei erinnert sein Gesang sehr an die Songs von Justin Bieber in späteren Jahren (Our City würde perfekt auf Purpose von Justin Bieber passen). Das Lied ist in der Strophe sehr ruhig, geht dann im Refrain sehr auf und hat abgemixte Simmen im Refrain , die eben aus ganz vielen erfolgreichen Radiohits bekannt sein dürften. Lediglich das Ende hätte ich anders strukturiert: Ich persönlich hätte mit dem Hauptsatz We can build our own city geendet – das aber nur als kleine Kritik. Ich mag es wirklich gerne, aber will ich so einen Song wirklich beim ESC sehen? Ich persönlich nicht, denn dafür ist es einfach nicht besonders genug. Ich werde beim Auftritt definitiv mitwippen, aber richtig überzeugt bin ich vom ESC-Potenzial nicht.

BILD: MADIZIN MUSIC LAB

Gregor Hägele – Let Me Go

(Gregor Hägele, Jonas Shandel, David Jürgens, Tamara Olorga)

Zu Gregors Song ist noch gar nicht so viel bekannt, weshalb ich wirklich gespannt bin, was er liefert und ob er mich noch gänzlich von sich überzeugt – bisher finde ich das alles ganz nett, aber noch nicht wirklich zielführend. Mal sehen, was ich nach Hören des Songs denke…

BILD: NDR | eurovision.de

Mein Eindruck:

Gregor bietet genau das, was man erwartet hat: Eine ruhige Ballade, die im Verlauf immer weiter wächst, dabei aber nie die Intimität des Sängers verliert. Besonders den Refrain finde ich richtig schön und der Text, der vom Loslassen spricht, ist wirklich richtig gut geschrieben. Gregor ist einfach ein ganz Süßer und das hört man auch dem Song an – denn genau das strahlt er aus. Gegen Ende fährt der Track nochmal richtig auf. Ich mags echt gerne, allerdings bin ich gleichzeitig der Überzeugung, dass wir nicht im zweiten Jahr eine Ballade schicken sollten, auch wenn Gregors Stück so gar nicht mit Michael Schultes Lied zu vergleichen ist. Fazit: Ein guter Song, der bestimmt einige berühren dürfte, der aber beim ESC nicht wirklich Chancen hätte.

S!sters – Sister

(Laurell Barker, Marine Kaltenbacher, Tom Oehler, Thomas Stengaard)

Ich bin so gespannt, was die S!sters liefern! Die beiden Stimmen haben mich ja schon überzeugt und auch persönlich finde ich die beiden Sängerinnen sehr unterhaltsam (schaut unbedingt mal auf ihren Instagramkanälen vorbei!). Ob Sister da genauso gut ist? Hören wir’s uns doch mal an.

BILD:NDR | eurovision.de

Mein Eindruck:

Süß. Spielerisch. Harmonisch. Nett. Meine Erwartungen nach der Probe waren wirklich total niedrig, aber die S!sters haben es tatsächlich geschafft mich von ihrer Studioaufnahme zu überzeugen. Besonders den Text möchte ich hier positiv hervorheben: Am Anfang geht es um zwei Schwestern, die ständig gegeneinander antreten und besser sein wollen als die jeweils andere. Im Laufe des Stückes sehen sie aber beide ein, dass es viel besser wäre, wenn sie zusammenarbeiten und an einem Strang ziehen würden. Instrumental ist es am Anfang sehr leise mit Klavier und einer Spieluhr im Hintergrund, bevor es dann im Refrain lauter und etwas größer wird. In der zweiten Strophe singen die Sängerinnen dann zweistimmig und ergänzen sich perfekt – passend zum Text, der die Einsicht der beiden darstellt. Es passiert wirklich viel und verschiedene Elemente (Drums, Backingchor und die Spieluhr) kommen zum Einsatz. Für mich insgesamt ein süßer Song, allerdings keiner, der beim ESC tatsächlich was reißen könnte – zumindest mein erster Eindruck. Dennoch finde ich den Song wirklich schön und werde ihn mir privat des öfteren anhören – aber eben hoffentlich nicht zu ESC-Zwecken.

BILD: Anchor Records

lilly among clouds – Surprise

(Elisabeth Brüchner, Musik: Elisabeth Brüchner, Udo Rinklin)

Auch über Lillys Song weiß man noch nicht viel, aber die Sängerin teast auf Instagram ganz schön viel in den letzten Tagen 😀 Mal sehen, was sie sich für den Vorentscheid überlegt hat, kürzlich hat sie davon geschwärmt, wie frei sie in allem war (Songauswahl, Staging, Outfit, etc.). Gucken wir doch mal, ob sich diese Freiheit gelohnt hat.

Mein Eindruck:

Okay. Irgendwie hatte ich mir was anderes vorgestellt, eher in Richtung ihrer letzten Single Wasting My Time. Surprise fängt sehr ruhig an und stellt gleich zu Beginn eine Mischung aus klassischem Gesang und Popgesang dar. Das gefällt manchen, mir persönlich aber eher weniger. Zum Refrain wird es dann sehr schwer durch ganz viele Drums im Hintergrund, es fühlt sich tatsächlich so an, als ob sich ein Gewitter zusammenbraut. Im Zwischenteil wird dann wieder auf Klavier reduziert, bevor es richtig los geht und der Refrain wieder einsetzt. Doch dann… also dann fehlt mir persönlich der wahre Höhepunkt. Vielleicht wird der visuell nachgereicht, aber in dieser Form gefällt mir der Song nur so mittelmäßig – leider. Er ist interessant, aber besonders im Vergleich kann er für mich mit anderen Liedern des Vorentscheids einfach nicht mithalten. Ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen, sehe ihn aber aktuell nicht in Tel Aviv.

Makeda – The Day I Loved You Most

(Makeda, Tim Uhlenbrock, Kelvin Jones, Kristine Bogan)

Hier kommt sie: Die dramatische Ballade a la Germany! Makeda war ja sehr aktiv in den letzten Wochen und hat immer mal wieder ein paar Infos fallen lassen…. dramatisch, emotional und stimmgewaltig, all das möchte uns Makeda zeigen. Und laut ein paar Aussagen auf Instagram wird’s nicht nur dramatisch, sondern durchaus auch soulig und RnB-lastig. Hören wir doch mal…

BILD: picture alliance/Jenny Bartsch/NDR/dpa

Mein Eindruck:

The Day I Loved You Most ist eine zarte Ballade, die sehr klassisch mit Streichern und Klavier arrangiert ist und durch bekannte Muster fast schon vertraut wirkt. Der Text könnte dabei in einem Adele-Song genauso stehen. Mich berührt das total und Makeda kann im Verlauf richtig gut zeigen, wie gut sie singen kann – und oh boy, das kann sie! Doch obgleich mich der Song auch berührt, stehe ich wieder da und frage mich: Ist das etwas, um beim ESC in der Top10 zu landen? Ich glaube leider nicht. Denn dafür fehlt dieser besondere Funke. Dennoch wünsche ich Makeda alles Gute und hoffe, sie wird für ihre stimmliche Leistung mit einem Platz im Mittelfeld beim Vorentscheid belohnt. Zumindest von den Juries dürfte es viele Punkte geben – und von den Zuschauern bestimmt auch ein paar. In Tel Aviv sehe ich sie allerdings nicht.

BILD: Makeda

Mein Fazit:

Das mal als Erstes: Im Vergleich zum letzten Jahr sind ALLE Songs sehr viel besser als noch 2018. Für keinen Song muss an sich hier schämen und mit Hinblick auf die Erfolgschancen beim ESC könnten viele dieser Songs wirklich gute Chancen haben. Manche mehr, andere eben weniger. Aber im Vergleich zu anderen nationalen Vorentscheiden, die ich dieses Jahr verfolgt habe, gehört der deutsche definitiv zu den stärkeren im Jahrgang 2019. Allerdings ist diese Tatsache egal, denn schlussendlich zählt nur der Gewinner und sein Abschneiden beim ESC (siehe Deutschland im letzten Jahr: Denkt ihr wirklich, wir wären mit Ivy auf Platz 4 gelandet? Genau, ich auch nicht). Schlussendlich kommt es darauf an, wer die größten Chancen hat und das sind für mich genau zwei Acts: Aly mit ihrem verrückten und sehr hervorstehenden Wear Your Love und BB Thomaz mit ihrem ausdurcksstarken und sehr polarisierenden Beitrag Demons. Linus hat einen sehr modernen Song, der wahrscheinlich im Radio gut funktioniert, aber für die große ESC-Bühne ist mir das zu safe bei dem diesjährigen Angebot. Makeda und Linus berühren mich dagegen wirklich, allerdings sind beide einfach zu leise und emotional (was wir einfach letztes Jahr schon hatten, allerdings hier jetzt ohne Michaels grandioses Staging). Lilly ist mir persönlich zu speziell, sie wäre wahrscheinlich bei den Juroren beliebt, aber beim Publikum eher nicht so. Die S!sters bieten eine andere Facette beim Vorentscheid, könnten aber beim ESC untergehen – trotz schöner Instrumentalisierung. Daher ergibt sich für mich folgendes Ranking:

  1. BB Thomaz – Demons
  2. Aly Ryan – Wear Your Love
  3. lilly among clouds – Surprise
  4. Linus Bruhn – Our City
  5. S!sters – Sister
  6. Makeda – The Day I Loved You Most
  7. Gregor Hägele – Let Me Go

Tatsächlich kann ich mich zwischen BB und Aly nicht entscheiden – hier kommt es auf die Performances an. Rein von der Studioaufnahme überzeugen mich beide wirklich gleich, Demons hätte vielleicht – aufgrund seiner Lyrics – leicht die Nase vorne. Wenn ich allerdings auf die ESC-Chancen gucke, dann ist Wear Your Love vorne, einfach, weil es so frisch, modern und individuell ist. Somit hätte ich meine Favoriten genannt – welche sind denn eure?

Später geht noch der #LIVE-Blog online – ich freue mich sehr.

Bis dahin einen wunderschönen Tag,