White Maze von June Perry

White Maze von June Perry

Juli 13, 2018 0 Von BenniCullen

Titel: White Maze
Untertitel: Du bist längst mittendrin
Autorin: June Perry
Verlag: Arena
Seiten: 376
Ausgabe: Hardcover
Auflage: 1
Erscheinungstermin: 13. Juli 2018
ISBN-10: 3401603728
ISBN-13: 978-3401603728
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*** Eure schöne neue Welt ist tödlich! ***

Mit einem Schlag endet Vivians sorgenfreies Leben: Ihre Mutter Sofia wurde ermordet! Die erfolgreiche Game-Entwicklerin stand kurz vor dem Release eines bahnbrechenden Computerspiels. „White Maze“ wird mit neuartigen Lucent-Kontaktlinsen gespielt – dank ihnen erleben die Spieler virtuelle Game-Welten mit allen Sinnen. Aber warum zerstörte Vivians Mutter kurz vor ihrem Tod die Prototypen der Linsen? Zusammen mit dem schulbekannten Hacker Tom will Viv den Mord an Sofia aufklären. Dazu muss Viv selbst Lucent-Linsen einsetzen und tief in die virtuelle Welt eintauchen. Doch dort ist es für den Mörder ein Leichtes, die falsche Realität nach seinen Spielregeln zu manipulieren. Kann Vivian ihren eigenen Gefühlen vertrauen, wenn alles, was sie sieht, hört, riecht und schmeckt, bloße Lüge ist?

Das Buch wurde mir von der Autorin als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt – ein herzliches Dankeschön dafür (:

Mich freut es immer total, wenn ich von Autorinnen und Autoren angeschrieben werde, ob ich nicht Interesse daran hätte, ihr neues Werk zu lesen. Und noch viel mehr freut es mich dann, wenn die Geschichte nach einer klingt, die mich in ihren Bann ziehen könnte. So geschehen bei June Perry alias Marion Meister und ihrem neuen Werk “White Maze” aus dem Arena Verlag. Die Story an sich wurde mir bereits auf der Leipziger Buchmesse vorgestellt, wo ich allerdings gar nicht so darauf geachtet habe, da ich im letzten Jahr bereits “Cloud” von Claudia Pietschmann gelesen habe und dachte, ich bräuchte kein Buch mit ähnlicher Thematik – weit gefehlt, denn “White Maze” ist so völlig anders als alles, was ich in diesem Bereich gelesen habe!

Wir begleiten Vivian, ein völlig normales jugendliches Mädchen, das wirklich alles hat: Geld, Freundinnen, Party, Klamotten und ganz wichtig: jede Menge Technik. Denn ihre Mutter ist die größte Entwicklerin von AR-Games überhaupt! Hinzu kommt, dass sie Linsen entwickelt, die man einsetzen kann um immer und überall online sein zu können. Vivian fühlt sich deshalb mit den neusten technischen Errungenschaften sichtlich wohl und achtet nicht darauf, was sie alles preis gibt und was sie eigentlich für sich behalten sollte. Bis zu dem Tag, an dem sich ihr gesamtes Leben ändert und sie gezwungen ist, offline zu gehen. Ob sie das schafft? Und ob sie sich selbst und ihr wahres Ich am Ende findet? Oder ist die Virtualität längst gleichzusetzen mit der Realität?

Ich muss gestehen, dass ich von Anfang an angefixt war. Wir starten in einer perfekten Welt, lernen Vivian kennen, die zunächst sehr abgehoben und unsympathisch wirkt, die sich dann aber recht schnell zu einer klugen jungen Frau entwickelt, die sich um mehr kümmert als ihr Aussehen und ihre Beliebtheit unter ihren Mitschülern. Diese Entwicklung wird durch die gesamte Geschichte getragen und stellt einen großen Teil der Geschichte da, was mir sehr gut gefallen hat. Und ganz ehrlich? Wir alle nutzen mehr oder weniger selbstverständlich neue Technik, sei es durch Benutzung eines Computers oder Laptops, dem Smartphone oder des Navis – irgendwie sind wir alle voll von Technik. Und ganz oft benutzen sie Menschen, ohne sich darüber wirklich Gedanken zu machen. Besonders Jugendliche scheinen online keine Hemmungen zu kennen und posten alles, was ihnen in den Sinn kommt. Diese Thematik wird wirklich wunderbar aufgegriffen, ohne den pädagogischen Zeigefinger zu erheben, sondern ganz subtil Kritik (aber auch Verständnis) zu äußern. Das hat mir sehr gut gefallen und ich könnte mir definitiv vorstellen, dass genau das bei jugendlichen Lesern gut ankommen wird.

Neben den Entwicklungen fand ich aber besonders den Spannungsaufbau sehr gelungen. Zwar waren mir persönlich die ersten 100 Seiten etwas zu langatmig (hier werden die Protagonisten als auch das Setting sehr genau beschrieben und eingeführt), ab Seite 101 ging es aber ohne viel Tam-Tam los und die Geschichte baute sich immer weiter auf, um dann in einem großen Finale zu enden. Ich fühlte mich stark an Handlungsstränge aus “Hunger Games”, “Die Bestimmung” und andere große Jugenddystopien erinnert. Gar nicht, weil die Geschichten sich ähnelten, sondern vielmehr, da es eine spannende Handlung gab, die gar nicht mehr zur Ruhe kommen wollte. Nur mit dem Unterschied, dass in “White Maze” alles so unfassbar realistisch wirkt. Während das Setting in “Hunger Games” zwar realistisch wirkt, ist aber ein solches Szenario relativ weit weg von dem, was tatsächlich in naher Zukunft passieren könnte (also, hoffentlich :D). Die Entwicklungen in diesem Buch dagegen könnten tatsächlich sehr bald auf uns zukommen, weshalb ich noch viel mehr an den Seiten hing und manche Aspekte gar nicht fassen konnte (eben, weil sie so unfassbar nah an der Realität waren). Für mich ist das der stärkste Pluspunkt dieses Werkes und deshalb auch ein Must-Read, wenn man sich auf spannende Weise mit der digitalen Entwicklung auseinandersetzen möchte.

Hinzu kommen all die philosophischen Fragen, die teilweise sehr explizit, teilweise aber auch sehr unterschwellig gestellt werden: Wer bin ich überhaupt? Was macht meine Umwelt mit mir? Wem kann ich trauen? Was macht mich aus? Was ist wichtiger: Das Wohl des Einzelnen oder das Wohl der Gemeinschaft? Gibt es das Gute, ohne das Böse? Und gibt es das Böse, ohne das Gute? Gibt es die perfekte Welt oder ist keine Welt perfekt? All diese Fragen werden gestellt und in mancher Hinsicht auch beantwortet, doch v. a. geht es darum, dass sich der Leser damit auseinandersetzt und zum Nachdenken animiert wird. Und das wird er, allein schon aufgrund der Dinge, die in der Geschichte passieren und mit der sich die Protagonistin auseinandersetzen muss. Auch hier finde ich es schön, dass die Autorin den Lesern Raum für ihre Gedanken und ihre Reflexion lässt, so kann jeder ganz individuell über die Fragen nachdenken – und genau das braucht man heutzutage: Menschen, die selber nachdenken.

Ein überaus spannender Plot, Charaktere, die sich über sich selbst hinaus entwickeln und philosophische Fragen, die zum Nachdenken anregen – was will man eigentlich mehr? “White Maze” ist ein wahnsinnig starkes Werk über ein Thema, das noch nicht allzu oft behandelt wurde, obwohl es doch so wichtig ist. June Perry gelingt es Handlung, Charaktere und Ernsthaftigkeit perfekt zusammenzubringen und einen Plot zu kreieren, der mit den ganz großen Jugendbüchern unserer Zeit mithalten kann. Ja, das Ende kommt rasant und unerwartet und tatsächlich muss man bis zur letzten Seite lesen, um wirklich alles zu verstehen – aber ist nicht genau das etwas, das wir wollen? Ein unerwartetes und völlig aus dem Rahmen fallendes Ende? Mir hat “White Maze” wirklich unglaublich gut gefallen und ich erhoffe mir fast einen weiteren Teil – ob ich den kriegen werde? Ich weiß es nicht, allerdings weiß ich eins: Lest dieses Buch, ihr werdet es nicht bereuen. Dafür gibt es von mir 5 Sterne und eine wirklich dringende Leseempfehlung (: