Während ich vom Leben träumte von Estelle Laure

Während ich vom Leben träumte von Estelle Laure

Juli 29, 2018 0 Von BenniCullen

Titel: Während ich vom Leben träumte
Autorin: Estelle Laure
Verlag: Fischer KJB
Seiten: 320
Ausgabe: Hardcover
Auflage: 1
Erscheinungstermin: 21. März 2018
ISBN-10: 3737353271
ISBN-13: 978-3737353274
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Durch die Liebe zurück ins Leben

Darf das eigene Glück auf dem Leid eines anderen gründen? Noch vor einem Jahr hätte Eden diese Frage mit einem klaren Nein beantwortet. Doch seit ihrem Krankenhausaufenthalt auf der Koma-Station ist alles anders. Eden hat sich verliebt. In Joe, den Freund einer anderen Koma-Patientin, die mit dem Tod ringt und zu der Eden eine unerklärliche Verbindung hält. Sie spürt, was die andere denkt und fühlt. Deshalb kommt Eden sich vor wie eine Verräterin und ist voller Zweifel und Schuldgefühle. Sie wagt es nicht, um Joe und für ihr Glück zu kämpfen. Schließlich begreift sie, dass Liebe auch bedeuten kann, den anderen gehen zu lassen.

Eine atemberaubende Geschichte, die alles durcheinanderwirbelt und in Frage stellt, dabei den Leser fesselt und ihn hautnah den Tod und gleichzeitig die Macht der Liebe spüren lässt.

Das Buch wurde mir vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt – ein herzliches Dankeschön dafür (:

Als ich das Cover sah und den Klappentext las, war es um mich geschehen: „Während ich vom Leben träumte“ klang philosophisch, emotional und bewegend, weshalb es ein Buch war, das ich einfach lesen musste. Und irgendwie war ich auch in der Stimmung für eine Geschichte, die mich emotional mitnimmt und mich nicht mehr loslässt. Genau das waren die Erwartungen, die ich hatte, als ich mit dem Buch anfing. Ob sie erfüllt worden sind, erfahrt ihr jetzt.

Kleiner Einschub: Ich wusste es vorher selbst nicht, wurde dann aber später darauf hingewiesen, denn dieses Buch kann als zweiter Band zu „Gegen das Glück hat das Schicksal keine Chance“ gesehen werden. In „Während ich vom Leben träumte“ geht es nämlich um die beste Freundin der Protagonistin aus diesem Teil. Ich wusste das wie gesagt nicht und fand jetzt auch, dass es nicht sonderlich gestört hat, dass ich nicht wusste, was mit der Freundin im ersten Band passiert ist, sprich: Man kann das Buch auch als Einzelband lesen und danach zurückgehen, wenn man das möchte. Nur so als kleine Randnotiz. Beginnen wir jetzt aber mit der Rezension.

Eden ist ein ganz normales Teenagermädchen mit großen Träumen: Sie möchte nach der High School nach New York, um dort als Balletttänzerin so richtig durchzustarten. Doch alles kommt anders als sie einen Unfall hat und einen Monat im Koma liegt. Als sie aufwacht, ist nichts mehr so wie es war. Sie hat keinen Drive, keinen Mut und so gut wie keinen Lebenswillen mehr. Doch dann lernt sie Joe kennen, ein Junge, der seine Freundin jeden Tag besucht, die ebenfalls im Koma liegt. Zwischen den beiden entwickeln sich schnell Gefühle – doch darf man sein Glück so ausnutzen, wenn man damit jemanden schadet, der hab lebendig und halb tot ist?

Bevor ich zum Inhalt komme, muss ich einfach erstmal besprechen, was mich an diesem Buch so fasziniert hat: Der Schreibstil. Denn obwohl es ein Kinderbuch ist (oder sagen wir ein Buch für junge Teenager), ist es wahnsinnig poetisch und wahnsinnig schön verfasst. Jede Ausführung passt, jedes Gefühl wird unglaublich schön beschrieben und jeder Gedanke so wunderbar tiefgründig erörtert, ohne in Längen auszuarten. Ich war einfach wahnsinnig beeindruckt vom Stil und klebte der Autorin förmlich an den Lippen. Für mich der stärkste Aspekt des Buches, denn ohne diesen Stil hätte ich es wahrscheinlich auch nicht so positiv in Erinnerung behalten. Das heißt was, wenn es von mir kommt, der meist am Schreibstil oder Aufbau rumzumäkeln hat. Respekt also an Estelle Laure für diese Art – besonders aber auch an Sophie Zeitz, die einen wahnsinnig tollen Job bei der Übersetzung geleistet hat!

Kommen wir nun zum Punkt, den ich eigentlich immer als erstes abarbeite: Den Inhalt. Und dieser steckt wirklich voller Ereignisse und besonderer Momente. Wir kümmern uns zunächst um Edens Geschichte, ihren Unfall, die Auswirkungen und diesem einen besonderen Ort zwischen Leben und Tod. Die Autorin schafft es, die Thematik des Todes wahnsinnig gut und so gar nicht kitschig zu umschreiben und liefert vielleicht nicht immer Antworten, aber dafür Überzeugungen. Und zwar jene, die vielleicht nicht rational zu erklären sind, aber emotional bestechen. Das Thema Tod beschäftigt mich ja immer wieder (wie bestimmt ganz viele andere auch) und wer hatte nicht schonmal den Gedanken, dass es bestimmt einen Ort zwischen Himmel und Diesseits gibt – oder? Dieser Gedankengang wird wirklich gut dargestellt und zieht sich durch das gesamte Werk. Darüber hinaus entwickelt sich die Geschichte aber auch weiter und konzentriert sich später vor allen Dingen auch auf die Koma-Patientin, mit der Eden ein ganz besonderes Erlebnis verbindet. Hinzu kommt noch die Beziehung zwischen Eden und Joe, die alles andere als leicht ist. Trotz dieser Dichte an Handlungssträngen gelingt es der Autorin, alle Aspekte gut und sehr emotional darzustellen, sodass man am Ende wirklich beeindruckt ist, mit welchen Dingen man sich als Leser auf knapp 300 Seiten (was ja wirklich nicht viel ist) beschäftigt hat. Dafür ein ganz großes Lob, denn das schaffen anderen nicht mal auf 500 oder mehr Seiten.

Ich könnte noch ewig weiter machen, möchte aber den Rahmen auch nicht sprengen. Wichtig ist, dass dieses Buch nicht nur aufgrund seiner poetischen Ausführungen überzeugt, sondern besonders aufgrund der sehr gut recherchierten und emotional dargestellten Themen. Dabei überzeugen auch die Figuren mit ihrer ganz eigenen Geschichte und verhelfen so zu einem wahnsinnig guten Gesamtpaket. Für mich war nach Beenden von „Während ich vom Leben träumte“ ganz klar, dass ich mir sofort „Gegen das Glück hat das Schicksal auch keine Chance“ besorgen und lesen werde – denn ich möchte unbedingt wissen, wie Lucille in die Situation gekommen ist, in der sie im zweiten Buch steckt. Aufgrund dieses Gesamteindrucks kann ich gar nichts anderes als 5 Sterne vergeben, schließlich gehört das Buch zu meinen absoluten Jahresghighlights – Dankeschön dafür <3